Landesbanken stehen unter Reformdruck: Sparkassen sauer auf private Banken

Landesbanken stehen unter Reformdruck
Sparkassen sauer auf private Banken

Die Landesbanken stehen unter Reformdruck. Alleine an einem Schulterschluss mit den Sparkassen genesen sie nicht, sagt der Chef der Stadtsparkasse Köln. Diese hat ihr operatives Ergebnis verbessert.

KÖLN. Die Sparkassen sind sauer auf die private Bankenkonkurrenz. Grund hierfür ist deren Vorstoß, die Trennung zwischen den drei Säulen der deutschen Kreditwirtschaft – Sparkassen, Genossenschaftsbanken und private Banken – aufzubrechen und sektorübergreifende Fusionen zu ermöglichen. „Jetzt wird uns erneut das Märchen aufgetischt, danach würde es allen besser gehen“, sagte der Vorstandschef der Stadtsparkasse Köln, Gustav Adolf Schröder, auf der gestrigen Bilanzpressekonferenz. Dies hält Schröder, der auch Bundesobmann der Sparkassen ist, für einen Irrtum. Ohnehin wollten sich die Großbanken nur einige Rosinen aus dem Sparkassenkuchen herauspicken: „Nur wenige Institute an zentralen Orten sind interessant für Dritte.“ Und sollte es zu einer – derzeit nicht geplanten – Privatisierung von Sparkassen kommen, bezweifelt Schröder, dass deutsche Großbanken wie Deutsche Bank & Co. dabei überhaupt zum Zuge kämen. „Woher sollen die denn das Geld dafür nehmen“, fragte Schröder. Dann seien ausländische Institute wie Royal Bank of Scotland oder Credit Lyonnais in einer viel besseren Ausgangslage.

Verstimmt ist der Chef der mit einer Bilanzsumme von 21,8 Mrd. zweitgrößten Sparkasse auch wegen der Kreditpolitik der privaten Banken bei deren Mittelstandskunden: „Es gibt eine Verrohung der Sitten.“ Vielfach würden private Banken bei der Kündigung von Kreditengagements gegen geltendes Recht und Kündigungsfristen verstoßen. Auf breiter Front zögen sich diese Institute aus der Mittelstandsfinanzierung zurück, trotz aller anders lautenden Lippenbekenntnisse. Sein Haus bemühe sich wie andere Sparkassen auch, in die Lücke zu springen. „Wir können aber nicht alle Mittelständler retten.“ Vor diesem Hintergrund steigerte die Sparkasse ihr Kreditvolumen um 4,2 % auf 16,1 Mrd. Euro. Die Großbanken sehen dies freilich anders. So sagt ein Sprecher der Commerzbank: „Die Vorwürfe sind bekannt. Für die Commerzbank ist der Mittelstand aber weiter ein Kerngeschäftsfeld.“

Unter deutlich gestiegenem Reformdruck sieht Schröder die Landesbanken, welche seit zwei Jahren bereits an Geschäftsmodellen ohne Staatsgarantien arbeiten. Diese entfallen auf Druck der Brüsseler Wettbewerbshüter Mitte des Jahres 2005. Angesichts der Wirtschaftsflaute gehörten die Modelle erneut auf den Prüfstand, fordert Schröder: „Wenn sich alles bewegt, muss es auch dramatische Änderungen bei den Landesbanken geben.“ Keinesfalls könnten die Landesbanken zwischen Kiel und München alleine an einem stärkeren Schulterschluss mit den Sparkassen genesen. „Das Geschäft mit den Sparkassen wird den Landesbanken zu keinem neuen Glanz verhelfen.“ Der Hintergrund: Erst kürzlich hatte die Helaba verkündet, sie strebe mit den Sparkassen in Hessen und Thüringen ein Verbundrating an. So will die Landesbank die drohende Ratingverschlechterung bei dem Wegfall der Staatsgarantien kompensieren und zusätzliche Geschäfte an Land ziehen. Dazu arbeitet die Helaba mit den Sparkassen an einem neuen Verbundkonzept.

Berechungen zeigten aber, dass die Landesbanken in ihrer bisherigen Dimension allein durch das Sparkassengeschäft nicht erhalten werden könnten, sagte Schröder. Dieser forderte deshalb erneut über die Geschäftsbereiche sowie die Personal- und Sachkosten von WestLB & Co. nachzudenken. Zufrieden bewertet er die geschäftliche Entwicklung seines eigenen Hauses. Dessen Betriebsergebnis stieg vor Bewertung um 34,8 % auf 240 Mill. Euro. Nach Bewertung sank es allerdings um 17 Prozent auf 47 Mill. Euro. Grund ist die deutlich um 79 Prozent auf 193 Mill. gestiegene Risikovorsorge, die vor allem auf Grund von Wertberichtigungen bei knapp 2 000 Kreditengagements erforderlich war. Getroffen hätte die Sparkasse unter anderem indirekt die Kirch-Pleite, in deren Folge viele Zulieferer des Medienkonzerns in Köln in Schwierigkeiten geraten seien.

Deutliche Erfolge verzeichnet Schröder an der Kostenfront. Die Kölner erzielten mit 56,8 (65,1) Prozent die beste Aufwands-Ertrags-Relation aller Großsparkassen (Durchschnitt: 65,4 Prozent). Sprich: Für einen Euro Ertrag gab die Stadtsparkasse Köln 56,8 Cents aus.

Zu schaffen machen dem Institut die günstigen Konditionen für Tagesgeldkonten bei einigen Direktbanken. Hier sei es zu einem Nettoabfluss von 90 Mill. gekommen. Den Wettbewerb mit solchen Verlustkonditionen will Schröder jedoch nicht aufnehmen. Vielmehr will er durch Marketingmaßnahmen gegensteuern.

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