Landesbanken
„Überkommene Strukturen werden einzementiert“

Nicht nur für den letzten WestLB-Chef Voigtländer ist die Zerschlagung der Bank kein großer Wurf. Auch Experten sehen keine bedeutende Veränderung der problembehafteten Landschaft der Landesbanken.
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Frankfurt/DüsseldorfDie Finanzmarktkrise und Brüssel haben geschafft, was Landespolitiker und Banker seit Jahrzehnten verhindern: Die Zahl der deutschen Landesbanken sinkt. Mit der Zerschlagung der WestLB ist Nordrhein-Westfalen das erste große Bundesland ohne eigene Landesbank. Mit dem Düsseldorfer Bankkonzern verschwindet erstmals seit Ausbruch der Krise in Deutschland vor fünf Jahren eine Großbank vom Markt. Die Steuerzahler und die Sparkassen müssen bei dem Abriss Milliardenlasten schultern. In anderen Bundesländern heißt das Motto Umbau statt Zerschlagung.

„Ich bin fest davon überzeugt, dass der Landesbankensektor in der jetzigen Aufstellung langfristig nicht überlebensfähig ist“, sagte der letzte WestLB-Chef Dietrich Voigtländer der „Wirtschaftswoche“. Um Kapazitäten abzubauen, seien Fusionen am sinnvollsten, auch wenn sie leider schmerzhaften Personalabbau bedeuteten. „Bis heute werden überkommene Strukturen einzementiert, und regionale Interessen bleiben im Vordergrund“, kritisierte Voigtländer. Die WestLB wird heute zerschlagen.

Beim WestLB-Chef mag Enttäuschung mitklingen. Aber auch Beobachter sehen ungelöste Probleme bei Landesbanken. „Ich kann nicht erkennen, dass das Ausscheiden der WestLB eine substanzielle Veränderung der Bankenlandschaft beziehungsweise der Landesbankenstruktur ist“, sagt Stefan Best von der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P). Den meisten Landesbanken ist der Zugang zu stabilen Geldströmen von Privatkunden versperrt - auch weil die Sparkassen als Miteigentümer dieses Endkundengeschäft gerne selbst beackern. So war die WestLB ein Koloss auf tönernen Füßen, der keine Sparkassen übernehmen durfte.

Die Problemberge sind nach wie vor gigantisch: Die mit Milliarden Steuergeldern gestützte BayernLB arbeitet ihre Vergangenheit vor Gericht auf und muss mit Auflagen aus Brüssel rechnen. Die HSH Nordbank hofft nach einer von den Wettbewerbshütern verordneten Schrumpfkur auf frischen Wind durch die Finanzierung von Windparks. Auch anderen Schiffsfinanzierern wie der NordLB bereitet das Nischengeschäft Probleme. Selbst die mit Abstand größte deutsche Landesbank, die LBBW, kämpft - obwohl gut im baden-württembergischen Mittelstand verankert - noch mit Altlasten in ihrer Bilanz.

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