Landesbanken: Wer beim Verkauf der WestLB die Strippen zieht

Landesbanken
Wer beim Verkauf der WestLB die Strippen zieht

Mit einer Zeitungsanzeige hat die WestLB öffentlich die Suche nach einem neuen Eigentümer gestartet. Gleichzeitig verhandelt die Landesbank über eine Fusion mit der BayernLB. Damit kommt endlich Bewegung in die seit Jahren blockierte Landesbanken-Debatte. Welche Akteure über den Erfolg der Rettungsaktion entscheiden - und wer im Hintergrund die Strippen zieht.
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DÜSSELDORF. In gut fünf Wochen, am 4. November, ist es so weit. Dann kommt die Bayerische Landesbank nach Düsseldorf, bezieht dort neue Büroräume in der Cecilienallee und umwirbt von der Landeshauptstadt aus dann vor allem mittelständische Firmenkunden Nordrhein-Westfalens.

Die feierliche Eröffnung der ersten deutschen Filiale des weißblauen Instituts außerhalb der eigenen Landesgrenzen hat Symbolkraft für das schwer angeschlagene Geldhaus. Sie ist Teil eines Umbauprogramms namens "Herkules", mit dem die BayernLB ihre Lebensfähigkeit beweisen will. Die wird seit Ausbruch der Finanzkrise nahezu allgemein bezweifelt.

Seit dieser Woche hat der Festakt, wenige Autominuten von der mindestens ebenso angezählten nordrhein-westfälischen WestLB entfernt, eine ganz neue Bedeutung bekommen. Auf der Tagesordnung steht neben der räumlichen nun auch die unternehmerische Annäherung der beiden schwer maladen Institute.

Am vergangenen Montag bestätigten BayernLB und WestLB, dass sie über einen Zusammenschluss verhandeln. Bis zum Jahresende wollen beide ergebnisoffen ausloten, ob eine Fusion betriebswirtschaftlich sinnvoll ist. Käme es dazu, würde das die Erwartungen selbst kühnster Finanzplatztheoretiker übertreffen.

Auf einmal ist Bewegung in die seit Jahren festgefahrene Diskussion um Zusammenschlüsse von Landesbanken geraten. Der Druck dafür ist hoch wie nie: Mit Kapitalhilfen von mehr als 20 Mrd. Euro haben vor allem Bundesländer und Sparkassen die Landesbanken BayernLB, WestLB, LBBW und HSH Nordbank gestützt.

Hinzu kommen allerlei Garantien und Rettungsschirme, deren Ausmaß so gewaltig ist, dass sie locker den einen oder anderen Landeshaushalt auf Dauer ruinieren könnten. Verhindern lässt sich ein Milliardendebakel nur, wenn die Banken profitabel werden und ein schlagkräftiges Geschäftsmodell entwickeln.

Ob das jedoch ausgerechnet in einer rheinisch-bayrischen Ehe gelingt? Die Zweifler sind zahlreich. Sie beklagen das fehlende Geschäftsmodell, die fehlende Refinanzierung oder die fehlende Genehmigung der Staatshilfen für beide Institute durch die EU-Kommission in Brüssel. Oder alles drei zugleich.

Doch ein Anfang ist gemacht. In den kommenden Monaten wird nun eifrig geprüft, gerechnet und verhandelt. Nun wird es darauf ankommen, ob und wie die zahlreichen Beteiligten aus Bundes- und Landespolitik sowie Bankenwelt sich zusammenraufen. Deren Interessen sind durchaus gegensätzlich und wie die Aktion am Ende ausgeht, ist offen. Fest steht nur, wie die Rollen in der einzigartigen Rettungsaktion verteilt sind.

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