Laut Medienbericht
36 Banken müssen Testament vorlegen

Krisenvorsorge auf dem Finanzmarkt: 36 deutsche Banken werden vom Finanzministerium in Berlin als systemrelevant eingestuft. Daher sollen sie nun Abwicklungspläne für den Ernstfall erstellen.
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BerlinAls Lehre aus der Bankenkrise sollen in Deutschland drei Dutzend Geldhäuser umfassende Notfallpläne ausarbeiten. So stuft die deutsche Bankenaufsicht 36 Institute als national systemrelevant ein, wie die "Süddeutschen Zeitung" (Dienstagsausgabe) vorab unter Berufung auf Informationen aus dem Finanzministerium berichtet. Die betroffenen Banken müssten bis Ende 2013 bei der Finanzaufsicht Bafin einen Sanierungsplan abgeben, auf dessen Basis die Aufsicht ein Testament erstellt. Damit will die Behörde sicherstellen, dass eine Bank schnell abgewickelt werden kann, wenn sie in Schieflage gerät.

Die "Testamente" für sogenannte systemrelevante Banken sind eine Konsequenz aus der Finanzkrise, als die unkontrollierte Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers das weltweite Finanzsystem an den Rand der Kernschmelze führte. Seither arbeiten Aufseher und Politiker an einem System, das verhindern soll, dass große Geldhäuser zu hohe Risiken eingehen - in der Gewissheit, dass sie ohnehin vom Staat aus einer Schieflage gerettet würden.

Die Namen der betroffenen Institute in Deutschland wird die Bafin nicht veröffentlichen. Als sicher gilt jedoch, dass die Deutsche Bank, die Commerzbank, die Münchener HypoVereinsbank (HVB), die zur italienischen Unicredit gehört, sowie die großen Landesbanken wie LBBW, NordLB, BayernLB und Helaba betroffen sind.

In Absprache mit der BaFin bereitet Finanzminister Wolfgang Schäuble zudem einen Gesetzentwurf zur Einführung der "Banken-Testamente" vor. Das Kabinett soll die Vorlage spätestens Anfang 2013 beschließen. Ziel der Regierung ist es, dass die Regelung noch vor der Bundestagswahl im nächsten Herbst in Kraft tritt.

 
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Laut Medienbericht: 36 Banken müssen Testament vorlegen"

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  • Wie sieht es dann aus, wenn z.B. die Deutsche Bank sich an der spanischen Bad Bank beteiligen will?

    Haftet dann der deutsche Steuerzahler auch für dieses Missmanagement?

    Es ist schon ein sonderbares Konstrukt was sich Schäuble hat einfallen lassen. An den Verlusten wird der kleine deutsche Steuerzahler zu 100 % beteiligt, von den Gewinnen jedoch sieht er nichts oder nur sehr wenig.

    Wenn das nicht einen Plan hat, dann verstehe ich das System nicht mehr. Alle wissen's und keiner schaut hin!

  • hm, wenn ein Staatsbeteiligung das Zocken verhindert, wieso waren dann so fast alle Landesbanken dabei? Und zum Thema Genossenschaften, die Genossenschaftlichen Zentralinstitute (namentlich die DZ) waren auch groß mit dabei. Und auf das Argument, dass das bei eine Genossenschaft, die ja ihren Mitgliedern/Kunden gehört, nicht passieren kann, sollte sich mal mit der Dt. Apotheker- und Ärztebank näher beschäftigen.
    Gegen übermäßiges Zocken hilft nur a) eine kompetente Aufsicht (welche es bei den dort gezahlten Gehältern kaum gibt - die guten Leute werden direkt vond en Banken usw abgeworben) und kompetente, interessierte und selbstbewusste Aufsichtsräte (dazu gehören leider idR weder Politiker noch Gewerkschafter, aber auch viel andere nicht). Und die Erkenntnis, dass man von Geschäften, die man nicht versteht, besser dei Finger lassen sollte...

  • Es ist eine einzige Farce - alle Banken sind Megapleite und werden durch vorgegaukelte Systemrelevanz vom Steuerzahler zum Zocken subventioniert, wer etwas anderes behauptet lügt vorsätzlich!

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