Lebensversicherer
Droht deutschen Konzernen das japanische Schicksal?

Japanische Lebensversicherer kennen es schon, ihren deutschen Kollegen könnte es bald ähnlich gehen: Niedrigzinspolitik sorgte bei den Japanern vor einigen Jahren für eine Pleitewelle. Ist nun Deutschland an der Reihe?
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TokioWer in die Kristallkugel blicken will, um die Zukunft der deutschen Lebensversicherer auszumachen, braucht nur in Japans Vergangenheit zu schauen. Danach könnte vielleicht eine Pleitewelle drohen, wie sie Japan bereits vor mehr als zehn Jahren durchlitten hatte. Japan war das erste Land, das eine dauerhafte Nullzinspolitik zum Mittel der Wirtschaftspolitik erhob.

Die schlechte Nachricht: Die niedrigen Leitzinsen, der Fluch der Branche, dürften länger bleiben, als den Assekuranzen lieb ist. Die gute Nachricht: Es gibt auch ein Leben nach der Nahtoderfahrung.

In Japan begann die Krise mit der Aktien- und Immobilienblase der 1980er-Jahre. Angesteckt von der Begeisterung, versprachen die Versicherer ihren Kunden eine hohe Mindestverzinsung von bis zu sechs Prozent - deutlich mehr, als die deutschen Versicherer je versprochen haben. Nach dem Platzen der Blase im Jahr 1989 pumpte sich der Staat immer mehr Geld für Konjunkturprogramme, um die Wirtschaft zu retten. Und um Staat und Banken zu retten, senkte die Notenbank die Zinsen, im Jahr 2000 sogar auf null Prozent, wo er seither allen Hilferufen der Branche zum Trotz de facto verblieb.

Die Operation gelang - Japans Wirtschaft blieb der Kollaps erspart -, aber sie verursachte Kollateralschäden - die Krise der Lebensversicherer. Sie mussten höhere Zinsen zahlen, als sie bei den niedrigen Zinsen und fallenden Aktienkursen erwirtschaften konnten. Diese negative Zinsspanne löste ab 1999 eine Pleitewelle aus, die 2001 mit dem Bankrott von fünf Versicherern ihren Höhepunkt erreichte. "Es gibt wenige Industrien auf der Welt, die in einer schlechteren Verfassung sind", urteilte das Magazin "The Economist" noch 2003. Doch da wendete sich das Blatt schon langsam zum Guten.

Ab 2001 hob ein sechs Jahre währender Wirtschaftsaufschwung alle leckgeschlagenen Boote, auch die Lebensversicherer. Zusätzlich zahlten sich Sanierungsprogramme, eine Konsolidierung der Branche, eine Zusammenarbeit mit Banken und die Einführung neuer Produkte wie Kranken- und Pflegeversicherungen aus. Seit 2010 steigt das Volumen der Neuverträge für individuelle Versicherungen wieder an. Zuvor war es lange gesunken.

Auch die negative Zinsspanne ist branchenweit fast passé, in einigen Unternehmen ist sie bereits gänzlich verschwunden. Denn nach 20 Jahren haben die Versicherer die meisten Altverträge abgegolten. Einige Versicherer wie Dai-ichi Life fühlten sich sogar stark genug, um an die Börse zu gehen. Viele expandieren im Ausland. Und im Juli haben die Branchenführer beschlossen, ihr Kapital zu erhöhen.

Die Sorgen bleiben. Nicht nur sind die Gewinne weiterhin schwach. Zudem drückt die Börsen-Baisse die dürftigen Erträge. Doch die größte Gefahr droht den Versicherern durch ihre Investitionen in bisher stabile japanische Staatsanleihen, die sich Ende März laut ihres Industrieverbands auf 1 470 Milliarden Euro beliefen. Angesichts einer Staatsverschuldung von 230 Prozent des Bruttoinlandsprodukts könnte auch dieses Kartenhaus zu wackeln beginnen und im Krisenfall riesige Lücken in die Bilanzen reißen. Die Kreditbewertungsagenturen werteten daher zuletzt die Bonität mehrerer Lebensversicherer ab.

Martin Kölling, Handelsblatt-Redakteur und Korrespondent in Tokio. Quelle: privat
Martin Kölling
Handelsblatt / Asien-Korrespondent

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  • Na hoffentlich hast du den § 89 VAG auch verstanden ;-) Versicherung pleite - keine Auszahlung - Beiträge müssen aber weiter gezahlt werden!

  • d.h. es gibt kein Geld...

  • d.h. es gibt keine kohle...

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