Lebensversicherer

EU-Aufsichtschef erwartet großen Umbruch

Lebensversicherer ändern ihr Geschäftsmodell. Zu diesem Schluss kommt Gabriel Bernardino, der Chef der EU-Versicherungsaufsicht. Der Portugiese sieht einen großen Umbruch auf die Branche zukommen.
Gabriel Bernardino, Chef der EU-Versicherungsaufsicht EIOPA, beobachtet, dass eine Änderungen der Geschäftsmodelle in den Vorständen der Lebensversicherer mehr und mehr ein Thema wird. Quelle: dpa
Lebensversicherungen

Gabriel Bernardino, Chef der EU-Versicherungsaufsicht EIOPA, beobachtet, dass eine Änderungen der Geschäftsmodelle in den Vorständen der Lebensversicherer mehr und mehr ein Thema wird.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie europäischen Lebensversicherer kommen beim notwendigen Umbau nach Auffassung ihrer Aufsichtsbehörde endlich in die Gänge. „Wir sehen eine Entwicklung: Änderungen an den Geschäftsmodellen sind mehr und mehr ein Thema in den Vorständen“, sagte der Chef der EU-Versicherungsaufsicht EIOPA, Gabriel Bernardino, in einem am Montag veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters.

„Es eilt, vor allem für den Teil des Lebensversicherungsgeschäfts, der auf harten Garantien basiert.“ Zahlreiche Lebensversicherer, auch in Deutschland, versuchen vor dem Hintergrund der neuen EU-Kapitalvorschriften „Solvency II“ von den kostspieligen Garantien loszukommen.

Bernardino sieht die Branche in den nächsten fünf Jahren in einem großen Umbruch. „Ich bin zuversichtlicher als vor einem Jahr, was das Tempo der Veränderung betrifft. Aber heißt das, dass alle schon am Ziel sind? Nein“, sagte der Portugiese. Nach dem Anfang des Jahres in Kraft getretenen Regelwerk „Solvency II“ müssen die Versicherer umso mehr Eigenmittel vorhalten, als die Risiken eingehen. Das macht die in Deutschland üblichen langfristigen Zins-Zusagen an die Lebensversicherungskunden für sie noch teurer als sie wegen der niedrigen Zinsen ohnehin sind.

„Wir brauchen einfachere, standardisiertere Produkte, die den Kunden nutzen“, forderte der EIOPA-Präsident. Allerdings bauen viele Lebensversicherer derzeit eher komplexere Policen, die einen Vergleich noch erschweren.

Die neuen Kapitalquoten nach „Solvency II“ hatten Investoren etwa in niederländischen Versicherern wie Delta Lloyd und Aegon verschreckt. Bernardino warnte vor falschen Schlüssen von der Solvabilitätsquote (SCR) auf die Stabilität der Versicherer. Unternehmen mit der gleichen SCR trügen noch lange nicht das gleiche Risiko. Versicherer, die anfälliger für Zinsänderungen oder versicherungstechnischen Risiken seien, brauchten mehr Spielraum. Es gebe keine „magische Zahl“ für die SCR, stellte Bernardino klar.

Eine ungesunde Rendite-Jagd auf der Suche nach Alternativen zu niedrig verzinsten Staatsanleihen macht Bernardino bei den Versicherern nicht aus: „Wir sehen keinen Herdentrieb. Ich begrüße eine stärkere Diversifikation der Investments. Das zahlt sich am Ende immer aus.“

Hier steckt das Geld Ihrer Lebensversicherung
Erstversicherer
1 von 9

Im Alter reicht die gesetzliche Rente meist nicht aus, um seine Standards zu erhalten. Also investieren viele Menschen in private Altersvorsorge – unter anderem durch Lebensversicherungen. Die Kapitalanlagen der Versicherten betrugen im Jahr 2015 insgesamt 851 Milliarden Euro – eine riesige Summe. An den Kapitalmärkten sind Lebensversicherer deshalb machtvolle Spielern. Nur: Wohin genau investieren sie?

Quelle: GDV, BaFin

Renten
2 von 9

Ein großer Teil der Gelder fließt in Renten. Ihr Vorteil: Anders als Aktien unterliegen sie vergleichsweise moderaten Kursschwankungen und sind fest verzinst. Der Anteil an Renten betrug im vergangenen Jahr 87,3 Prozent und ging im Vergleich zu den Vorjahren zurück. 2014 waren es 88,5 Prozent, 2013 noch 88,7 Prozent.

Hypotheken, Darlehen, Staatsanleihen
3 von 9

Es gibt verschiedene Arten von Renten, zum Beispiel Hypotheken, Darlehen und Staatsanleihen. Der Anteil von Hypotheken betrug 2015 5,8 Prozent und blieb damit gegenüber dem Vorjahr stabil. Darlehen machten mit 20,5 Prozent rund ein Fünftel der Renten-Investments der Lebensversicherer. Staatsanleihen, die als besonders sicher gelten, machten 7,1 Prozent der Renten-Investments aus.

Pfandbriefe
4 von 9

Der prozentuale Anteil von Pfandbriefen ist der drittgrößte innerhalb der Rentengelder – obwohl auch dieser nachgelassen hat. 2015 machten die Pfandbriefe 17,9 Prozent aus, 2014 waren es 19,4 Prozent.

Münzgeld in den Händen
5 von 9

Lebensversicherer investieren nicht nur direkt in Renten, sondern auch dadurch, dass sie Anteile an Rentenfonds erwerben. Die darin enthaltenen Renten machen den größten Teil der Renten aus, in welche die Lebensversicherer investiert sind: 25,9 Prozent. Dieser Anteil ist in den vergangenen Jahren leicht hoch gegangen. 2014 waren es 25,4 Prozent.

Genussrechte und Nachränge
6 von 9

Genussrechte unterliegen etwas anderen Regeln als Aktien oder Anleihen. Genaugenommen, sind sie eine Mischform aus Eigen- und Fremdkapital. Über die Genussrechte werden die Anleger an Gewinnen des Unternehmens beteiligt, können aber auch Verluste einfahren. Die Versicherer sind deshalb hier mit 1,8 Prozent kaum investiert.

Tages-, Termin- und Festgelder
7 von 9

Sicher aber wenig beliebt sind bei den Versicherern Tages-, Termin- und Festgelder. Nur ein Prozent des Kapitals ist so investiert.

  • rtr
Startseite

Mehr zu: Lebensversicherer - EU-Aufsichtschef erwartet großen Umbruch

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%