Lebensversicherer im Vergleich Ein Kraftprotz und zwei Nachzügler

Laut einer Studie ist die wirtschaftliche Kluft zwischen den deutschen Lebensversicherern groß. Klassenbester ist mit Abstand die Allianz. Zwei Konkurrenten müssen mit sich dem Prädikat „ausreichend“ begnügen.
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Im Vergleich mit seinen Mitbewerbern schnitt der Münchener Versicherungskonzern am besten ab. Quelle: Reuters
Klassenbester

Im Vergleich mit seinen Mitbewerbern schnitt der Münchener Versicherungskonzern am besten ab.

(Foto: Reuters)

FrankfurtSechs Monate hat sich Hermann Weinmann für seine Untersuchung Zeit genommen. Herausgekommen ist eine akribische Bestandsaufnahme, die einen tiefen Einblick in die Lage der Versicherer gewährt. Denn in einem umfangreichen Bilanz- und Unternehmens-Check hat sich der Versicherungsexperte des Instituts für Finanzwirtschaft der Hochschule Ludwigshafen am Rhein die Mühe gemacht, die wirtschaftlichen Kennziffern der zwölf wichtigsten deutschen Lebensversicherer miteinander zu vergleichen.

Das Ergebnis dürfte nicht jedem Topmanager in den Unternehmen zu Jubel veranlassen. Während der Report, der am Freitag in der Zeitschrift für Versicherungswesen erschien, die betriebswirtschaftliche Leistung von Allianz Leben als „sehr stark“ lobt, müssen sich viele andere Konzerne ein deutlich kritischeres Urteil gefallen lassen. „Die Spreizung zwischen den Gesellschaften nimmt zu“, sagt der Betriebswirtschafts-Professor Weinmann dem Handelsblatt.

Welche Zusatztarife sich für Versicherte lohnen
Versicherungssumme 50 Millionen Euro
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Die Deckungssumme auf 50 Millionen Euro zu erhöhen, kostet Singles im Schnitt nur 31, Familien mit Kindern nur 39 Euro mehr im Jahr. Das Vergleichsportal check24.de analysierte die Preise der Tarifmerkmale in der Privathaftpflichtversicherung. Insgesamt wurden 30 Versicherer miteinander verglichen. Die Preisanalyse wurde für einen Single-Tarif und für einen Familien-Tarif berechnet.

Bestleistungsgarantie
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Eine Haftpflichtversicherung mit Bestleistungsgarantie zahlt auch für Haftpflichtschäden, die nicht ausdrücklich mitversichert sind, wenn eine andere Versicherung auf dem deutschen Markt dafür aufkommen würde. Tarife mit dieser Zusatzleistung kosten im Schnitt aller Versicherungen für einen Single 24 Euro mehr im Jahr, verglichen mit einem Basistarif. Von Familien mit Kindern verlangen Versicherungen durchschnittlich 31 Euro mehr.

Geliehene Sachen
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Nur wenige Anbieter übernehmen auch Verlust oder Schaden, die an fremden, zu privaten Zwecken geliehenen Sachen, verursacht wurden. Doch falls der geliehene Fotoapparat im Urlaub geklaut oder die Ski-Ausrüstung kaputt gehen sollte, ist diese Deckungserweiterung eventuell sinnvoll. Für die Zusatzleistung bezahlen Singles jährlich 14 Euro, Familien 19 Euro mehr.

Hobbydrohnen
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Ob im privaten oder gewerblichen Bereich: Drohnen werden immer beliebter. Seit dem Jahr 2005 besteht in Deutschland eine Versicherungspflicht für die unbemannten Flugobjekte. Für Singles kostet die Absicherung sieben Euro zusätzlich – für Familien 14 Euro.

Schlüsselverlust
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Wenn die Schlüssel zum Haus, der Wohnung oder dem Büro verloren gehen, entstehen schnell hohe Kosten. Ein häufiges Missgeschick, gegen das sich Singles für nur sieben Euro mehr im Jahr versichern können. Familien zahlen für den Tarif elf bzw. sieben Euro.

Versicherungssumme 10 Millionen Euro
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Die Absicherung von 10 Millionen Euro kostet nur wenige Euro mehr im Jahr – acht (Single) bzw. neun Euro (Familie). Verbraucherschützer raten dazu, dass für sämtliche Personen,- Sach,- und Vermögensschäden eine Versicherungssumme von mindestens fünf Millionen Euro besteht.

Unbezahlte Hilfeleistung
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Eine unbezahlte Hilfeleistung, der sogenannter Gefälligkeitsdienst, ist zum Beispiel die Mithilfe beim Umzug von Bekannten oder Freunden. Geht versehentlich etwas zu Bruch, besteht rechtlich gesehen keine Pflicht zum Schadensersatz. Um solche Unfälle versichern zu lassen, gibt es einen Zusatztarif für sieben Euro (Single) und neun Euro (Familie).

Ein Kraftprotz und zwei Nachzügler: Die Kluft zwischen den zwölf wichtigsten deutschen Lebensversicherern wird laut Untersuchung nicht kleiner. Laut dem Report – der Ertragskraft, die Beteiligung der Verbraucher an den Ergebnissen sowie die finanzielle Stärke der Unternehmen nach einem Punktesystem bemisst – nimmt die Allianz Leben eine unangefochtene Spitzenposition ein. Mit 850 Punkten erhält der Versicherer laut Studie das Prädikat „sehr stark“ im betriebswirtschaftlichen Urteil.

Bei der Verbrauchernote, die neben der finanziellen Stabilität auch die Beteiligung der Kunden am Rohüberschuss berücksichtigt, schneiden die Münchener mit „sehr gut“ ab. Am unteren Ende der Tabelle finden sich dagegen dieses Jahr die Debeka Leben sowie die Generali Leben, die beide jeweils in den Verbrauchernoten nur mit „ausreichend“ beurteilt werden.

Weinmann justierte sein Bewertungssystem neu. Er bewertete dafür in dem Report unter anderem Kennziffern wie die Entwicklung der Rohüberschuss-Marge, die Ertragskraft sowie die Solvabilitätsquoten – also die Kapitalausstattungsquote der Versicherer –, die seit diesem Jahr erstmals individuell von jedem deutschen Versicherer ausgewiesen werden musste. Nach seinem Bewertungssystem konnten die besten Versicherer maximal 1000 Punkte erreichen. Auf dem zweiten Platz nach den Münchenern folgt die genossenschaftliche R+V Leben mit einer „starken“ betriebswirtschaftlichen Leistung und einer Note „gut“ im Verbraucherurteil. Die Ergebnisse und Beurteilungen der übrigen Unternehmen zeigten dagegen „erhebliche Unterschiede und in den einzelnen Kriterien auch zum Teil einen deutlichen Nachholbedarf“, wie Weinmann darlegt.

Versicherer bekommen härtere Kriterien zu spüren
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