Lebensversicherer Nürnberger Leben: Stille Lasten in der Bilanz

Die Nürnberger Lebensversicherung hat Bilanzerleichterungen ungewöhnlich stark genutzt. 2008 vermied das Unternehmen krisenbedingte Abschreibungen von mehr als 300 Mio. Euro, wie sich aus einem Bericht der Ratingagentur Fitch ergibt. Das ist Fitch zufolge eine Belastung für 2009.
Versteckspiel im Zeichen der Burg: Die Nürnberger hat das Wahrzeichen der Stadt in ihrem Firmenlogo. Der Versicherungskonzern hat im Jahr 2008 stille Lasten aufgetürmt. Quelle: dpa

Versteckspiel im Zeichen der Burg: Die Nürnberger hat das Wahrzeichen der Stadt in ihrem Firmenlogo. Der Versicherungskonzern hat im Jahr 2008 stille Lasten aufgetürmt.

(Foto: dpa)

FRANKFURT. Solch eine hohe Inanspruchnahme der Bilanzierungshilfe im Zuge des § 341b HGB ist in der Branche unüblich (siehe "Was erlaubt ist"). Analysten schätzen, dass die Lebensversicherer insgesamt 2008 etwa sieben Mrd. Euro an Abschreibungen vermieden haben. Dies entspricht etwa einem Prozent ihrer Kapitalanlagen. Bei der Nürnberger Leben sind es laut der Ratingagentur mehr als drei Prozent, der Versicherer hat den Krisenparagrafen also mindestens drei Mal so stark genutzt wie der Durchschnitt. Fitch berichtete bereits in einem früheren Bericht, dass es Werte bis zu 3,8 Prozent gegeben habe - bezieht dies aber nicht ausdrücklich auf die Nürnberger.

Die Gesellschaft selbst beantwortete Fragen des Handelsblatts nicht, sondern erklärte nur allgemein: Nach Gegenrechnung stiller Reserven wiesen die Kapitalanlagen der Lebensversicherung Ende 2008 stille Lasten von 97,1 Mio. Euro auf. Dies entspreche 0,8 Prozent der gesamten Kapitalanlagen.

Der Geschäftsbericht für 2008 der Nürnberger Leben liegt noch nicht vor. Fitch stellt aber schon fest: "Das Kapitalanlageergebnis in der Lebensversicherung nach HGB war deutlich unter denjenigen der Wettbewerber." Bisher veröffentlicht wurde nur die Bilanz der Muttergesellschaft Nürnberger Beteiligungs-AG. Darin wird § 341b HGB nicht erwähnt. Deutlich wird jedoch: Die Kunden der Nürnberger Leben leiden unter der Krise stärker als die Aktionäre, die eine Dividende von 24,1 Mio. Euro erhielten. Großaktionäre sind die Versicherungskammer Bayern (VKB), indirekt die Münchener Rück, Automobilhändler und verbundene Gesellschaften der Nürnberger sowie Schweizer Rück und Sal. Oppenheim. Der Streubesitz ist minimal.

Unter den Kunden der Nürnberger litten 2008 besonders die Inhaber von Fondspolicen. So vermerkte die Nürnberger in der Bilanz Wertminderungen von 2,1 Mrd. Euro "für Rechnung- und Risiko von Lebens- und Unfallversicherungspolicen". Das ist faktisch der Betrag, den - ehemals risikobereite - Versicherte wegen der Krise vorerst gedanklich abhaken dürfen. Zudem wird den Versicherten auch deutlich weniger Geld als bisher zugeschrieben. Ihre Rückstellung für Beitragsrückerstattung steigt nur um 118 Mio. statt wie im Vorjahr um 430 Mio. Euro.

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