Lebensversicherer
R+V drosselt umstrittene Einmalbeiträge

Der Versicherer R+V hat seine Spargeschäfte mit hohen Summen verteidigt. „Bei R+V sind keine kurzfristigen, nicht nachhaltigen Anlagegeschäfte möglich“, wehrte sich der Vorstandsvorsitzende Friedrich Caspers gegen Vermutungen in der Branche, gerade Versicherer mit einem starken Bankenvertrieb seien bei dem Thema zu nachlässig. R+V habe „bewusst“ einen Verlust an Marktanteilen im Lebensversicherungsgeschäft in Kauf genommen.
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FrankfurtDass gleichzeitig die laufenden Beiträge im Bestand und im Neugeschäft sowie die Bestandsgröße nach Verträgen gegen den Markttrend gesteigert wurden, sei ein Indiz für die langfristige Stärkung des Wachstums, fügte Caspers hinzu. Nach der Allianz und neben den Versicherern der Generali-Gruppe verzeichnete R+V absolut das höchste Volumen bei den umstrittenen Einmalbeiträgen in der Lebensversicherung. Sehr viel Geschäft nahmen in diesem Bereich auch die Sparkassenversicherer VKB und SV in die Bücher, ergab eine Aufstellung im Branchenmagazin „Zeitschrift für Versicherungswesen.

Der zu den Genossenschaftsbanken gehörende Versicherer steigerte im vergangenen Jahr seine Bruttobeiträge um 5,5 Prozent auf 11,1 Milliarden Euro. Der Konzern zeichne sich weiterhin durch hohe Solvabilität aus und habe alle Stress-Tests der Finanzaufsicht BaFin erneut bestanden. Unterm Strich sei ein Ergebnis nach Steuern in Höhe von 261 Millionen Euro erzielt worden. Das war gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 29 Prozent.

Die R+V-Erstversicherer hätten ihre Einnahmen dabei um 2,6 Prozent auf 9,7 Milliarden Euro gesteigert. Die gebuchten Brutto-Beiträge in der R+V Lebens- und Pensionsversicherung lagen mit 5,6 Milliarden Euro auf dem hohen Vorjahresniveau. Mit 2,74 Milliarden Euro hätten die Lebens- und Pensionsversicherer ihren Rekord im Neugeschäft von 2009 wiederholt. Die laufenden Neubeiträge, also das Brot- und Buttergeschäft, seien dabei um 14,7 Prozent auf 499 Millionen Euro gestiegen, während diese branchenweit mit minus 2,6 Prozent rückläufig waren. Die umstrittenen Einmalbeiträge gingen zwar um 3,6 Prozent zurück, blieben mit auf 2,2 Milliarden Euro aber auf einem hohen Niveau.

Der Versicherer bestätigte frühere Angaben zu möglichen Schäden in Japan. Als international tätiger Rückversicherer sei R+V in 2011 auch von der Naturkatastrophe in Japan betroffen. Die Schadenhöhe liege voraussichtlich zwischen 60 und 100 Millionen Euro und werde keine wesentlichen Auswirkungen auf das Konzernergebnis 2011 haben. R+V habe ihre Beitragseinnahmen im Segment übernommene Rückversicherung im vergangenen Jahr um 20,9 Prozent und damit erstmals auf über eine Milliarde Euro gesteigert. Vertragserneuerungen, die Akquisition neuer Kunden, aber auch Wechselkurseffekte hätten dazu beigetragen.  Das Ergebnis des Segments nach Steuern belief sich trotz mehrerer größerer Elementarereignisse im Laufe des Jahres auf 24 Millionen Euro und stieg damit um 25 Prozent.

Die R+V Schaden- und Unfallversicherer der seien im Inland in einem weiterhin stagnierenden und wettbewerbsintensiven Markt erneut erfolgreich gewesen. Die Beitragseinnahmen kletterten um sechs Prozent auf 3,9 Milliarden Euro. Damit habe R+V ihren Marktanteil von 6,7 auf 7,0 Prozent gesteigert. In der Kfz-Versicherung, der umsatzstärksten Sachversicherungssparte, stiegen die Beiträge sogar um 7,9 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro. Der Bestand wuchs um 258.000 Kfz-Verträge. Trotz der Tarifanpassung im Herbst 2010 sei der gesamte Kfz-Bestand auch nach dem Wechselgeschäft 2010/2011 stabil bei 3,5 Millionen versicherten Fahrzeugen geblieben. Damit hat R+V ihre Marktposition als drittgrößter Kfz-Versicherer in Deutschland – nach Huk-Coburg und Allianz - weiter ausgebaut. Der Marktanteil erhöhte sich von 7,2 auf 7,8 Prozent.

Im Gegensatz zur Nürnberger Versicherung sieht R+V dringenden Nachbesserungsbedarf beim EU-Regelwerk Solvency II, das ab 2013 gelten soll. „Insbesondere müssen die Komplexität, die Volatilität und die Berichtspflichten reduziert werden“, sagte Caspers. Nachbesserungen seien zudem dringend notwendig bei der  Methode zur Bestimmung der Zinsstrukturkurve und bei der Kalibrierung wichtiger Modellteile. Weiterhin gelte es das Proportionalitätsprinzip anzuwenden und den Ansatz in allen Säulen zu entschlacken. Eine unveränderte Umsetzung würde die Wettbewerbsfähigkeit der Versicherer und ihre Leistungsfähigkeit für die Verbraucher gefährden.

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