Lebensversicherung Die teure Tochter von Provinzial Nordwest

Nach „unvorhersehbaren Verlusten“ muss der Sparkassenversicherer Provinzial Nordwest seine Lebensversicherungssparte mit einem zweistelligem Millionenbetrag stützen - und belastet damit die eigene Bilanz. Vorstandschef Rüther ist trotzdem überzeugt von der eigenen Leistungsfähigkeit und schloss Fusionen vorerst aus.
Hilfe von oben: Provinzial muss seinen Lebensversicherer finanziell unterstützen. Quelle: dpa

Hilfe von oben: Provinzial muss seinen Lebensversicherer finanziell unterstützen.

(Foto: dpa)

MÜNSTER. Der zweitgrößte Sparkassenversicherer Provinzial Nordwest hat seinen Lebensversicherer aufgefangen. Wegen starker Abschreibungen im Zuge der Finanzkrise wurde eine Kapitalspritze von 27,5 Mio. Euro notwendig. Der Konzern übernahm damit teilweise die im vergangenen Jahr angefallenen Verluste. Zum Ausgleich des Fehlbetrags trug auch das Finanzamt mit einer Steuerrückerstattung von 18 Mio. Euro bei. Dennoch flossen in den Lebensversicherer unter dem Strich zehn Mio. Euro.

Mit der Finanzaufsicht BaFin vereinbarte die Gesellschaft eine weitere Stützungsaktion. Wie die benachbarte Provinzial Rheinland verzichteten die Münsteraner darauf, wie üblich einen wichtigen Geldtopf für die Versicherten weiter zu füllen: Die Provinzial Nordwest verzichtete auf Rückstellung für Beitragsrückerstattung (RfB). Im Vorjahr waren in diesen Posten noch 355 Mio. Euro geflossen.

Im Geschäftsbericht begründete das Unternehmen die Aktionen mit „unvorhersehbaren Verlusten“. Der seit Januar amtierende Vorstandsvorsitzende Ulrich Rüther bezeichnete die ungewöhnliche Vorgehensweise als „sehr konservative Bilanzierung“. Es gebe Konkurrenten, die sportlicher unterwegs seien. Insgesamt bringe dies zwar „keine glückliche Optik“ in die Bilanz. Der Vorstand wolle jedoch „nicht mit zu vielen Steinen in die Zukunft gehen“. Mit den Eigentümern, Sparkassen- und Landschaftsverbänden, sei dieses Vorgehen abgestimmt worden.

Die Verbände bekommen dennoch wie abgesprochen eine Dividende von 22,4 Mio. Euro. Das ist mehr als der Konzerngewinn, der 2008 von 120 auf 12 Mio. Euro gefallen ist.

Vorstandschef Rüther betonte, die Leistungsfähigkeit einer Lebensversicherung bemesse sich nicht an einem Jahr. Ihn stimme optimistisch, dass die laufende Durchschnittsverzinsung des Portfolios bei 4,8 Prozent liege. Im Vergleich zur Provinzial Rheinland verfügt die Provinzial Nordwest auch über ein deutlich geringeres Portfolio mit verbrieften Forderungen, sogenannten Asset Backed Securities (ABS). Es ist inzwischen von 1,5 Prozent der Kapitalanlagen auf 1,1 Prozent abgebaut worden. Dabei wurde sogar eine halbe Million Euro Verlust in Kauf genommen.

Fusionen mit anderen Sparkassenversicherern sind für Rüther vorerst kein Thema. Er sei für Gespräche immer offen und arbeite auch gut mit der Schwester in Düsseldorf zusammen. Was daraus werde, müssten jedoch die Eigentümer entscheiden. Das sind in erster Linie die Sparkassen, die derzeit wegen der Landesbanken aber andere Sorgen haben. Zudem wollen die Sparkassenverbände in Westfalen und dem Rheinland bis Ende 2012 fusionieren. Für die beiden öffentlichen Provinzial-Versicherer bedeutet dies nach Einschätzung von Insidern: Weitere Fusionsdebatten sind im Westen erst in einigen Jahren zu erwarten.

Schneller könnte es im Süden gehen. Dort ist der Branchenführer Versicherungskammer Bayern (VKB) aus München offen für ein Zusammengehen mit der SV Sparkassenversicherung. Mit den Stuttgartern hatte die Provinzial Nordwest im vergangenen Jahr die Zusammenarbeit im IT-Bereich aufgelöst. Ein Grund war, dass beide Gesellschaften nicht miteinander fusionieren wollten.

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