Lebensversicherung
Wenn die Police zur Last wird

Immer mehr Deutsche lassen ihre Lebensversicherung ruhen. Weil ihre Lebensumstände nicht mehr mit einem Produkt zusammenpassen, das auf Jahrzehnte angelegt ist. Dabei gibt es mittlerweile etliche Varianten.
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FrankfurtSprechen die Vorstände von Lebensversicherern über ihre Produkte, dann geben sie vor allem eines zu: „Die klassische Lebensversicherung ist nicht mehr erste Wahl.“ Das sagte etwa kürzlich Volker Priebe, Vorstand der Allianz Leben in Stuttgart, im Handelsblatt-Interview. Dabei wird gerne übersehen: Nicht nur die klassische Variante mit garantierter Verzinsung, sondern das Gesamtprodukt Lebensversicherung ist nicht mehr attraktiv.

Im Vordergrund stehen für die Versicherer zumeist die Neuabschlüsse. Hier ergab sich in den vergangenen Jahren wegen der anhaltenden Niedrigzinsen ein Schwenk in Richtung der sogenannten „neuen Garantien“, die sich gut verkaufen. In der Regel sind das fondsgebundene Produkte – hier spielt auch die Performance des Aktienmarkts eine gewichtete Rolle –, die nur noch das eingezahlte Kapital garantieren.

Dass in der langen Ansparphase viele Kunden nicht mehr ganz so glücklich mit ihrer einst abgeschlossenen Lebensversicherung sind, zeigen die neuesten Zahlen des Branchendienstes Map Report. Demnach ist der Anteil der sogenannten beitragsfreien (stillgelegten) Policen im vergangenen Jahr auf über 27 Prozent gestiegen. Vor zehn Jahren lag die Quote noch bei knapp 21 Prozent.

Über die Gründe kann nur spekuliert werden – sie dürften allerdings vielseitig sein. Zum einen sind die Lebensentwürfe der Menschen heutzutage sehr viel anders als noch vor Jahrzehnten, als sie der gleiche Arbeitgeber, Wohnort und Partner das gesamte Leben begleitete. Allen voran die besonders langfristigen Lebensversicherungen, mit Laufzeiten von bis zu drei Jahrzehnten, sind mit dem heutigen Planungshorizont vieler Menschen nicht mehr vereinbar. Einschneidende Veränderungen im Beruf und im Privatleben, Sabbaticals, Patchwork-Familien und längere Auslandsaufenthalte – das alles erschwert die langfristige Planbarkeit.

Hinzu kommt die seit sieben Jahren anhaltende Niedrigzinsphase im Euro-Raum. Auch diese Tatsache macht das Produkt Lebensversicherung schlichtweg unattraktiv. Außerdem steht es, zumindest aus Kundensicht, in Konkurrenz zu Riester-Rente und Berufsunfähigkeitsversicherung. Alle Produkte kann sich der Kunde in der Regel ohne Einschnitt beim privaten Konsum nicht leisten. Wer das eine hat, kauft in der Regel nicht mehr das andere.

Auch wenn die Zahl der stillgelegten Lebensversicherungen mittlerweile auf Rekordniveau ist, so lässt sich daraus zumindest ein positiver Aspekt herausziehen: Storniert haben im vergangenen Jahr nur 2,8 Prozent derjenigen, die eine Lebensversicherung besitzen. So wenige waren es in den vergangenen zwanzig Jahren nicht.

Der Unterschied zwischen Stornierung und Stilllegung einer Lebensversicherung ist relativ einfach erklärt. Storniert ein Kunde seine Police, dann verliert er in der Regel sehr viel Geld damit. In der ersten Phase der Laufzeit geht ein Großteil der eingezahlten Beiträge für die Abschlussprovision drauf. Außerdem muss er auf den noch immer recht attraktiven Schlussüberschuss verzichten. Den erhält, wer bis zum Ende durchhält. Einziger Vorteil: Der Kunde bekommt sofort Geld. Seine Angehörigen jedoch gehen beim eigentlichen Versicherungszweck, nämlich der Absicherung des Lebens, leer aus.

Wird die Police beitragsfrei gestellt, dann bekommt die Familie zumindest noch einen Anteil der ursprünglich abgeschlossenen Summe. Außerdem kann der Kunde die Versicherung wieder aufleben lassen, falls sich seine finanziellen Umstände zum Besseren verändern.

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