Lebensversicherungs-Policen
Ergo wickelt Bestände doch selbst ab

Die Tochtergesellschaft der Munich Re will ihren Bestand an sechs Millionen alten Lebensversicherungs-Policen nun doch nicht verkaufen. Zu groß war wohl der Druck von außen. Und die Angebote offenbar zu mager.
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MünchenAm Ende waren es nur wenige Zeilen. Nach Börsenschluss meldete die Munich Re, dass ihre Erstversicherungstochter Ergo die Gespräche zum Verkauf ihrer deutschen Lebensversicherungsbestände derzeit nicht weiter verfolgen wird. Dies habe der Vorstand der Ergo heute nach intensiver Bewertung der unverbindlichen Angebote von Interessenten und Diskussion unter Abwägung von Optionen entschieden, hieß es weiter.

Ende September hatte die Ergo Versicherung erstmals öffentlich gemacht, den Verkauf von sechs Millionen alten Lebensversicherungsverträgen zu prüfen. Die Aufregung war seither groß.

Verbraucherschützer wie der Bund der Versicherten und auch die Unions-Fraktion im Bundestag sprachen sich für eine stärkere Regulierung aus. Im Hinterkopf schwebte dabei stets, dass vor Jahren in Großbritannien schlechte Erfahrungen mit solchen Modellen gemacht wurden. Sogenannte Run-Off-Gesellschaften hatten die Bestände von Lebensversicherern übernommen und waren dann teils sehr ruppig mit den Kunden umgesprungen, vernachlässigten den Service und trugen dazu bei, dass ein Weiterverkauf von Altbeständen in Verruf geriet.

In Deutschland ist der Verkauf von Altbeständen erst seit gut drei Jahren ein Thema. Allerdings haben seither auch nur kleinere Bestände wie die der Basler oder der Heidelberger Leben den Besitzer gewechselt. Die Börsenaufsicht Bafin hat dabei je nach Einzelfall zwischen einem halben und anderthalb Jahren geprüft. Meldungen von Kunden, die sich schlecht behandelt fühlen, gibt es seither nicht. Das wäre wohl auch der Tod des ganzen Modells, hieß es immer wieder aus Versicherungskreisen.

Hätte sich Ergo ebenfalls entschlossen, die Bestände tatsächlich zu verkaufen, hätte das eine neue Dimension bedeutet. Bestände in dieser Größenordnung hatten in Deutschland bisher nicht den Besitzer gewechselt. Insofern schaute die Branche zuletzt besonders auf die Entscheidung von Ergo.

Noch Mitte November sagte Deutschland-Chef Achim Kassow im Handelsblatt-Interview wörtlich: „Wenn als Ergebnis der Prüfung herauskommt, dass wir eine langfristig tragfähige Lösung finden, können wir diesen Weg einschlagen. Wenn wir dagegen zu der Erkenntnis kommen, dass der Verkauf keine Option ist, dann ist das auch ein klares Statement“. Zudem versprach er, die Interessen von Kunden, Eigentümern, Mitarbeitern und Vertriebspartnern bei der Entscheidung bestmöglich zu berücksichtigen.

Nachdem bei Ergo nun Klarheit herrscht, steht bei Wettbewerber Generali die Entscheidung noch aus. Die Gesellschaft hatte im September ebenfalls angekündigt, die Veräußerung ihrer deutschen Bestände zu überprüfen. Eine Entscheidung darüber gibt es bislang nicht. Wie Generali leidet letztlich die gesamte Branche unter dem seit sieben Jahren andauernden Niedrigzinsumfeld. Altbestände an Lebensversicherungen mit Garantiezinsen von bis zu vier Prozent stellen für alle Gesellschaften ein Problem dar. Im Neugeschäft werden deswegen mittlerweile überwiegend fondsgebundene Lösungen angeboten.

Zum Umgang mit den Thema Altbestände gab es der Branche zuletzt unterschiedlichen Meinungen. Während Ergo und Generali die Abgabe der Altbestände prüfen oder geprüft haben, schließen andere Versicherer den Verkauf kategorisch aus. Zu jenen gehören etwa Allianz, Nürnberger, Huk-Coburg oder R+V. Die öffentlichen Stellungnahmen der Unternehmen enthielten dabei auch so manches Mal einen Seitenhieb auf die Konkurrenz: „Die Nürnberger Versicherung geht ihren eigenen Weg und stellt nicht wie andere Versicherer das Lebensversicherungsgeschäft ein“, hieß es etwa vor kurzem von dort. .

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