Lebenswerk
Ehepaar Beitz erhält NRW-Preis

Manche halten ihn noch heute für den mächtigsten Mann im Ruhrgebiet: Der 98-jährige Krupp-Patriarch Berthold Beitz hat Nordrhein-Westfalens höchste Auszeichnung bekommen - auch wegen seines Einsatzes für Juden in der Nazizeit.
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EssenDer frühere Krupp-Manager Berthold Beitz (98) und seine Ehefrau Else (91) haben den höchsten Orden Nordrhein-Westfalens bekommen. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft zeichnete das Paar am Montagabend auf dem ehemaligen Krupp-Stammsitz, der Essener Villa Hügel, mit dem Staatspreis des Landes aus.

„Wir verneigen uns vor Ihrem Lebenswerk“, sagte die SPD-Politikerin. Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert, die einer Hauptschule zugutekommen sollen.

Beitz war an der Spitze des Krupp-Konzerns seit 1953 einer der einflussreichsten Manager Deutschlands. Als Chef der Krupp-Stiftung, die das größte Aktienpaket am Dax-Konzern ThyssenKrupp hält, ist er für manche Beobachter noch heute der mächtigste Mann des Ruhrgebiets.

Die Auszeichnung erhielten Beitz und seine Frau aber nicht nur für gelungene Industriepolitik, die einen Konzern mit heute 180.000 Mitarbeitern über Krisen in die Zukunft rettete. Er wurde in Anerkennung seiner „herausragenden Verdienste um die Verständigung unter den Völkern“ geehrt, wie es in der Urkunde heißt.

Als junger Öl-Manager im besetzten Polen hatte Beitz während des Zweiten Weltkriegs Hunderte Juden vor dem Tod im KZ gerettet, indem er sie als Arbeiter anforderte. Else Beitz versteckte - ebenfalls unter Lebensgefahr - Kinder in ihrem Haus. Beitz-Biograf Joachim Käppner erzählte in seiner Laudatio die ergreifende Geschichte eines damals 13-jährigen Augenzeugen: Wie Beitz bewaffneten SS-Leuten und ihrem schreienden Anführer entgegengetreten sei und zahlreiche Menschen in letzter Minute aus den Bahnwaggons geholt habe.

„Sie hätten selbst verhaftet werden können, sie hätten vielleicht selbst im Konzentrationslager enden können - aber sie haben die Menschlichkeit über die Angst gestellt“, sagte Kraft. „Sie sind große Vorbilder und herausragende Botschafter Nordrhein-Westfalens.“ Kraft wies auch darauf hin, dass der geborene Mecklenburger Beitz nie seine Herkunft als „einfacher Landjunge“ aus den Augen verloren habe: „Diese Erdung ist eine Quelle Ihrer Stärke.“ Er habe sich immer dafür eingesetzt, dass zwischen Unternehmensführung und Beschäftigten ein Klima des Vertrauens und der Verlässlichkeit herrschen könne.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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