Lehman Brothers: Gläubiger in Europa bekommen ihr Geld vollständig zurück

Lehman Brothers
Gläubiger in Europa bekommen ihr Geld vollständig zurück

Gute Nachrichten für Gläubiger von Lehman Brothers: Die in der Finanzkrise untergegangene US-Investmentbank zahlt den Kreditgebern ihr Geld vollständig zurück – die vierte Ausschüttung seit der Pleite im Jahr 2008.
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London/FrankfurtDie Gläubiger der in der Finanzkrise untergegangenen US-Investmentbank Lehman Brothers in Großbritannien und Deutschland bekommen ihr Geld vollständig zurück. Die als Insolvenzverwalter für die britische Lehman Brothers International Europe eingesetzte Wirtschaftsprüfungsfirma PwC kündigte am Mittwoch eine vierte Ausschüttung an die unbesicherten Gläubiger für Ende April an, mit der die Rückzahlungsquote auf 100 Prozent steigt. Und selbst danach könnten nach PwC-Schätzungen weitere fünf Milliarden Pfund (6,1 Milliarden Euro) übrig bleiben, die später noch an die Gläubiger verteilt werden könnten.

Von den Zahlungen profitieren vor allem Hedgefonds und andere Finanzinvestoren, die die Ansprüche teils mit großen Abschlägen aufgekauft hatten und nun zum Teil mit dreistelligen Millionengewinnen rechnen können. Insgesamt schüttet Pwc rund 40 Milliarden Pfund aus, davon 23 Milliarden an besicherte und 16 Milliarden an bis zu 3400 unbesicherte Gläubiger.

Auch bei der deutschen Lehman Brothers Bankhaus AG hat die Insolvenzquote Gläubigerkreisen zufolge inzwischen annähernd 100 Prozent erreicht. Zuletzt hatte der deutsche Insolvenzverwalter Michael Frege eine Quote von bis zu 80 Prozent in Aussicht gestellt. Größte Gläubiger der Deutschland-Tochter sind die Bundesbank und der Einlagensicherungsfonds der privaten Banken, die dort jeweils Milliarden im Feuer stehen haben. Die Einlagensicherungsfonds hatte 6,7 Milliarden Euro an Lehman-Kunden – zumeist Großanleger – ausgezahlt. Es war der größte Entschädigungsfall in Deutschland überhaupt. Die Käufer der vor der Finanzkrise beliebten Lehman-Zertifikate sind Teil eines separaten Insolvenzverfahrens in den Niederlanden.

Der für die britische Lehman-Brothers-Tochter zuständige PwC-Insolvenzverwalter Tony Lomas sagte, mehr als die Hälfte der Verbindlichkeiten seien von Fonds aufgekauft worden, die auf faule Kredite spezialisiert seien. Finanzkreisen zufolge sind darunter Branchengrößen wie Elliott Management und Baupost. Im Graumarkt werden Forderungen an Lehman Brothers Europe inzwischen zu 145 Prozent des Nennwertes gehandelt – kurz nach der Pleite waren es 10 Prozent gewesen.

Die Abwicklung der Londoner Lehman-Tochter gilt als der komplexeste Teil des weltumspannenden Insolvenzverfahrens, weil über London viele Handels- und Investmentgeschäfte in Dutzenden von Ländern abgerechnet wurden. Die Insolvenzverwalter mussten komplizierte Derivate-Geschäfte und Aktientransaktionen aufschnüren. Zudem mussten sie sich zum Teil gerichtlich mit den für andere Landesgesellschaften zuständigen Verwaltern über gegenseitige Ansprüche einigen.

PwC-Mann Lomas sagte, die Lehre aus der Lehman-Pleite sei, dass Banken stets darauf achten müssten, dass ihr Liquiditäts-Polster auch Krisen übersteht. „In Krisenzeiten geraten Kunden in Panik und wollen ihr Geld oder ihre Anlagen zurück. In einem großen, komplexen Finanzinstitut ist Liquidität deshalb genau so wichtig wie die Bilanzkennzahlen“, sagte er. Lehman Brothers war trotz einer soliden Eigenkapitalquote 2008 abrupt in die Pleite geschlittert, weil sich das Vermögen der Bank nicht schnell genug zu Geld machen ließ, um den Forderungen der Anleger nachzukommen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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