Lehman Brothers: Insolvenzverwalter auf Konfrontationskurs

Lehman Brothers
Insolvenzverwalter auf Konfrontationskurs

Der Insolvenzverwalter der US-Investmentbank Lehman Brothers ist gar nicht einverstanden mit den Honorarforderungen seines deutschen Kollegen Michael Frege. Der wickelt die deutsche Tochter ab - und fordert 800 Millionen.
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FrankfurtDer Insolvenzverwalter der US-Investmentbank Lehman Brothers geht auf Konfrontationskurs zu seinem deutschen Kollegen und seinen millionenschweren Honorarforderungen. Der Verwalter der Frankfurter Tochter Lehman Brothers Bankhaus, Michael Frege, hatte bei Gericht eine Rechnung von bis zu 800 Millionen Euro für die Abwicklung der 2008 in der Finanzkrise pleite gegangenen Bank in Aussicht gestellt. „Die deutschen Strukturen sind weltweit einzigartig“, der Einfluss der Gläubiger auf das Verfahren sei zu gering, kritisierte Daniel Ehrmann, der Lehman Brothers Holdings durch die Insolvenz geführt hat, am Freitag am Rande eines Juristenkongresses in Frankfurt. Das deutsche Insolvenzverfahren sei anders als in den USA völlig intransparent.

Die deutsche Tochter und die US-Bank gehören gegenseitig zu den größten Gläubigern. In Deutschland richtet sich das Honorar für den Verwalter nach der Insolvenzmasse, je nach Komplexität des Verfahrens kann er aber auch deutlich mehr verlangen als den Standardsatz. „Das ist nicht zu rechtfertigen, jedenfalls nicht bei so großen Verfahren“, sagte Ehrmann. Frege habe bis zu 930 Millionen Euro Verfahrenskosten im Insolvenzplan zurückgestellt. „Darüber müssen wir reden“, sagte Ehrmann.

In den USA rechnen die Anwälte nach Stundensätzen ab. Dort lägen die Kosten bei maximal drei Prozent des zu verteilenden Vermögens, in Deutschland könnten es bis zu zehn Prozent werden. Er habe daher einen Fragenkatalog an das Frankfurter Amtsgericht geschickt, das das Honorar festlegt. „Aber jemand muss das Geld ja auch fordern“ sagte Ehrmann an die Adresse Freges gerichtet. „Wir wollen nur, dass die Fakten auf den Tisch kommen.“

„In Deutschland ist der Insolvenzverwalter der König“, sagte Ehrmann. Das ganze Verfahren werde nur von ihm gesteuert, das Gericht sei weitgehend passiv - ganz anders als in den USA, wo ein Richter das Verfahren steuere und Rechenschaft fordere. Die beiden größten Gläubiger der deutschen Lehman-Banktochter, die Bundesbank und der Einlagensicherungsfonds der privaten Banken, hatten sich hinter Freges Forderung gestellt. Das wundert auch den Sanierer Christian Pleister von der Kanzlei Noerr: „Wenn die Bundesbank Gläubiger in Insolvenzverfahren ist, geht die Höhe der Verwalter-Vergütung letztlich zu Lasten der Steuerzahler.“

Inhaltlich habe Frege hervorragende Arbeit geleistet und sich sehr pragmatisch gezeigt, lobte sein US-Kollege Ehrmann. Frege habe für die Gläubiger rund 90 Prozent ihrer Forderungen gesichert. Die Hälfte davon stamme freilich aus einer Einigung mit der US-Muttergesellschaft. Dass Lehman Brothers Holdings eine Einigung der Deutschland-Tochter mit der Handelssparte in den USA vor Gericht angefochten hatte, habe im Übrigen nichts mit der Honorarfrage zu tun, wie einige Gläubiger gemutmaßt hatten, betonte der US-Verwalter. "Wir halten den Anspruch schlicht für zu hoch. Der deutsche Verwalter hat für die in Frage stehenden Repo-Geschäfte bereits Geld bekommen."

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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