Lending Club
Vom Geldverleiher zum Geldverbrenner

Der börsennotierte Kreditvermittler Lending Club aus San Francisco wollte Banken vormachen, wie das Kreditvergabegeschäft kostengünstiger zu managen ist. Nun meldet er katastrophale Zahlen – und die Finanzchefin geht.

DüsseldorfEs ist noch nicht einmal zwei Jahre her: Am 11. Dezember fielen sich Firmenchef Renaud Laplanche und seine Finanzchefin Carrie Dolan noch in die Arme, als sie den ersten Kurs ihrer Aktie auf dem Parkett der New York Stockexchange erlebten. Es war damals Tag eins des Online-Kreditvermittlers Lending Club als börsennotiertes Unternehmen.

Das Start-up aus San Francisco war als preisgünstige Alternative zu Banken angetreten. Der Kurs sprang beim Börsengang auf mehr als 25 Dollar. Heute notiert die Aktie nicht einmal mehr bei einem Fünftel des ursprünglichen Werts. Renaud Laplanche musste die Firma Anfang Mai verlassen, jetzt ist auch Finanzchefin Carrie Dolan abgesprungen. Die Zahlen des Unternehmens sind katastrophal – Lending Club scheint vom Geldverleihen zum Geldverbrennen übergegangen zu sein.

Das Unternehmen sammelt Geld von Privatleuten ein, bündelt es und reicht es in Form von Krediten an andere Privatleute weiter (Peer-to-Peer-Kredite). Dabei geht das Geld oft an Kunden mit schwacher Bonität, im Gegenzug erhalten die Verleiher vergleichsweise hohe Zinsen. Lending Club nimmt für die Vermittlung von beiden Seiten Gebühren. Mit einem Kreditvolumen von neun Milliarden Dollar ist die Firma in ihrem Segment Marktführer in den USA.

Das Konzept scheint nicht aufzugehen. Dolan verkündete ihren Abgang an einem Tag, an dem Lending Club katastrophale Zahlen melden musste. Am Montagabend gab die Kreditplattform einen Verlust von 81 Millionen Dollar für das abgelaufene Quartal bekannt. Im gleichen Quartal des Vorjahres waren es 4,1 Millionen Dollar gewesen. Allein 35,4 Millionen Dollar musste Lending Club auf den im Frühjahr 2014 übernommenen Geldverleiher aus der Gesundheitsbranche, Springstone Financial, abschreiben.

Der größte Schlag aber war der Abgang des früheren Geschäftsführers Renaud Laplanche. Er hatte über einen problematischen Kreditverkauf an eine Investmentbank nicht berichtet. Daraufhin sprangen mehrere größere Investoren ab, die regelmäßig Lending Club Kredite übernommen hatten. Die Börsenaufsicht ermittelte.

Lending Club hatte zwar überwiegend Kredite von Privatleuten an Privatleute vermittelt, aber teilweise auch Kredite selbst finanziert. Jetzt werden die Kreditgeber misstrauisch. Im Juni musste Lending Club einen Fonds schließen, weil Kunden 442 Millionen wieder abziehen wollten, 58 Prozent des Fondsvolumens.

Seit Juni ist Scott Sanborn der neue Chef. Wie das „Wall Street Journal“ berichtet, hat er zwölf Prozent des Personals abgebaut und viele Millionen ausgegeben, um wichtige Führungskräfte zu halten. Auch Carrie Dolan hatte er vier Millionen Dollar angeboten, um sie zu halten. Den Großteil davon wird sie jetzt nie erhalten. Möglicherweise kehrt jetzt aber wieder Ruhe ein: Die Verhandlungen über mehrere Deals mit Investoren seien kürzlich wieder aufgenommen worden.

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