Leo Kirch gegen Deutsche Bank
Grüße aus dem Jenseits

Das könnte teuer werden für die Deutsche Bank: Im Prozess um Schadenersatz für die Kirch-Erben droht ein kostspieliger Vergleich. Am letzten Verhandlungstag will der Richter die Bank offenbar zu einer Einigung drängen.
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MünchenIm zehnjährigen Rechtsstreit mit der Familie des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch wächst der Druck auf die Deutsche Bank in Richtung Vergleich. Der zuständige Richter Guido Kotschy am Oberlandesgericht München will die Streitparteien am 16. November wohl erneut zu einer gütlichen Einigung bewegen, wie am Dienstag aus Kreisen der Beteiligten verlautete.

Für den vorläufig letzten Verhandlungstag hat er unter anderem Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen geladen. "Da soll Druck gemacht werden, Vergleichsverhandlungen aufzunehmen", sagt ein Insider. Kotschy hat wiederholt für einen Vergleich geworben - bislang indes erfolglos. Nach dem 16. November werde sich die Bank mit der Idee aber erneut ernsthaft auseinandersetzen, heißt es aus dem Institut.

Die letzten Vergleichsverhandlungen waren Anfang des Jahres gescheitert. Damals lehnte der Vorstand des Instituts einen fertig ausgehandelten Vorschlag einvernehmlich ab. Demnach hätte die Bank Verhandlungskreisen zufolge für die Beilegung der Fehde gut 800 Millionen Euro zahlen müssen. Anwälte hatten nach Reuters-Informationen bezweifelt, dass ein solch teurer Vergleich Klagen anderer Aktionäre standhalten könnte.

"Das ist bislang weiter Stand der Dinge im Vorstand", sagt ein Bankinsider. Im Falle einer Niederlage vor dem Oberlandesgericht lande der Fall wohl vor dem Bundesgerichtshof. Das Institut wie auch die Kirch-Seite äußern sich dazu nicht.

Die Kirch-Familie macht die Deutsche Bank für den Zusammenbruch des Medienimperiums verantwortlich und fordert Schadenersatz in Milliardenhöhe. Auslöser war ein Interview von Ex-Bankchef Rolf Breuer vor zehn Jahren, in dem er Zweifel an der Kreditwürdigkeit Kirchs geweckt hatte. Anschließend drehten die Banken Kirch nach Ansicht der Familie den Geldhahn zu. Die Bank bestreitet diesen Zusammenhang.

Aus einem bislang unveröffentlichten Beschluss des Oberlandesgerichts von Anfang September geht hervor, dass Kotschy der Argumentation des Instituts nicht folgt. Aus seiner Sicht hat Breuer mit seinem umstrittenen Interview konkrete Ziele verfolgt.

Es sei sehr wahrscheinlich, dass er Druck auf Kirch habe ausüben wollen. Das angeschlagene Medienimperium sollte unter das "Schutzschild" der Deutschen Bank schlüpfen, also unter Federführung der Bank umstrukturiert werden. Das wäre für das Institut ein überaus lukrativer Auftrag gewesen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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