Letzte Rettungsversuche
Abwicklung der WestLB droht zu scheitern

Eigentlich war alles klar: Die hessische Landesbank sollte den funktionsfähigen Teil der WestLB übernehmen. Doch jetzt drohen die Verhandlungen in letzter Minute zu scheitern.
  • 9

Der Verkauf des letzten funktionsfähigen Teils der WestLB — dem Sparkassenverbundgeschäft — an die hessische Landesbank (Helaba) droht zu scheitern. Nach Handelsblatt-Informationen aus Finanzkreisen versuchen alle Beteiligten derzeit fieberhaft den Verkauf der sogenannten Verbundbank in letzter Minute zu retten. Aus Verhandlungskreisen hieß es allerdings, die Chancen stünden schlecht. „Es ist frustrierend“, sagte ein Teilnehmer dem Handelsblatt. Die nächsten Stunden seien entscheidend: Am Mittwoch will der Aufsichtsrat der Helaba über das Thema und die Konditionen abschließend entscheiden.

Die WestLB muss nach einem jahrelangen Streit mit der EU-Kommission um milliardenschwere öffentliche Garantien und Beihilfen zerschlagen werden. In der übrigbleibenden Verbundbank ist das Sparkassen-Geschäft der WestLB gebündelt. Die Sparte unterstützt lokale Institute bei Aufgaben, die sie selbst überfordern, etwa bei Großkrediten. Bei einem Geschäftsvolumen von 40 Milliarden Euro und mit rund 450 Mitarbeitern sollte der Verbundbank ursprünglich ein nahtloser Übergang in die Helaba gelingen. Der Deal wird seit mehr als einem halben Jahr vorbereitet. Die Datenräume sind seither für die Helaba geöffnet. „Wir sind ein offenes Buch“, sagt ein Verhandlungsteilnehmer.

Um so unverständlicher sei es für die Düsseldorfer, dass Helaba-Chef Brenner vergangene Woche mit der Forderung gekommen sei, einen Verlust von 300 Millionen Euro, der im Derivatgeschäft der WestLB entstanden ist, nicht abdecken zu wollen. Bei der WestLB wird diese Bedingung als Indiz gewertet, dass Brenner das Geschäft in letzter Minute platzen lassen will. Die Helaba wiederum sieht das anders: „Wir können nicht für Verlustrisiken gerade stehen, die mit der Verbundbank nichts zu tun haben“, sagte ein Sprecher. Das Derivatepaket im Volumen von 4,2 Mrd. Euro und den Millionenverlusten werde man definitiv nicht übernehmen. „Die Helaba verlangt nichts, was außergewöhnlich ist, sondern die bei Transaktionen dieser Art übliche und selbstverständliche Freistellung von Haftungsrisiken durch die Alteigentümer“, so der Sprecher weiter. Die Eigentümer müssten nun zu ihrer Verantwortung stehen.

Noch am späten Montagabend wollten die Beteiligten in einer Telefonkonferenz über das weitere Vorgehen beraten. Am Dienstag sind Gespräche zwischen den Sparkassenverbänden, der Helaba und der WestLB sowie dem Land Nordrhein-Westfalen angesetzt. Alle würden sich bemühen sich, vor Ende des Ultimatums am Mittwoch noch eine Einigung zu finden, hieß es. „Wir wollen Teil der Lösung und nicht Teil des Problems sein“, hieß es von der Helaba.

Platzt der Verkauf, ist die Abwicklung der einst größten deutschen Landesbank gründlich gescheitert. Die Privatbank HSBC hatte sich ursprünglich für Teile der WestLB interessiert, war jedoch wegen der Offerte der Helaba aus dem Bieterverfahren ausgeschieden. Die Landesbank in Düsseldorf war in den vergangenen Jahren von einem Problem ins nächste geschlittert und musste mehrfach von ihren Eigentümern gerettet werden. Ende Dezember zog die EU nach einem jahrelangen Beihilfeverfahren einen Schlussstrich unter das Kapitel und ordnete die Zerschlagung des Instituts an. Übrig vom einstigen Flaggschiff der deutschen Landesbanken bleiben die jetzt umstrittene Verbundbank, eine Bad Bank, in der die risikoreiche Engagements gebündelt sind, sowie der Finanzdienstleister Portigon.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Letzte Rettungsversuche: Abwicklung der WestLB droht zu scheitern"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • hg67, tolles Statement. Ich kenne ganz viele, die bei der WestLB arbeiten und täglich ihren Job machen, trotz dieser nicht selbst verschuldeten Situation. Wie alt sind Sie?? 12...

  • mal ehrlich...mit wem machen die Landesbanken noch Geschäfte...im Norden gab es doch eine LB, die hatte kein einziges Konto für Mittelstandskunden...na..wunderbar..

    ich persönlich kenne 3 Leute die bei der WestLB arbeiten, wenn die von ihren subventionierten Jobs erzählen (spielen während der Arbeitszeit schon mal Gotcha), dann wäre die Abwicklung mit Nicht Erhalt der Arbeitsplätze ertrebenswert..zumindest für uns Steuerzahler..

  • Ich bin sehr froh um den mäßigenden Einfluss staatlich geprägter Geschäftsbanken in der Wirtschaft. Sie wirken stabilisierend, da mit diesen Vehikeln nicht nur stures, letztlich sehr primitives Gewinnmaximieren verfolgt wird, sondern eben auch Gesellschafts-gestaltende Themen umgesetzt werden können - mit Projekten, die wünschenswert sind aber keine 'schnelle Mark' versprechen.

    Die 'pure Marktgläubigkeit' ist letztlich nur ein wunderbares Deckmäntelchen, um dem uneingeschränkten Egoismus mancher Akteure einen legitimierenden Freibrief für ihre kurzsichtigen, gierigen, letztlich wertelosen Ambitionen ohne die nötige Gesamtverantwortung zu erteilen.

    Der Mix macht's.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%