Leverage Ratio
Deutsche Bank will Bilanzsumme deutlich herunterfahren

Die Deutsche Bank will die Anforderungen der Finanzregulierer weltweit erfüllen. Daher möchte sie in den nächsten zweieinhalb Jahren ihre Bilanz deutlich verkleinern. Finanzvorstand Krause hat den Weg schon aufgezeigt.
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FrankfurtDie Deutsche Bank will ihre Bilanz in den nächsten zweieinhalb Jahren deutlich verkleinern. Damit will der deutsche Branchenprimus die Anforderungen der Finanzregulierer weltweit erfüllen. Einem Bericht der "Financial Times" zufolge soll die Bilanzsumme nach US-Rechnungslegung (US-GAAP) um bis zu 20 Prozent auf eine Billion Euro schrumpfen, um die Verschuldungsquote zu verbessern. Die Deutsche Bank wollte sich dazu zunächst nicht äußern. Die Leverage Ratio - das Verhältnis von Eigenkapital zur Bilanzsumme - ist in den vergangenen Monaten auf Druck der USA immer stärker in den Blick der Bankenaufseher und der Analysten geraten.

Die Deutsche Bank liegt noch unter den drei Prozent, die die Aufseher bis 2018 von den Instituten fordern. Die Quote soll aber vorher noch einmal überprüft werden. 2015 muss die Leverage Ratio erstmals von den Banken veröffentlicht werden. Spätestens dann erwarten die Finanzmärkte, dass große Banken die Quote auch erfüllen. Finanzvorstand Stefan Krause hatte kürzlich in einem Interview angekündigt, dass die Bank ihren Bestand an Einlagen und anderen liquiden Mitteln von zusammen 240 Milliarden Euro und die nicht mehr zum Kerngeschäft gezählten Vermögenswerte von 90 Milliarden Euro reduzieren wolle, um die Leverage Ratio zu verbessern.

Laut "Financial Times" dürfte Vorstandschef Anshu Jain das Ziel bei der Veröffentlichung der Geschäftszahlen am 30. Juli bekanntgeben. Die Deutsche Bank rechne damit, dass die Maßnahmen einen kleinen Einfluss auf das Ergebnis haben würden. Zudem erwäge die Bank, bis zu sechs Milliarden Euro Hybridkapital zu begeben, sobald klar sei, was die deutschen Aufseher noch als Kapitalpolster anerkennen. Dazu könnten Anleihen gehören, die in einer Krise automatisch in Eigenkapital umgewandelt werden. "Die Liquidität um die Hälfte zu reduzieren, wird der Deutschen Bank bei der Rendite nicht besonders weh tun", sagte Equinet-Analyst Philipp Häßler. "Das Kreditbuch zu straffen, wird aber natürlich einen negativen Ergebniseffekt haben."

Die Aktie der Deutschen Bank war am Montag mit einem Plus von 1,6 Prozent einer der größten Kursgewinner im Dax.

Das Frankfurter Institut hatte lange bei den gewichteten Eigenkapitalquoten nach dem neuen Regelpaket "Basel III" hinter der Konkurrenz hergehinkt, ehe Jain die Lücke mit einer drei Milliarden Euro schweren Kapitalerhöhung schnell schloss. Bei der Leverage Ratio, die das Risiko der hinter den Bilanzposten stehenden Geschäfte außer Acht lässt, hat sie aber immer noch Nachholbedarf. Einer Morgan-Stanley-Studie zufolge liegt die Deutsche Bank unter 18 Großbanken auf dem zweitletzten Platz.

Der Vizechef der US-Aufsichtsbehörde FDIC, Thomas Hoenig, hatte die Bank als "schrecklich unterkapitalisiert" gescholten. Vorstandschef Jain sieht die Leverage Ratio kritisch: "Ich verstehe den Ruf nach einfachen Lösungen, aber die Welt ist komplex", hatte er im Mai gesagt. Kritiker der Leverage Ratio warnen davor, dass sie Banken dazu verleite, auf der Jagd nach Rendite mehr Risiken einzugehen. Europäische Bankenaufseher sehen sie als zusätzliche Obergrenze, die die Banken daran hindern soll, ihre Bilanzsumme über Gebühr aufzublähen. Ihre Befürworter halten die Leverage Ratio für weniger manipulationsanfällig als die anderen Eigenkapitalquoten, bei denen die Institute viel Freiheit haben, ihre Bilanzrisiken zu bewerten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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