Libor-Betrüger Tom Hayes Rache statt Reue

Wegen Libor-Betrugs sitzt ein ehemaliger Star-Banker im Knast. Doch statt Reue zu zeigen, zieht Tom Hayes vor Gericht. Er will weiter als Banker arbeiten – und klagt die britische Finanzaufsicht an.
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Der verurteilte Libor-Betrüger Tom Hayes sieht sich als Sündenbock – und klagt gegen sein Berufsverbot. Quelle: Reuters
Keine Reue

Der verurteilte Libor-Betrüger Tom Hayes sieht sich als Sündenbock – und klagt gegen sein Berufsverbot.

(Foto: Reuters)

LondonDer Mann lässt nichts unversucht. Vor eineinhalb Jahren verurteilte ein britisches Gericht Tom Hayes wegen Zinstricksereien zu 14 Jahren Gefängnis. Der ehemalige UBS- und Citigroup-Banker war ein Star der Bankbranche – und will das Urteil nicht akzeptieren. Mit allen Mitteln kämpft er seit seiner Verurteilung gegen sein Schicksal an. Einen ersten Erfolg hat er bereits errungen: Seine Gefängnisstrafe wurde von 14 auf elf Jahre reduziert.

Jetzt hat Hayes sich erneut aufgebäumt – und die britische Finanzaufsicht FCA vor Gericht gebracht. Der 37-Jährige klagt gegen das Berufsverbot, das die Behörde gegen ihn verhängt hat. Das bestätigte seine Anwältin der Nachrichtenagentur Bloomberg. Wann der Fall verhandelt werden soll, steht noch nicht fest.

So viel mussten Banken für ihre Fehler hinblättern
Deutsche Bank – 202 Millionen Dollar
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Mai 2012: Die Deutsche Bank steht für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte einer Tochtergesellschaft in den USA gerade. Um eine Klage aus der Welt zu schaffen, zahlen die Frankfurter 202 Millionen US-Dollar. Der Bank drohte eine Strafzahlung und Wiedergutmachung von mehr als eine Milliarde Dollar. Die US-Justiz hatte der Tochter MortgageIT Betrug beim Geschäft mit Hypothekenfinanzierungen vorgeworfen.

Deutsche Bank – 725 Millionen Euro
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Dezember 2013: Im Skandal um Zinsmanipulationen hat die Deutsche Bank von der EU-Kommission die branchenweit höchste Strafe aufgebrummt bekommen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia verhängte gegen sechs internationale Großbanken Rekord-Geldbußen von zusammen 1,71 Milliarden Euro. Allein der deutsche Branchenprimus muss im Rahmen des Vergleichs 725 Millionen Euro zahlen.

Rabobank – 774 Millionen Euro
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Oktober 2013: Der Libor-Skandal kostet die niederländische Rabobank 774 Millionen Euro. Es ist die höchste Strafe in der Geschichte der Genossenschaftsbank. Die Bank hatte mit britischen, amerikanischen und niederländischen Behörden einen außergerichtlichen Vergleich getroffen. Drei Viertel der Summe fließen in die USA an das Justizministerium und die Finanzaufsicht CFTC.

Britische Banken – 1,3 Milliarden Pfund
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August 2013: Britische Banken müssen wegen falscher Beratung von Kunden erneut Entschädigungen in Milliardenhöhe zahlen. Die Aufsichtsbehörde FCA verdonnerte 13 Institute und Kreditkartenaussteller zu Kompensationsleistungen von insgesamt 1,3 Milliarden Pfund (1,5 Mrd Euro). Zu den bestraften Unternehmen zählen Barclays, HSBC und die Royal Bank of Scotland (RBS).

Commerzbank – 1,45 Milliarden Dollar
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März 2015: Die Commerzbank muss wegen des Streits mit US-Behörden um Sanktionsverstöße und Geldwäsche-Vorwürfe tief in die Tasche greifen. Im Rahmen eines lang erwarteten Vergleichs zahle das zweitgrößte deutsche Geldhaus 1,45 Milliarden Dollar. Die USA warfen der Commerzbank vor, gegen Wirtschafts-Sanktionen gegen den Iran verstoßen zu haben.

UBS – 1,5 Milliarden Dollar
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Dezember 2012: Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen ihrer Rolle bei der Manipulation des weltweit wichtigsten Referenzzinssatzes Libor Bußen in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar. Wie die Bank mitteilte, leistete sie entsprechende freiwillige Strafzahlungen an amerikanische, britische und Schweizer Behörden.

Deutsche Bank – 2,5 Milliarden Dollar
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April 2015: Die Deutsche Bank muss im Libor-Skandal eine Strafzahlung in Höhe von 2,5 Milliarden Dollar (2,33 Milliarden Euro) in Großbritannien zahlen.

Hayes war im Sommer 2015 der erste Banker, der wegen der Manipulation des Referenzzinssatzes Libor verurteilt wurde. In solchen Fällen ist es üblich, dass die FCA ein Berufsverbot ausspricht. Die angeblichen Helfer von Tom Hayes, die bei Brokerhäusern gearbeitet haben, sind dagegen in einem anderen Libor-Prozess Anfang 2016 freigesprochen worden.

Ab September 2017 müssen sich weitere Ex-Banker wegen Manipulation eines anderen Referenzzinssatzes verantworten. Darunter ist Christian Bittar, der einst bei der Deutschen Bank einen Rekordbonus von etwa 80 Millionen Euro zugesprochen bekam. Bittar sowie die anderen Angeklagten in diesem Fall plädieren auf unschuldig. Der Libor-Skandal belastet die Bankenbranche mit Bußgeldern von insgesamt etwa neun Milliarden Dollar.

Tom Hayes wollte seine Verurteilung zunächst gar vor Großbritanniens Obersten Gerichtshof in Frage stellen. Doch das wurde abgelehnt. Jetzt hofft er auf die Hilfe einer unabhängigen Kommission, die sich in Großbritannien mit dem Fehlverhalten von Richtern und Staatsanwälten beschäftigt.

Hayes selbst sieht sich als Sündenbock, der völlig zu Unrecht im Gefängnis sitzt. Das schreibt er auf der Website einer Crowdfunding-Plattform, mit der er nun versucht, an Geld zu kommen. Hayes, der früher Millionen verdiente, braucht das Geld, um gegen seine Verurteilung vorzugehen. Bisher sind knapp 78.000 Pfund zusammengekommen. Die Hälfte der Summe, die er braucht. In guten Zeiten hätte Hayes wohl über so eine Summe gelacht. Sie machte nur einen Bruchteil seines Jahreseinkommens aus.

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