Libor-Ermittlungen
US-Dokumente erhöhen Druck auf Großbritannien im Zinsskandal

In der US-Notenbank herrschte bereits ab Herbst 2007 Skepsis, was die Aussagekraft des wichtigen europäischen Libor-Zinssatzes angeht. Entsprechende Dokumente hat die Behörde jetzt dem Kongress übermittelt.
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DüsseldorfDie New Yorker Zweigstelle der US-Notenbank hegte bereits ab Herbst 2007 den Verdacht, dass der Interbankenzinssatz Libor manipuliert sein könnte. Das belegen Dokumente, die von der New York Fed dem Kongress übermittelt und am Freitagabend öffentlich gemacht wurden.

Es habe damals Hinweise gegeben, dass manche Banken niedrigerer als tatsächlich von ihnen gezahlte Zinsen an das Libor-System meldeten. Damit hätten sie „vermeiden wollen, schwach auszusehen“, schreibt die Behörde. Auch ein Telefongespräch zwischen Fed- und Barclays-Vertretern im Dezember 2007 habe die niedrigen Libor-Zinssätze zum Inhalt gehabt.

Wegen Libor-Manipulationen hat die britische Großbank umgerechnet bereits mehrere Hundert Millionen Euro Strafe zahlen müssen und Analysten schätzen, dass auf weitere internationale Institute Belastungen in zweistelliger Milliardenhöhe anstehen könnten. Auch gegen die Deutsche Bank wird in dem Zusammenhang ermittelt, die deutsche Finanzaufsichtsbehörde Bafin hat eine Sonderprüfung des Instituts begonnen.

Der Libor-Zinssatz ist der mittlere Wert, zu dem sich Banken untereinander Geld leihen. Von wem hohe Zinsen verlangt werden, der gilt als ausfallgefährdet und schwach. Gerade infolge der Finanzkrise wollten Institute keinen Eindruck der Schwäche gegenüber ihren Konkurrenten vermitteln, sodass zu niedrige Meldungen verlockend gewesen sein können.

Erschwerend kommt hinzu, dass viele Finanzprodukte auf den Libor-Daten basieren und eine Manipulation dadurch folgenschwere finanzielle Einbußen für Kunden der Geldhäuser bedeuten kann. Es sind bereits etliche Sammelklagen anhängig, eine Tochter des Frankfurter Bankhauses Metzler klagt beispielsweise gegen die Deutsche Bank.

Die frühzeitige Skepsis der US-Notenbank gegenüber den Libor-Daten könnte Druck auf die britische Regierung auslösen. Denn in London wird der Zinssatz berechnet und die Bank of England hat die Aufsicht über das verfahren. Bekannt gewordene E-Mails aus dem Jahr 2008 hatten zuletzt sogar den Verdacht nahegelegt, dass Verantwortliche der Notenbank ein Interesse an einem niedrigen Libor-Zins gehabt haben könnten. Das hätte den Vorteil gehabt, den Anschein eines stabilen Finanz- und Bankensystems zu erwecken.

Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales

Kommentare zu " Libor-Ermittlungen: US-Dokumente erhöhen Druck auf Großbritannien im Zinsskandal"

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  • Wenn der Liborzinssatz niedrig manipuliert wurde, dann haben doch zum Beispiel die Privatkunden eher Geld gewonnen, als verloren? Oder verstehe ich das nicht richtig?

  • Neben den Zinssmanipulatoren der Banken , insbesondere der Barclays ,kann man die Griechen eher als Amateure bezeichnen .

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