Libor-Manipulation
Ex-Deutsche-Bank-Händlern drohen Verfahren in den USA

Ehemaligen Händlern der Deutschen Bank drohen Verfahren wegen der Manipulation wichtiger Zinssätze. Die Bank hatte deswegen bereits satte Strafen gezahlt. Jetzt könnten auch die einzelnen Ex-Mitarbeiter büßen müssen.
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London/New YorkDas amerikanische Justizministerium steht kurz davor, Klage gegen ehemalige Mitarbeiter der Deutschen Bank einzureichen. Die Behörde könnte noch vor Jahresende Strafverfahren wegen Manipulation der wichtigen Libor-Zinssätze einleiten, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf zwei mit den Vorgängen vertraute Personen.

Die Behörde ermittelt gegen mindestens fünf ehemalige Händler, die an der Manipulation der US-Dollar-Variante der Londoner Interbanken-Zinssätze (Libor) beteiligt waren, so die Quellen. Die Verfahren wären die ersten gegen einzelne Ex-Händler der Deutschen Bank im Libor-Verfahren.

Die Deutsche Bank hatte im April einer Zahlung über 2,5 Milliarden Dollar zugestimmt, um sich mit angelsächsischen Behörden wie dem US-Justizministerium wegen der Libor-Manipulationen zu einigen. Zwölf Banken haben in den vergangenen drei Jahren mittlerweile etwa neun Milliarden Dollar gezahlt. Insgesamt wurden gegen 21 Händler Verfahren in den USA und Großbritannien eingeleitet, der erste Prozess in London gegen den Ex-UBS-Händler Tom Hayes läuft bereits.

Die an den Manipulationen beteiligten Mitarbeiter der Deutschen Bank arbeiteten vor allem in London und New York. Auszüge aus Chat-Protokollen, die vom US-Justizministerium und anderen Aufsichtsbehörden veröffentlicht wurden, zeigten, wie sich die Mitarbeiter abgesprochen hatten. Die Abstimmung führte dazu, dass die Bank wichtige Zinssätze zu eigenen Gunsten manipulieren konnte.

„Falls du etwas bestimmtest beim Libor brauchst, (...) bin ich in der Lage, in Richtung eines anderen Preisniveaus zu gehen“, chattete etwa ein Übermittler von Libor-Konditionen in London an einen Kollegen in New York im Jahr 2005.

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Ermittlungen auch bei Frankfurter Staatsanwaltschaft

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  • Weshalb werden nicht die Verantwortlichen der Aufsichtsbehörden mit auf die Anklagebank gesetzt? Deren ausschließlicher Job war es, die Bank zu beaufsichtigen, zu kontrollieren. Das Hauptgeschäftsfeld einer Bank nicht zu überwachen, ist m.E. ein noch viel verantwortungsloserer Fehler.

    Auch wenn die "Verantwortlichen" in der Vergangenheit reihenweise bei der BAFin ausgetauscht wurden, ist über den Systemfehler nachzudenken, ihr Wirken insgesamt noch einmal hinsichtlich etwaiger Korruption zu prüfen und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen.

    Es ist richtig, wenn Sie entgegenhalten, dass Institutionen strafrechtlich nicht belangt werden können und die Leiter - ebenso wie Politiker - zwar zuständig aber nicht verantwortlich für ihr Handeln sind, so muss die Frage dennoch erlaubt sein, ob damit nicht erst recht die Korruption angezogen wird?

    Richtig ist es auf jeden Fall nicht!

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