Libor-Manipulationen
Deutsche Bank droht weiterer Ungemach mit der Bafin

Der Deutschen Bank droht auch nach einem Ausscheiden des derzeitigen Co-Chefs Anshu Jain Ungemach mit der deutschen Finanzaufsicht Bafin – und nicht nur mit ihr.
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Frankfurt/BonnIm Libor-Skandal um manipulierte Zinssätze drohen der Deutschen Bank auch nach dem Rücktritt von Co-Chef Anshu Jain noch Konsequenzen der Finanzaufsicht Bafin. Ein Behördensprecher sagte am Montag, dass sogenannte aufsichtsrechtliche Maßnahmen möglich seien. Das könnte bedeuten, dass das größte deutsche Geldhaus zu Umstrukturierungen verpflichtet wird, damit sich früheres Fehlverhalten nicht mehr wiederholen kann.

Die „Financial Times“ (FT) hatte am Samstag aus einem Schreiben der Bafin-Kontrolleurin Frauke Menke an die Bank zitiert. „Ich sehe die Verfehlungen, wegen derer Herr Jain beschuldigt wird, als schwerwiegend an“, schrieb Menke demnach. Jain habe etwa durch eine Veränderung der Sitzordnung im Handelssaal ein Umfeld geschaffen, „das eine Ausnutzung von Interessenskonflikten förderte“. Zudem verdächtige die Bafin Jain, bei der Aufklärung der Vorwürfe getäuscht zu haben. Die Informationen wurden dem Handelsblatt bestätigt. Die Finanzaufsicht wollte sich zu dem Schreiben nicht äußern. Die Deutsche Bank wies die Darstellung zurück.

Jain hatte seinen Rücktritt zum 30. Juni erklärt. Nach Bankangaben hat der Schritt nichts mit den Bafin-Ermittlungen zu tun. Die Verwicklungen in die Zinsaffäre haben das Institut bereits rund drei Milliarden Euro an Strafen gekostet.

Derweil ruft der Bafin-Bericht laut „FT“ (Montag) nun auch die New Yorker Finanzbehörde DFS auf den Plan. Sie untersuche mögliche Manipulationen beim Derivate-Referenzwert Isdafix. Demnach soll die Bafin in ihrem Bericht festgestellt haben, dass ein Händler der Deutschen Bank zum Nachteil der Fondsgesellschaft Pimco 2010 bei diesem Referenzwert getrickst hat. Beim Isdafix laufen bereits von anderen Behörden Ermittlungen gegen zahlreiche Investmentbanken.

Auch die Frankfurter Staatsanwaltschaft soll ermitteln. Eine Sprecherin der Behörde sagte der „FT“, es seien Ermittlungen gegen einzelne Bankmitarbeiter eingeleitet worden. Diese Mitarbeiter seien über die Ermittlungen informiert worden. Wie sich die Dinge nun weiter entwickelten, hänge von der Analyse des kürzlich erhaltenen Abschlussberichts ab, den die Finanzaufsicht Bafin zum Zinsskandal verfasst hat.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Libor-Manipulationen: Deutsche Bank droht weiterer Ungemach mit der Bafin"

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  • "Der Deutschen Bank droht auch nach einem Ausscheiden des derzeitigen Co-Chefs Anshu Jain Ungemach mit der deutschen Finanzaufsicht Bafin – und nicht nur mit ihr. "

    Wer angreift, sollte selbst unbescholten sein!

    1. Wie ist es möglich, dass die BAFin als Aufsichtsbehörde der Banken das Hauptgeschäftsfeld der Banken nicht untersucht hat?
    2. Wie konnte Frau König das Lebensversicherungsreformgesetz zu Gunsten der Versicherer auf den Weg bringen und die Lebensversicherten um geschätzte 85 Mrd. Euro entschädigungslos enteignen?

    Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen?

    Wenn es diese Indexmanipulationen gab, dann sind sie abzustrafen - aber ohne ansehen der Personen und Institutionen!

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