Libor-Prozess
Britisches Gericht verhängt mehrjährige Strafen gegen Barclays-Banker

Drei Schuldsprüche, ein Geständnis: Vier ehemalige Barclays-Händler wurden in London zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Die Hälfte ihrer Strafen müssen sie im Gefängnis verbringen.

LondonVier ehemalige Händler der Bank Barclays sind wegen der Manipulation des Referenz-Zinssatzes Libor in Großbritannien zu zum Teil mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Drei der Männer waren am Montag schuldig gesprochen worden, der vierte hatte sich zuvor selbst schuldig bekannt. Die Geschworenen sahen es als erwiesen an, dass das Trio sich in betrügerischer Absicht abgesprochen habe, um an dem Zinssatz zu drehen, von dem weltweit Finanztransaktionen im Volumen von 450 Billionen Dollar abhängen.

Der Höchstrangige unter den Angeklagten erhielt von dem Gericht in London am Donnerstag eine Strafe von sechseinhalb Jahren. Zwei weitere Männer wurden zu vier Jahren und der vierte zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Richter Anthony Leonard erklärte, die Verurteilten müssten die Hälfte der Strafe im Gefängnis verbringen, der Rest werde zur Bewährung ausgesetzt. „Dieser Fall zeigt ein Fehlen der Integrität, die eigentlich das Wesen des Bankgeschäfts ausmachen sollte“, sagte er.

Die drei am Montag Verurteilten hatten bestritten, den Libor zwischen Juni 2005 und September 2007 mit der Absicht manipuliert zu haben, sich selbst und der Bank mehr Gewinn zu verschaffen. Sie hatten vor Gericht erklärt, ihre Vorgesetzten hätten Absprachen über den Zinssatz genehmigt, sie hätten die Anfragen zum Libor in Übereinstimmung mit den Regeln über das E-Mail-System der Bank geschickt. Die Zinssätze hätten stets die Derivate-Positionen zum Libor widergespiegelt.

Barclays hatte wegen der Manipulationen vor vier Jahren eine saftige Strafe erhalten. Vorstandschef Bob Diamond stolperte über den Skandal. Der ehemalige UBS - und Citigroup -Händler Tom Hayes war im August 2015 im ersten Libor-Prozess in London wegen der Zinsmanipulationen zu 14 Jahren Haft verurteilt worden.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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