Libor-Skandal
Banken arbeiten an Gruppenlösung

In der Libor-Affäre wollen sich offenbar mehrere Banken gemeinsam mit den Regulierungsbehörden um einen Vergleich bemühen. Welche Banken beteiligt sind und ob die Behörden mitspielen, ist aber unklar.
  • 19

Zürich/WashingtonMehrere Banken wollen den Skandal um Zinsmanipulationen offenbar mit einem gemeinsamen Vergleich hinter sich bringen. Einige der ins Visier der Ermittler geratenen Institute führten darüber seit einigen Wochen Gespräche, sagten mehrere mit den Plänen vertraute Banker der Nachrichtenagentur Reuters. Sie wollten damit vermeiden, ähnlich wie die britische Großbank Barclays isoliert bestraft und an den Pranger gestellt zu werden.

Noch gebe es aber keine abschließende Übereinkunft unter den Geldhäusern. Zudem sei unklar, ob sich die weltweit tätigen Ermittler darauf einlassen. Welche Banken an den Gesprächen beteiligt sind, blieb offen. Ermittelt wird gegen mehr als ein Dutzend Häuser, darunter die Deutsche Bank, die Schweizer UBS, Citigroup und JP Morgan. Sie äußerten sich nicht dazu.

Barclays hat als erstes Institut eingeräumt, dass Händler in der Finanzkrise den Referenz-Zinssatz Libor durch falsche Angaben manipuliert haben. Die Bank wurde daraufhin von den Behörden in den USA und Großbritannien zu einer Strafe von fast einer halben Milliarde Dollar verdonnert. Zudem musste das gesamte Top-Management gehen, der Ruf ist angekratzt.

Nach der Barclays-Strafe hätten die Verhandlungen über einen gemeinsamen Vergleich an Dynamik gewonnen, sagte ein Banker. Es sei aber nicht einfach, die Institute, die unterschiedlich stark verstrickt seien, unter einen Hut zu bringen. Zudem seien verschiedene Regulierer zuständig, was eine Verständigung auf eine gemeinsame Linie ebenfalls erschwere. Auf der anderen Seite würde eine Gruppenlösung keine einzelne Bank herausstellen. "Zudem wäre das Thema dann so schnell wie möglich vom Tisch", sagte ein Insider.

Speziell in den USA sind gemeinsame Vergleiche mehrerer Unternehmen keine Seltenheit: Zuletzt einigten sich fünf US-Großbanken mit dem Justizministerium und anderen Behörden im Streit um mutmaßliche Hypotheken-Betrügereien auf die Zahlung von 25 Milliarden Dollar.

Für den neuen Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain hat die Aufklärung des Libor-Skandals höchste Priorität, da dieser das Institut und die neue Führung in Bedrängnis bringen könnte, wie es in Finanzkreisen heißt. Ein Team von 100 Mitarbeitern durchforstet seit Monaten alte E-Mails und Dokumente. Zwei Händler wurden suspendiert. Sie sollen Finanzkreisen zufolge an einem Ring von Händlern beteiligt gewesen sein, die den Libor verzerrt haben.

Die deutsche Aufsicht BaFin hat eine Sonderprüfung bei der Deutschen Bank eingeleitet. Ergebnisse gibt es noch nicht. Ein Vergleich der Banken hätte voraussichtlich keine Folgen für Ermittlungen gegen individuelle Händler, die in den Skandal verstrickt sind.

Nach Analystenschätzungen könnte der Skandal die gesamte Branche am Ende zwischen 20 und 40 Milliarden Dollar kosten. Neben den Strafzahlungen drohen vor allem Sammelklagen von Anlegern und anderen Instituten. Denn der Libor dient als Basis für Finanztransaktionen weltweit im Volumen von mehr als 500 Billionen Dollar.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Libor-Skandal: Banken arbeiten an Gruppenlösung"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wir brauchen keine Gruppenlösung!

    Wir brauchen ein neues Geldsystem!

    Weg vom Geldmonopol der privaten Banken-Kartelle!

    Weg vom Schuldgeld das uns alle nur versklavt!

    Geld wird heute nur über Kredit geschöpft ( erschaffen )!

    Geld=Schuld

    Jedem Euro Guthaben steht ein Euro Schulden gegenüber!

    "So ist unser Geldsystem. Gäbe es keine Schulden, gäbe es kein Geld!"

    (Marriner Eccles, Präsident des Federal Reserve Systems, am 30. September 1941)

    Wir brauchen ein Geldsystem bei dem der Staat sein eigenes Geld schöpft und es sich nicht von privaten Bankstern leihen muss gegen Zinsen!!!

    Kennedy musste sterben weil er der privaten Fed das Geldmonopol genommen hat und 4 Mrd. eigene Dollar in Umlauf gebracht hat!

    Geld ohne Schulden!

    http://www.wahrheitssuche.org/fed.html

    Warum erfahren wir in den Medien AGs nichts über das Geldsystem?

    Wie entsteht Geld?

    Nur über Kredit!!!

    Wem gehören eigentlich die ganzen Medien AGs?

    Sind die privaten Medien AGs vielleicht nicht so objektiv wie wir alle glauben? :-)

    Bsp.

    Axel Springer AG ein in Europa führendes Medienunternehmen ist der größte deutsche Zeitungs- und drittgrößte Zeitschriftenverlag. (Bild, Die Welt, ...)

    Was kostet Axel Springer?

    Axel Springer AG: Marktkapitalisierung 3,39 Mrd Euro

    George Soros (Investor) geschätztes Vermögen: 15,4 Milliarden Euro (20 Milliarden Dollar)

    Übrigens muss man nicht 3,39 Mrd Euro ausgeben, es reicht wenn man 50,1% der Aktien (1,7 Mrd) besitzt um zu bestimmen was in der Zeitung steht!

    http://www.axelspringer.de/artikel/Aktionaersstruktur_43161.html

    Wer glaubt, dass Zeitungen da sind um uns objektiv zu informieren, der glaubt auch an den Weihnachtsmann!

    AUFWACHEN!!!!

    Bitte nicht löschen, Herr/Frau Zensor danke

    www.wissensmanufaktur.net

  • Weis eigentlich jemand was man gegen Staatsanwälte unternehmen kann die sich offensichtlich weigern von Amts wegen zu ermitteln z.B. bei Betrugsversuch den die Betroffenen ja wohl mit Ihren gemachten Angaben bestätigten? Bei welcher Institution kann man diese Staatsanwälte denn anzeigen und damit zum Handeln bringen?

    Brauchbare Information ist herzlich wilkommen!


  • Wenn ich bei einer Institution als Ganove angestellt wäre, dann würde ich eine Gruppenlösung generell bevorzugen. Wer will denn schon abends nach Hause kommen und seinen Kindern erzählen wollen, dass er seine Kunden abzockt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%