Libor-Skandal bei der Deutschen Bank

Aktionäre fordern Sonderprüfung

Der Libor-Skandal um manipulierte Zinssätze lässt die Deutsche Bank nicht los. Aktionärsvertreter sehen sich durch die Vorwürfe der Finanzaufsicht Bafin bestätigt: Ein Sonderprüfer soll die Bank durchleuchten.
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Der Bafin-Bericht zu Libor-Manipulationen sorgt für Aufruhr. Quelle: dpa
Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt

Der Bafin-Bericht zu Libor-Manipulationen sorgt für Aufruhr.

(Foto: dpa)

Nach Bekanntwerden der Bafin-Vorwürfe zu Zinsmanipulationen droht der Deutschen Bank Ungemach von Aktionärsseite. „Der Bafin-Bericht ist eine Steilvorlage für uns“, sagte der Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Klaus Nieding, am Montag. „Jetzt erst Recht hat unser Antrag auf Sonderprüfung Erfolgschancen.“

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) wirft vier amtierenden Vorständen und zwei weiteren Top-Managern der Bank vor, sie seien ihren Kontrollpflichten nicht ausreichend nachgekommen und hätten Aufseher bei der Aufarbeitung der Libor-Affäre unvollständig und zum Teil unzutreffend informiert. Den bereits im Mai fertiggestellten Untersuchungsbericht der Behörde hatte das „Wall Street Journal“ am Freitag im Internet öffentlich gemacht.

Über Jahre manipulierten einzelne Händler etlicher Großbanken Zinssätze, um daraus Profit für eigene Geschäfte zu schlagen. Denn der Libor gibt an, zu welchem Zins sich Banken gegenseitig Geld leihen. Daran sind Finanzprodukte in Billionenhöhe gekoppelt.

Die Anlegerschützer wollen von einem unabhängigen, externen Prüfer untersuchen lassen, ob die Rückstellungen der Deutschen Bank für laufende Rechtsverfahren und drohende Vergleichszahlungen ausreichend sind. Zudem soll festgestellt werden, ob die neuen internen Kontrollmechanismen genügen, um Skandale wie etwa die Manipulation von Zinssätzen künftig auszuschließen.

Die Sonderprüfung will die DSW vor Gericht durchsetzen, nachdem es bei der Hauptversammlung im Mai dafür keine Mehrheit gab. Der Antrag soll laut Nieding voraussichtlich im Laufe dieser Woche eingereicht werden.

Die Vorwürfe gegen Deutsche-Bank-Manager
Deutsche Bank
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Der Libor-Skandal um manipulierte Zinssätze hält die Deutsche Bank auch nach dem Abschied von Co-Chef Anshu Jain und Milliarden-Strafen weiter in Atem. Vier amtierende Vorstände und zwei weitere Top-Manager des Instituts sehen sich mit schweren Vorwürfen der Finanzaufsichtsbehörde Bafin konfrontiert. Sie seien ihren Kontrollpflichten nicht ausreichend nachgekommen und hätten Aufseher bei der Aufarbeitung der Affäre unvollständig und zum Teil unzutreffend informiert.

Anshu Jain
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Der im Auftrag der Bafin von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY erstellte Bericht, konzentriert sich nicht nur auf die Zinsmanipulationen, die im damals von Anshu Jain geleiteten Investmentbanking stattfanden. Es geht auch um mangelnde Dokumentation sowie Behinderungen bei der Aufklärung der Libor-Vorwürfe.

Zu möglichen Konsequenzen des Berichts hielt sich die Deutsche Bank bedeckt. „Es wäre unangemessen, zum jetzigen Zeitpunkt Schlussfolgerungen hinsichtlich des Verhaltens der Bank oder einzelner Personen zu ziehen“, hieß es in einer Stellungnahme.

Stephan Leithner
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Heftige Kritik übt die Bafin in dem Bericht an dem im Vorstand unter anderem für regelkonformes Verhalten (Compliance) zuständigen Stephan Leithner. So soll die Bank intern schon 2008 nach einem entsprechenden Pressebericht über die Manipulationsanfälligkeit des Libor-Zinssatzes gesprochen haben. Fünf Jahre später mahnte Leithner auf dem Höhepunkt der Libor-Ermittlungen in einer Mail, nichts über die einstigen Diskussionen gegenüber der Presse zu erwähnen.

Henry Ritchotte
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Angezählt wird auch der für die IT der Bank zuständige Vorstand Henry Ritchotte. Ihm wirft die Bafin vor, dass die Systeme des Instituts Fehlverhalten erst ermöglicht hätten. Laut „Wall Street Journal“, das den Bafin-Bericht veröffenltichthatte, verteidigt sich der Manager damit, dass er seit seinem Amtsantritt an einer Verbesserung arbeite.

Stefan Krause
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Dem früheren Finanzvorstand Stefan Krause werfen die Aufseher vor, in den von ihm geleiteten Untersuchungen nicht genau hingeschaut zu haben. Er ist derzeit im Vorstand für das globale Transaktionsgeschäft, die Abwicklungseinheit und die Tochter Postbank zuständig.

Stuart Lewis
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Auch Chefjustiziar Richard Walker und Risikovorstand Stuart Lewis (Bild) attackiert die Bafin. Sie sollen die Informationsgesuche von US-Ermittlern nicht ernst genug genommen haben. Zudem sollen sie bei der Bafin irreführende Angaben gemacht haben. Die mangelnde Kooperation hatten die britische und amerikanische Behörden im Frühjahr als einen wichtigen Grund angegeben, weshalb sie die Deutsche Bank zu einer Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar (2,3 Milliarden Euro) verdonnerten.

Michele Faissola
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„Schwerwiegende“ Versäumnisse bescheinigt die Bafin Michele Faissola, dem Chef der Vermögensverwaltungssparte der Deutschen Bank. Der frühere Investmentbanker und Jain-Vertraute soll ebenfalls Informationen zurückgehalten und trotz früher Hinweise auf Manipulationen das Prozedere bei der Feststellung des Libor nicht geändert haben.

Die Deutsche Bank hatte am Freitag zu dem Bafin-Bericht erklärt: „Es wäre unangemessen, zum jetzigen Zeitpunkt Schlussfolgerungen hinsichtlich des Verhaltens der Bank oder einzelner Personen zu ziehen.“ Der Bericht enthalte Aussagen, die aus dem Zusammenhang gerissen seien, zudem habe die Bank zahlreiche der geäußerten Bedenken wegen mangelnder Kontrollen inzwischen behoben und arbeite an weiteren Verbesserungen.

Grundsätzlich sehe sich das Institut in seiner Einschätzung bestätigt, wonach kein heutiges oder früheres Mitglied des Vorstands oder des erweiterten Vorstands Mitarbeiter angewiesen habe, die Zinssätze zu manipulieren. Zudem habe kein Top-Manager von den Verfehlungen vor Juni 2011 Kenntnis gehabt.

  • dpa
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