Libor-Skandal
Berkshire Bank benennt Schaden durch Zins-Betrug

Die kleine Berkshire Bank zieht wegen des Libor-Skandals vor Gericht. Als erstes Institut erläutert sie, wie ihr durch die Manipulation Zinseinnahmen entgangen sind. Damit könnte sie Vorreiter für eine Klagewelle werden.
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New York, LondonDie Klagewelle gegen die in den Libor-Skandal verwickelten Banken nimmt konkretere Formen an. Erstmals hat in den USA nun ein Institut präzisiert, wie ihm durch die Manipulation des Londoner Interbanken-Richtzinses Schaden entstanden ist. Die kleine Berkshire Bank im US-Bundesstaat New York argumentiert in ihrer am Montagabend eingereichten Klage, durch die künstliche Absenkung des Libors seien ihr Zinseinnahmen im Geschäft mit variabel verzinsten Hypotheken entgangen.

Damit unterscheidet sie sich von vielen anderen Klagen gegen die Libor-Banken, die sich zumeist auf das Wettbewerbsrecht stützen und nicht konkret den Mechanismus benennen, durch den ihnen Schaden entstanden sein könnte. Sollte die Klage zugelassen werden, könnte sie ein Muster für Klagen von Banken weltweit abgeben.

Einer Gruppe von 16 Banken, darunter die Deutsche Bank, wird vorgeworfen, den Libor-Zinssatz über Jahre manipuliert zu haben. Dabei sollen sie ihn sowohl nach unten gedrückt als auch nach oben verzerrt haben. Gestern räumte die britische RBS ein, zu den Banken zu gehören, "die im Libor-Skandal gefangen sind", wie RBS-Chef Stephen Hester dem "Guardian" sagte. Er kenne zwar nicht die Höhe der Strafe für die RBS, sagte aber, die Untersuchungen der britischen Finanzaufsicht seien "im Gange".

Die britische Barclays Bank hatte in einem Vergleich mit den Behörden fast eine halbe Milliarde Dollar Strafe gezahlt. Zudem musste Bankchef Bob Diamond gehen. Ähnliche Vergleiche werden in näherer Zukunft erwartet. Es gibt eine Serie von privatrechtlichen Klagen. So zieht das deutsche Privatinstitut Metzler gegen die Deutsche Bank in New York zu Felde.

Die Berkshire Bank ist ein kleines Institut mit elf Filialen in den Bundesstaaten New York und New Jersey. Im Antrag auf Sammelklage heißt es mit Blick auf die Manipulationen, die New Yorker Banken seien "nicht in der Lage gewesen, die Zinseinkünfte zu verdienen, auf die sie ein Anrecht haben". Allein im Bundesstaat New York würden womöglich Hunderte von Milliarden Dollar an Krediten im Jahr vergeben, so die Bank über die Größenordnung des Schadens.

Experten sehen darin Sprengstoff für die Branche: "Libor könnte sehr wohl das Asbest dieses Jahrhunderts werden", sagte James Cox, Rechtsprofessor an der Duke University. In den 1980er- und 1990er-Jahren hatte es eine Flut von Klagen wegen Gesundheitsschäden durch Asbesteinbau in Gebäuden gegeben. Noch heute werben Kanzleien im Fernsehen damit, dass sie potenziellen Opfern, die durch Kontakt mit Asbest Krebs bekamen, große Summen an Schadensersatz einklagen könnten.

Schätzungen zufolge nutzen weltweit Finanzkontrakte im Volumen von über 300 Billionen Dollar den Libor als Richtschnur für die Verzinsung. Bei der Reform des in Verruf geratenen Marktbarometers wollen die Briten aufs Tempo drücken. Der mit der Untersuchung des Libor-Prozesses beauftragte Aufseher Martin Wheatley soll am 10. August ein Diskussionspapier vorlegen. Bis Ende September soll ein Untersuchungsbericht mit Vorschlägen zu Reform oder Ablösung des Libors und ähnlich konstruierter Marktbarometer fertig sein.

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