Libor-Skandal
Britisches Brokerhaus muss Millionenstrafe zahlen

Neue Entwicklung im Libor-Skandal: Das britische Brokerhaus ICAP muss 65 Millionen Euro Strafe zahlen. Einzelne Mitarbeiter sollen Bankern dabei geholfen haben, den wichtigen Referenzzins zu manipulieren.
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London/WashingtonEine weitere Finanzfirma wird im Libor-Skandal um manipulierte Zinssätze zur Rechenschaft gezogen. Das britische Brokerhaus ICAP einigte sich mit den Behörden in den USA und Großbritannien auf eine Strafzahlung von umgerechnet 65 Millionen Euro. Händler der Firma haben demnach Bankern dabei geholfen, den Yen-Libor in eine bestimmte Richtung zu verschieben. In den USA wurde gegen drei ehemalige ICAP-Mitarbeiter Anklage erhoben, einer davon trug den Spitznamen „Lord Libor“.

„Die Angeklagten haben die Integrität der Märkte untergraben“, erklärte US-Justizminister Eric Holder am Mittwoch in Washington. ICAP mit seinen 5000 Mitarbeitern ist ein Vermittler zwischen Banken. Den Erkenntnissen der Behörden zufolge hatte ein Händler eine tägliche E-Mail an seine Geschäftspartner verschickt mit einer Schätzung, wo der Referenzzinssatz für den japanischen Yen zum Handelsschluss stehen könnte. Das Ziel sei gewesen, den Markt derart zu beeinflussen, dass die Schweizer Großbank UBS als wichtiger Kunde davon profitiere.

Der täglich in London festgestellte Liborsatz gibt an, zu welchen Konditionen sich Banken untereinander Geld leihen. Er wird aus den wenig kontrollierten Eingaben von einigen Kreditinstituten gebildet. Schon winzige Veränderungen können dabei große Wirkungen haben, denn der Libor wird als Grundlage für eine große Zahl an Finanzgeschäften herangezogen: von Krediten für Häuslebauer bis hin zu komplexen Derivategeschäften.

Im vergangenen Jahr war herausgekommen, dass Mitarbeiter mehrerer Großbanken den Satz jahrelang mit falschen Angaben verschoben hatten, um höhere Gewinne einzustreichen. Barclays, UBS und die Royal Bank of Scotland wurden bereits zur Verantwortung gezogen und zahlten insgesamt rund 2,4 Milliarden Dollar. In diesem Herbst wird nach früheren Medienberichten mit einer Reihe weiterer Vergleiche gerechnet. Weltweit laufen Ermittlungen gegen mehr als ein Dutzend Institute, darunter ist auch die Deutsche Bank.

Die ICAP-Händler sollen von 2006 bis 2011 an der Manipulation mitgewirkt haben. Firmenchef Michael Spencer sprach am Mittwoch in London von „unentschuldbaren Handlungen“ einzelner Beschäftigter, die mittlerweile aber nicht mehr im Haus seien. „Es gibt keine Hinweise darauf, dass jemand aus der Geschäftsführung in diese Geschichte verwickelt war.“ Sein Haus muss 65 Millionen Dollar (48 Mio Euro) an die US-Marktaufsicht CFTC zahlen und 14 Millionen Pfund (17 Millionen Euro) an die britische Finanzaufsichtsbehörde FCA.

Als Konsequenz aus dem Skandal will die EU-Kommission durchsetzten, dass Zinssätzen wie Libor oder der verwandte Euribor künftig nur noch unter behördlicher Aufsicht bestimmt werden können. Zinsfälscher sollen mit Geldbußen bis hin zu Gefängnisstrafen rechnen müssen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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