Libor-Skandal
Die Deutsche Bank muss um ihre Bilanz fürchten

Bisher gab man sich bei der Deutschen Bank in Hinblick auf die Bilanz noch gelassen. Doch das ist vorbei. Dem Institut drohen durch den Libor-Skandal immense Strafen. Experten rechnen mit bis zu einer Milliarde Dollar.
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Frankfurt/LondonIm Zwischenbericht zum ersten Quartal dieses Jahres gibt sich die Deutsche Bank Ende Mai noch gelassen. Ganz allgemein schreibt das größte deutsche Institut, dass es von verschiedenen Behörden in den USA und in Europa um Auskunft "im Zusammenhang mit der Quotierung von Zinssätzen im Interbankenmarkt für verschiedene Währungen" zwischen 2005 und 2011 gebeten worden sei. Eine Umschreibung für die Zinsmanipulationen, die derzeit unter dem Stichwort Libor-Skandal Schlagzeilen machen.

Doch mit der Gelassenheit ist es inzwischen vorbei: Zum einen stehen im Libor-Skandal nach Informationen aus Finanzkreisen die ersten Festnahmen von Händlern bevor. Zum anderen forderte die Chefin der Finanzaufsicht Bafin, Elke König, die beteiligten Banken im "Spiegel" auf, "für eventuelle Schäden angemessene Rückstellungen" zu bilden. In Vorstand und Aufsichtsrat der Deutschen Bank werde bereits um die Höhe dieser Rückstellungen gerungen, berichten Finanzkreise. Es gehe um einen Betrag zwischen 300 Millionen und einer Milliarde Dollar.

Die Zahl von einer Milliarde Dollar kommt nicht von ungefähr. Die Analysten von Morgan Stanley um Betsy Graseck und Michael Cyprys haben gerechnet. Das Ergebnis: Der Deutschen Bank könnten Strafen über insgesamt 1,04 Milliarden Dollar drohen. Die Summe würde nach der Berechnung der Experten das Ergebnis der Bank 2013 und 2014 um fünf Prozent nach unten drücken. Besonders genau schauen die Vorstände aber auf den Fall Barclays, der gegen eine Rekordsumme von knapp 500 Millionen Dollar in einem Vergleich mit den Aufsehern endete. Die Deutsche Bank sollte darunter liegen, hoffen Finanzkreise.

Erste Klagen gegen das Institut sind inzwischen öffentlich geworden. So hat die Tochter Metzler Investments des Frankfurter Bankhauses Metzler sich einer Sammelklage in den USA angeschlossen. Dabei spielte es keine Rolle, dass Friedrich von Metzler, der wohl bekannteste Privatbankier Deutschlands, aus alter Verbundenheit ein gutes Verhältnis mit den Deutsche-Bank-Vorständen pflegt.

Denn zwei Geldmarkthändler des Instituts werden verdächtigt, Teil eines Rings von zwölf Banken gewesen zu sein, die den Libor je nach Bedarf manipulierten. Beide gehörten zum Bereich Global Markets, der vom neuen Co-Chef der Deutschen Bank, Anshu Jain, geführt wurde, wenn sie auch fünf Hierarchiestufen tiefer arbeiteten.

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Details bisher nur bei Barclays

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  • Die Zahl von einer Milliarde Dollar kommt DOCH von ungefähr denn sie stammt von Analysten von Morgan Stanley (MS) und auch MS spielt bei diesen Manipulationen eine Rolle. Es ist unverständlich dass Medien kritiklos und offenbar ohne Überprüfung die Zahlen von Finanzanalysten befangener Banken übernehmen.
    Zur Sache selbst: Mit Einzug des Euro durchliefen die manipulierten Kurzfristzinssätze (EUR-LIBOR, Euribor) ein beispielloses Zinstal, so dass z.B. Kredite für den Wohnungskauf in Spanien (dort sind variable Zinsbindungsfristen mit Laufzeiten von 30 Jahren üblich) so billig waren, dass selbst Niedrigstverdiener Wohnimmobilien erwerben konnten. Die Immobilienwerte sind enorm gesunken, die Haushalte bis zur Halskrause verschuldet, die Kreditausfälle und Vollstreckungen auf einem fast historisch hohem Niveau. Gelingt der Nachweis dass für die Kreditaufnahme die niedrigen Zinssätze ursächlich waren und die Haushalte über die tatsächlichen Zinsänderungsrisiken getäuscht wurden, dann dürften Ansprüche gegenüber den manipulierenden Bankhäusern entstehen die eine astronomische Höhe annehmen und für einige existenzbedrohend werden. Die Klagewelle hat gerade erst begonnen!

  • Es gibt eine Lösung, die da heisst Trennbankensystem, oder auch Glass-Steagall. Das bedeutet, dass man den Teil der Investmentbanken pleite gehen lässt, und die Geschäftsbanken mit Renten, Ersparnisse und Krediten schützt.Dieses Gesetz hat 1933 zusammen mit der Pecorra Untersuchung in den USA Bänker vors Gericht gebracht und Gerechtigkeit geschaffen.Setzt Euch dafür bei Euren Abgeordneten ein!

  • na so etwas, endlich kommt mal ans Tageslicht, was die Dt. Bank wirklich so gemacht hat. Man kann sich nur wünschen, dass endlich mal mit den Stahlbesen durchkehren lässt.

    Eine interessante Brut diese Bankster.

    Dabei war die dt. Bank schon immer berühmt für seine Kurs Manipulationen.



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