Libor-Skandal

EU verhängt Strafen gegen Großbanken

Die EU-Kommission verurteilt Geldhäuser aus Europa und den USA zu einer Rekordstrafe von insgesamt 1,71 Milliarden Euro. Die Deutsche Bank kassiert dabei die höchste Strafe und muss mit 725 Millionen Euro büßen.
Update: 04.12.2013 - 13:02 Uhr 27 Kommentare
Finanzdistrikt in London: Mehrere Großbanken kassieren hohe Strafen. Quelle: dapd

Finanzdistrikt in London: Mehrere Großbanken kassieren hohe Strafen.

(Foto: dapd)

Frankfurt/BrüsselDie Deutsche Bank muss wegen der Manipulation von Zinsreferenzsätzen eine Geldbuße von rund 725 Millionen Euro zahlen. Das ist die höchste Strafe, die die EU-Kommission im sogenannten Libor-Skandal gegen Banken bisher verhängt hat.

Die Kommission verurteilte am Mittwoch sechs Geldhäuser aus Europa und den USA zu einer Rekordstrafe von insgesamt 1,71 Milliarden Euro. Dazu gehören auch die französische Société Générale, die Royal Bank of Scotland (RBS), die US-Banken Citigroup und JP Morgan Chase sowie das Brokerhaus RP Martin. Die Société Générale muss demnach knapp 446 Millionen Euro zahlen, die Royal Bank of Scotland 391 Millionen Euro. Es handelt sich um eine Rekordstrafe der EU gegen Kartelle.

Die britische Barclays und die Schweizer UBS entkommen einer Strafe, weil sie die Kartellwächter über die Manipulation informiert hatten. Allein die UBS hätte sonst 2,5 Milliarden Euro zahlen müssen. Die niederländische Rabobank hingegen sei nicht Teil des Kartells gewesen.

Auch die übrigen betroffenen Banken hätten mit den Ermittlern kooperiert, teilte die Kommission mit. Sie bekamen dafür deutliche Nachlässe. Einer Einigung sollen sich Informationen mehrerer Medien zufolge die Banken HSBC und Credit Agricole entzogen haben. In diesen Fällen scheinen weitere juristische Verfahren wahrscheinlich.

„Der heutige Beschluss ist ein deutliches Signal, dass die Kommission fest entschlossen ist, Kartelle im Finanzsektor zu bekämpfen und zu sanktionieren“, erklärte EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia. Mitarbeiter der Banken hatten sich bei der Festlegung von Referenzzinssätzen wie dem Euribor, dem Libor und dem japanischen Tibor abgesprochen und sie dadurch manipuliert.

„Was beim Libor- und beim Euribor-Skandal so schockierend war, ist nicht nur die Manipulation der Referenzzinssätze, die von den Regulierungsbehörden weltweit bekämpft wird, sondern auch das abgestimmte Verhalten zwischen Banken, die eigentlich miteinander im Wettbewerb stehen sollten.“

Infografik

Das Libor -System

Wie die Händler den Zinsensatz manipuliert haben sollen
( mit der Maus über die Grafik fahren)

Libor-System
Externe Broker-Firmen

Auch externe Broker Firmen lieferten dem Banken-Panel Informationen.
Laut UBS hat Hayes auch mit Mitarbeitern dieser Firmen zusammen gearbeitet.

Thomas Hayes

  • 2006-2009 bei der UBS
  • 2009-2010 bei der Citigroup

Banken

Die UBS hat den Regulierungsbehörden mitgeteilt, dass Hayes eng mit Händlern mehrerer Banken zusammengearbeitet hat, um den Libor zu beeinflussen.

Dollar-Libor-Panel

Der Dollar-Libor wird von einem Panel von 16 Banken ermittelt. Händler von 6 dieser Banken sollen bei den Libor-Manipulationen mitgewirkt haben.


Händlern der Geldhäuser wird vorgeworfen, die Zinssätze zu ihren Gunsten manipuliert zu haben, um Handelsgewinne einzustreichen. Referenzsätze wie Libor und Euribor werden täglich ermittelt und sind die Grundlage für Finanzgeschäfte im Volumen von mehr als 500 Billionen Dollar. Sie beruhen auf Angaben der Banken über ihre Refinanzierungskosten. Das System soll nach dem Willen vieler Aufseher wegen der Manipulationen geändert werden.

Strafe für Deutsche inmitten des „Kulturwandels“
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27 Kommentare zu "Libor-Skandal: EU verhängt Strafen gegen Großbanken"

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  • Die Strafen sind noch viel zu gering! Wer in betrügerischer Absicht manipuliert gehört aus dem Wirtschaftskreislauf und Geschäftsverkehr genommen. Das Einkommen & Vermögen der Schuldigen muss von den Regierungen eingezogen werden und der staatlichen Schuldentilgung zugeführt werden.

    Auch wünsche ich mir wieder die Barauszahlung meines Lohnes in den Firmen zurück. Die Macht der Bankwirtschaft muss wieder auf das notwendigste zurückgeführt werden.

  • @ NichtDieAngela

    Sie bellen leider die Falsche an. Merkel mit ihrer 30 Personen-Runde für 2000€ ist doch nichts gegen einen Rau in der SPD-Hochburg NRW der sich von der landeseigenen WestLB anlässlich seines Geburtstages eine Feier für 1500 Personen und 150.000 DM Kosten ausrichten ließ.

    Statt auf Merkel zu bashen sollten Sie sich lieber mal fragen welche Partei von 1999-2009 den Finanzminister stellte und damit für die deutsche Aufsicht und deren Versagen verantwortlich war. Wie kann ein Steinbrück es wagen ausgerechnet einen Gabriel als Finanzminister ins Gespräch zu bringen?

    Einen Deutschlehrer der schon die Energiewende an die Wand gefahren hat.

  • Um das grundgeldsystem zu verstehen, empfehle ich: goldschmied fabian, prof. bernd senf - tiefere ursachen der krise - und andreas popp - danistakratie -........

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  • Um das grundgeldsystem zu verstehen, empfehle ich: goldschmied fabian, prof. bernd senf - tiefere ursachen der krise - und andreas popp - danistakratie -


  • Es lebe die allmächtige EU-Kommission !!!

    Die EU-Kommission verhängt Strafen (Judikative) und erlässt Gesetze (Legislative).
    Da war doch mal was mit Gewaltenteilung...
    Ach nein, jetzt bin ich auch einer von diesen bösen "Anti-Europäern".

    Wo bleiben denn überhaupt die Gerichtsverhandlungen in den Betrugsfällen ?
    Wie hoch sind die Schadenssummen ?
    Alles egal !
    Statt dessen werden überschaubare Geldbußen ausgehandelt.
    Verantwortlich ist keiner.
    Die Betrogenen selbst gehen (mal wieder) leer aus.

  • Der oberste Banksterboss Ackermann hat sich wohlweislich rechtzeitig in seine Heimat abgesetzt, wo wiedermal eine jener Banken residiert, die jetzt ungeschoren davon kommt.
    Seinen Führungsstil hat er aber offenbar beibehalten, weswegen sich einer der von ihm drangsalierten Mitarbeiter schon umgebracht hat. Wann wandert dieser Unmensch endlich lebenslänglich hinter Gitter? Wahrscheinlich erst dann, wenn ihm erlaubt wird, sich seinen Knast mit Berg- und Seeblick in bester Lage, Pool, exzellenter Küche und vorzüglicher Betreuung selbst zu bauen. Genug Kohle dafür hat er ja im Ausland mit seinem Betrüger-Syndikat Deutsche Bank verdient. Der Schweiz kann man nur gratulieren, dass sie ihn wieder zurück hat.
    BITTE BEHALTET IHN UND LASST IHN NIE WIEDER RAUS!!!

  • Über die höhe der Beute kann nur spekuliert werden.

    Libor ist der größte und vielseitigste Zinssatz denn er deckt zehn Währungen ab. Er hilft sogar dabei, den Wert des US-Dollars in Form von Eurodollars zu ermitteln. Allein das Volumen der Derivate auf Zins-Swap-Geschäfte,
    deren Zinssätze vom Libor beeinflusst werden, soll etwa 350 Billionen Dollar
    und das Volumen an Termingeschäfte mit Eurodollars über 560 Billionen Dollar betragen.
    Vom Libor als Referenzzinssatz hängen viele andere Zinssätze ab,
    darunter auch Hypotheken und Kreditkartenzinsen.

    Die Libor-Beute dürfte somit locker im zweistelligen Milliarden bereich angesiedelt sein. Da der Libor-Zinssatz nicht durch Marktprinzipien also Angebot und Nachfrage sondern durch Absprachen eines Kartells erfolgt und vermutlich auch weiter erfolgen wird wird den Betrügereien kein ernsthafter Riegel vorgeschoben.

    Stattdessen dürfen die "Bank-Räuber" UBS und Barcleys ihre Beute ganz.
    Andere wie Deutsche Bank teilweise behalten.
    Auch bei den Personen die konkret handelteten und Boni kassierten kann von Strafe kaum die Rede sein.


    Wenn alleine ein Investmentbanker der an Libor-Manipulationen
    beteiligt war im Jahr 2008 80 Mio Euro Boni einstrich
    von denen man ihm noch 40 Mio Euro lies nachdem man ihm die Beteiligung an den Betrügereien nachwies
    dann zeigt dies zum einen um welche Größenordnungen es dabei geht und auch wie schief das "Rechtsverständniss" inzwischen geworden ist.
    Wenn die Chef-Betrüger auf Steuerzahlerkosten ihren Geburtstag nicht im Knast sondern im Kanzleramt feiern dann darf man sich nicht wundern daß die Opfer der Betrügereien nicht entschädigt werden sondern auch in Zukunft die Wettschulden der Betrüger zu begleichen haben.

    Danke Angela!

  • 90% des Gewinns aus manipulierten Geschäften bleibt den Banken erhalten.
    Gefängnisstrafen für die Händler, Fehlanzeige.

    In welcher Welt leben wir denn?

  • Die Geldstrafen sind leider wieder einmal zu niedrig ausgefallen, zudem müssen die Verantwortlichen in den Banken mit Haftstrafen(ohne Bewährung)belangt werden, um diesem Unwesen endlich Herr werden zu können.

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