Libor-Skandal
Ex-Deutschbanker bekennt sich schuldig

Ein ehemaliger Händler der Deutschen Bank hat sich vor einem New Yorker Gericht für schuldig bekannt, bei Versuchen, den Referenzzinssatz Libor zu manipulieren, mitgemacht hat. Das Strafmaß wird erst 2016 bekannt.

LondonDas Eingeständnis war kurz und knapp: Auf schuldig hat ein ehemaliger Händler der Deutschen Bank plädiert. Er räumte damit am Donnerstag vor einem New Yorker Gericht ein, dass er bei Versuchen, den Referenzzinssatz Libor zu manipulieren, mitgemacht hat. Das Urteil über das Strafmaß wird voraussichtlich im Januar nächsten Jahres fallen.

Der Mann ist der erste Ex-Mitarbeiter der Deutschen Bank, der in der Libor-Affäre verklagt wird. Insgesamt drohen im Zuge des Skandals etwa 20 ehemaligen Händlern juristische Konsequenzen. Tom Hayes, der einst für die UBS und Citigroup gearbeitet hat, wurde bereits im August wegen Zinsmanipulationen zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt.

Derzeit stehen sechs seiner mutmaßlichen Komplizen vor einem Londoner Gericht. Sie haben für Brokerfirmen wie Icap gearbeitet. Nach Ansicht der Ermittler haben sie durch ihre Kontakte zu verschiedenen Geldhäusern im wesentlichen Maße dazu beigetragen, dass sich die versuchten Libor-Tricksereien von Hayes zu einer Manipulation im größeren Stil entwickeln konnten.

Die einstigen Broker hätten Hayes sehr bereitwillig und begeistert bei seinem dubiosen Vorgehen unterstützt, sagte Staatsanwalt Mukul Chawla diese Woche vor Gericht. Sie seien dafür mit Provisionszahlungen und auch anderen Prämien belohnt worden. Einer vor ihnen habe sogar ganz bewusst vorzugsweise Nachtschichten in London übernommen, um mit Hayes zu kooperieren, der zu der Zeit in Tokio gearbeitet hatte.

Die sechs Ex-Broker, der derzeit in London vor Gericht stehen, plädieren auf unschuldig. Sie werden ihre Sicht der Dinge voraussichtlich erst ab Mitte November der Jury vortragen. Mit einem Urteil wird Anfang nächsten Jahres gerechnet.

Der Libor-Skandal hat die Bankbranche bisher etwa neun Milliarden Dollar an Strafen gekostet. Die Deutsche Bank hat sich im Frühjahr bei ihrem Libor-Vergleich mit Aufsichtsbehörden in den USA und in Großbritannien auf ein Bußgeld in Höhe von 2,5 Milliarden Dollar geeinigt.

Am Libor hängen weltweit Finanzprodukte im Wert von mehr als 350 Billionen Dollar. Es ist der Zinssatz, zu dem sich Großbanken gegenseitig Geld leihen. Lange Zeit hat der britische Bankenlobbyverband BBA den Libor auf Basis von Banken-Schätzungen festgelegt. Nach dem Skandal hat der Börsenbetreiber ICE das Verfahren übernommen und Reformen angekündigt. Statt auf Schätzungen soll der Richtwert künftig stärker auf tatsächlichen Transaktionen basieren.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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