Libor-Skandal
Interne Prüfung entlastet die Chefs der Deutschen Bank

Die Deutsche Bank arbeitet den Libor-Skandal auf: Nach einer internen Prüfung ist für sie offenbar klar, dass Top-Manager keine Verfehlungen begangen haben. Damit wäre auch Co-Chef Anshu Jain entlastet.
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FrankfurtDie Deutsche Bank hat ihre Untersuchung in der Libor-Affäre einem Magazinbericht zufolge abgeschlossen. „Wir haben alle E-Mails und Unterlagen ausgewertet und wissen jetzt genau, was passiert ist“, zitiert die „WirtschaftsWoche“ „hochrangige Kreise“ der Bank. Hinweise auf Verfehlungen von Top-Managern hätten sich bei der Prüfung nicht ergeben, hieß es in dem Bericht, auch Co-Vorstandschef Anshu Jain sei entlastet. Er habe wie sein Kollege Jürgen Fitschen das Vertrauen des Aufsichtsrats.

Die Abberufung der Doppelspitze sei in keiner Aufsichtsratssitzung ein Thema gewesen, berichtet das Blatt weiter unter Berufung auf das Umfeld des Kontrollgremiums. Allerdings habe die Frage nach „politischer Verantwortung“ wieder an Bedeutung gewonnen. Ein Personalberater sei mit der Suche nach einem möglichen Ersatzkandidaten beauftragt worden, hieß es in der „WirtschaftsWoche“ weiter. Die Bank hatte erst vor wenigen Wochen dementiert, dass Aufsichtsratschef Paul Achleitner Nachfolger für seine Top-Manager suchen lasse. Achleitner hatte Fitschen und Jain in einem Interview kürzlich das Vertrauen ausgesprochen, aber hinzugefügt, die Bank habe „natürlich“ einen Plan für den Fall, dass einem ihrer beiden Vorstandschefs etwas zustoße.

Mit dem Abschluss aller Verfahren und der Bekanntgabe möglicher Strafzahlungen durch britische und US-Behörden rechneten Insider nun bis Ende des Jahres, hieß es in dem Magazin weiter. „Wir haben alle Unterlagen übergeben, darauf haben wir keinen Einfluss mehr“, sei aus der Bank verlautet.

Eine Sprecherin des Instituts erklärte am Samstag, die Deutsche Bank habe von verschiedenen Regulierern und Staatsanwaltschaften unter anderem in Europa und Nordamerika Vorladungen und Informationsanfragen zu den branchenweiten Ermittlungen zu den Interbanken-Zinssätzen erhalten. Die Bank kooperiere mit den Ermittlungsbehörden.

In den Skandal um die Manipulation von Referenzzinssätzen sind weltweit zahlreiche Großbanken verwickelt. Vom Libor (London Interbank Offered Rate) hängen weltweit Finanzgeschäfte im Volumen von mehreren Hundert Billionen Dollar ab. An dem Zins orientieren sich beispielsweise die Konditionen vieler Hypothekenkredite.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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