Libor-Skandal
Jain-Vertreter hält sich im Finanzausschuss bedeckt

Deutsche-Bank-Co-Chef Anshu Jain hat Stephan Leithner in den Finanzausschuss des Bundestags geschickt. Doch der Rechtsvorstand will nicht verraten, wann die Bank eigene Untersuchungen im Libor-Skandal eingeleitet hat.
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BerlinPolitiker fragen - Banker antworten schmallippig: Die Deutsche Bank hat sich vor dem Bundestag für ihre Rolle in den weltweiten Zinsmanipulationen rechtfertigen müssen. Im Kreuzverhör des Finanzausschusses bestritt Vorstand Stephan Leithner ein Versagen der Führungsspitze. "Wir haben Einzelpersonen, bei denen wir Fehlverhalten festgestellt haben", sagte der für Rechtsfragen zuständige Vorstand am Mittwoch in der mit Spannung erwarteten Anhörung in Berlin. "Wir haben keine Involvierung des Managements, das wissen wir."

Er bekräftigte damit die Linie des Geldhauses, das schon vor Monaten eine interne Untersuchung gestartet hatte. Details, wer im Hause wann von den Manipulationsvorwürfen erfahren hatte, wollte Leithner unter Verweis auf die laufenden Ermittlungen rund um den Globus nicht nennen. Er bekräftigte aber, die Deutsche Bank werde zur umfassenden Aufklärung des Zins-Skandals beitragen.

Leithner war an Stelle von Co-Vorstandschef Anshu Jain zur Anhörung gekommen, den die Abgeordneten eigentlich nach Berlin eingeladen hatten. Jain leitete jahrelang das Investmentbanking, in das die Manipulationsvorwürfe fallen, bevor er im Juni zusammen mit Jürgen Fitschen die Führung von Deutschlands größtem Geldhaus übernahm.

Die Abgeordneten konnten Jains Erscheinen zwar nicht erzwingen, hatten sich das aber gewünscht – auch als vertrauensbildende Maßnahme. "Es wäre eine Chance für ihn gewesen, sich mit der Politik anzufreunden", sagte der finanzpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Klaus-Peter Flosbach. Ähnlich äußerte sich sein Kollege von der SPD, Lothar Binding: "Wer in einer solchen Situation die öffentliche Verantwortung ablehnt, diskreditiert sich selbst. Das lässt Rückschlüsse auf die Arbeitsweise im Investmentbanking zu."

Etliche Großbanken sollen wichtige Referenzzinssätze wie den einmal täglich in London ermittelten Libor in den Jahren 2005 bis 2009 zu ihren Gunsten manipuliert haben. Weltweit ermitteln die Behörden. Die britische Großbank Barclays hatte als erste Fehler eingestanden und eine hohe Strafe gezahlt.

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Bafin: Ermittlungen nicht abgeschlossen

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  • Meine Glaskugel sagt mir:
    Fitschen ist bald alleine.

  • Immerhin scheint Jain den Finanzausschuss ernster zu nehmen, als sein Vorgänger, der 2009 eine Einladung einfach gar nicht erst annahm. Herr Ackermann betont statt dessen heute, wie wichtig es sei die Wahrheit zu sagen. Zwischen den Zeilen steht: "Reden ist Silber, Schweigen ist Gold". Und bekommt Applaus. Während jemand, dem Silber genug zu sein schien, seit Jahren ein Dasein in der forensischen Psychiatrie fristet. Na, dann, Guten Abend, Deutschland!

  • Oberste Bankenvertreter bestellt man nicht ein. Die kommen vorbei wenn es ihnen passt. Und dann steht der Bundestag stramm. Manchmal bringen sie beschlussfertige Gesetztesentwürfe und Rettungsschirmvorschläge mit, die von der alternativlosen Sorte.

    Regierung und Opposition haben gefälligst die bedingungslose Bankenrettung voranzutreiben. Um das Schmieren von Staatsanwaltschaften und Richtern kümmern sich andere. Wer trotzdem gegen die wahren Herrscher ermittelt landet ganz schnell in der Klapse.

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