Libor-Skandal landet vor Gericht
Rüffel für „Rain Man“ der UBS

Erstmals erscheint einer der Händler vor einem britischen Gericht, der den Leitzinssatz Libor manipuliert haben soll. Der als sonderlich geltende Ex-UBS-Banker kassiert gleich zu Prozessbeginn eine Rüge vom Richter.
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LondonDie Anhörung dauerte gerade mal fünf Minuten, da handelte sich Tom Hayes bereits einen unmissverständlichen Rüffel des Richters ein: „Nehmen Sie die Hände aus den Hosentaschen“, herrschte dieser den Angeklagten an. Schlaksig und ungelenk stand der 33-Jährige von da an hinter der Glasscheibe, die ihm vom Rest der Anwesenden im Gerichtsaal trennte, und hörte sich den Vortrag des Richters an.

Den Spitznamen Rain Man haben ihm Kollegen verpasst – in Anspielung auf den gleichnamigen Kinofilm mit Dustin Hoffman in der Hauptrolle. Darin spielt Hoffman einen Autisten, hochintelligent, aber im Umgang mit anderen Menschen sonderbar.

Diese Eigenschaften werden auch Tom Hayes zugeschrieben. Der ehemalige Händler, der bei der UBS und der Citigroup gearbeitet hat, gilt als eine der zentralen Figuren im Skandal um die Manipulation des Referenzzinssatzes Libor, an dem Finanzprodukte im Wert von mehr als 350 Billionen Dollar hängen. Anfang dieser Woche hat die britische Antikorruptionsbehörde Serious Fraud Office (SFO) eine Anklage gegen Hayes angekündigt. Am Donnerstagvormittag musste er vor einem Londoner Gericht erscheinen.

Der Richter las ihm insgesamt acht Anklagepunkte vor. Demnach soll er gemeinsam mit Kollegen anderer Banken wie Royal Bank of Scotland (RBS), Deutsche Bank und Citigroup und mit Mitarbeitern von Brokern wie Tullett Prebon und RP Martin zwischen 2006 und 2010 zusammengewirkt haben, um den Liborsatz zu verfälschen. Er soll sich so höhere Gewinne in seinem Portfolio verschafft haben.

Bereits im Dezember vergangenen Jahres hatten ihn britische Ermittler festgenommen und später auf Kaution wieder freigelassen. Er ist der erste in der Libor-Affäre, den britische Behörden anklagen. US-Ermittler haben sich dazu bereits Ende vergangenen Jahres entschieden. Hayes und einem ehemaligen Kollegen wird dort ebenfalls Betrug vorgeworfen.

Am Donnerstag hat sich Hayes in London zu den Vorwürfen nicht geäußert. In einem dunkelblauen Hemd und eine hellen Hose stand er vor dem Richter und machte lediglich Angaben zu seiner Person – leise und nuschelnd. Am Ende musste er noch bestätigen, die Anklagepunkte erfasst zu haben, nachdem der Richter gleich mehrmals nachfragte: „Haben Sie das verstanden?“ Zu ungerührt und eher nicht bei der Sache war ihm Hayes offenbar erschienen. Das Verfahren wird am 4. Juli vor einem anderen Londoner Gericht fortgesetzt. Bis dahin ist Hayes auf Kaution frei und darf Großbritannien nicht verlassen.

Vor seinem Gerichtsauftritt hat der Brite die Vorwürfe gegen ihn lediglich in einer Kurznachricht per Mobiltelefon an einen Redakteur der US-Wirtschaftszeitung „Wall Street Journal“ kommentiert. Darin deutete er, dass mehr Mitarbeiter und vor allem höherrangige Manager in die Affäre verstrickt seien. „Das geht noch weit, weit über mich hinaus“, schrieb er.

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  • @hackespitze123

    Seien Sie doch nicht so kleinlich, erst recht nicht, wenn Sie Ihren eigenen Beitrag nicht noch einmal Korrektur lesen und selber daneben greifen. Diese Überschrift kann man noch tolerieren. Es gibt viel schlimmere Artikel und Kommentare beim Handelsblatt, die grammatikalisch und in der Rechtschreibung vollkommen daneben liegen.

    Liebes HB: Wer liest bei Ihnen Korrektur, bevor etwas veröffentlicht wird? Einwandfreies Deutsch sollte Ihr Aushängeschild sein.

  • Sie lustiger Schreiber! Das hätte auch mein Sohn sagen können, als wir in de Pubertätskrise waren. Erachsene Leute kennen oft die noch wichtigeren ungeschriebenen gesetze, die Heranwachsende erstmal widerwillig negieren und vielleicht erst dann akzeptieren , wenn sie blutig auf die Nase gefallen sind. Typischer Fall von mangelnder Kinderstube.

  • Noch handeln die Politiker nur, weil sie von der Öffentlichkeit dazu gezwungen werden, im gegenteiligen Fall eventuell nicht wieder gewählt zu werden. Diese Sorte von Bankern, wie sie Hayes presentiert sind Schwerverbrecher und wissen es nicht, weil Politiker wie auch die Öffentlichkeit vor immensem Reichtum eine Beisshemmung haben. Wenn solche Leute wie Hayes als Strafe für Millionen - ja was sage ich - für Milliarden Betrügereien ihr gesamtes vermögen konfisziert bekommen und dann eine Gefängnisstrafe von mindestens 20 Jahren erhalten, dann erst - und nur dann - ist es eine Abschreckung, die sich wohltuend herumspricht!

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