Libor-Skandal
New Yorker Notenbank geht zum Angriff über

Die New Yorker Notenbank Fed will sich keine Vorwürfe machen lassen: Im Libor-Skandal habe man bei den ersten Zweifeln vor vier Jahren sofort reagiert - und auch Reformvorschläge an die britischen Behörden übermittelt.
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New YorkDie Notenbank von New York geht im Libor-Skandal in die Offensive. Die Aufsicht der Wall-Street-Banken will am Freitag Belege dafür vorlegen, dass sie auf erste Zweifel an der Festsetzung des Interbanken-Zinssatzes vor vier Jahren sofort reagiert hat. Man habe auf Probleme bei der Festlegung der für viele Kreditgeschäfte wichtigen Rate hingewiesen und auf Reformen bestanden, sagte ein Vertreter der New Yorker Fed.

Die regionale Notenbank werde am Freitag noch mehr Dokumente veröffentlichen, als zuletzt von einem Abgeordneten des Repräsentantenhauses gefordert, sagte der Vertreter, der mit den Plänen der Institution vertraut ist. Die damals vom jetzigen US-Finanzminister Timothy Geithner geführte Notenbank hat Anfang der Woche erklärt, das Haus sei im Frühjahr 2008 nach dem Zusammenbruch der Investmentbank Bear Stearns der Frage nachgegangen, wie bei der Festsetzung des Zinssatzes vorgegangen werde. „Anschließend haben wir unsere Analysen und Vorschläge für eine Libor-Reform den relevanten Behörden in Großbritannien zukommen lassen", sagte der Sprecher.

Die britische Großbank Barclays hat als erstes Geldhaus ein Fehlverhalten einiger Händler eingeräumt. Die New Yorker Fed hat ihrem Sprecher zufolge bereits Ende 2007 mitunter „anekdotenhafte Berichte von Barclays zu Problemen mit Libor" erhalten. Das britische Institut wurde inzwischen von Behörden zuhause und in den USA zu einer Strafe von fast einer halben Milliarde Dollar verdonnert.

Als Beschuldigte taucht in Klagen auch die US-Großbank JPMorgan auf, die Bear Stearns im März 2008 gekauft hat. Das Institut teilte mit, es arbeite mit den Ermittlern zusammen. Dies betreffe vor allem den Zeitraum 2007 und 2008. Die Bank gibt am Freitag Einblick ins abgelaufene Quartal.

Neben Barclays und JPMorgan wird noch einer ganzen Reihe von weiteren internationalen Großbanken vorgeworfen, von 2005 bis 2009 den Libor-Zinssatz mit falschen Angaben manipuliert zu haben, um ihre tatsächlichen Refinanzierungskosten zu verschleiern. Die Rate wird einmal täglich in London ermittelt und zeigt an, zu welchen Konditionen sich Banken untereinander Geld leihen. Er basiert auf individuellen Angaben der Institute und dient als Referenz für Kredite an Unternehmen, Privatpersonen und weitere Finanztransaktionen in einem Volumen von 360 Billionen Dollar.

Für die Institute braut sich zudem noch mehr Ärger zusammen. In ersten US-Bundesstaaten prüfen die Justizminister, ob die Vorwürfe für eine Anklage ausreichen. Ein Sprecher von Massachusetts sagte, man arbeite mit anderen Justizministerien zusammen, um zu überprüfen, ob die Machenschaften der Banken dem Bundesstaat Verluste eingebracht hätten. Die Gespräche befänden sich im Anfangsstadium. Auch Florida will sich einem Sprecher zufolge den Vergleich der Behörden in den USA und Großbritannien mit Barclays genau ansehen und herausfinden, ob dem Bundesstaat Nachteile entstanden sind.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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