Libor-Skandal
Rabobank-Chef geht – Deutsche-Bank-Chef Jain bleibt

Wer trägt die Verantwortung für die Tricksereien mit dem Libor-Zinssatz? Rabobank-Chef Moerland zieht persönliche Konsequenzen, Deutsche-Bank-Chef Jain spricht lieber vom Kulturwandel. Ein Problem, zwei Lösungen.
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DüsseldorfPiet Moerland findet eindeutige Worte: Er wolle ein Zeichen setzen, lässt der Rabobank-Chef die Öffentlichkeit wissen. Zwar habe die Führung inklusive ihm selbst nichts von den Machenschaften rund um die Manipulation des Zinssatzes Libor gewusst. Trotzdem übernehme er die Verantwortung und räume seinen Posten: „Im Namen der Bank und des Vorstandes will ich ein glasklares Signal abgeben: das aufrechte Bedauern und die scharfe Missbilligung des unangebrachten Verhaltens.“

Bei Anshu Jain klingt das anders. Gemeinsam mit Jürgen Fitschen leitet er die Deutsche Bank. Die beiden Nachfolger von Josef Ackermann reden gerne vom Kulturwandel, von Werten wie Integrität. Doch im Alltag müssen sie sich mit früheren Machenschaften plagen, die wenig integer waren. Zum Beispiel Tricksereien mit dem Libor. So lautet die frohe Botschaft für die Zukunft heute bei der Vorlage der Bilanz für die ersten neun Monate 2013 doch recht gequält: „Wir kommen Schritt für Schritt auf unserem auf drei Jahre angelegten Weg voran, eine hervorragende Plattform für die Deutsche Bank zu bauen“, lassen die Manager wissen.

Ein Problem, zwei Lösungen. Dabei sind die Fälle Deutsche Bank und Rabobank durchaus vergleichbar. In den Jahren 2006 und 2007 tricksten die Mitarbeiter etlicher Banken am wichtigen Libor-Zinssatz herum, auch einzelne in den Reihen der Deutschen Bank – zwei von ihnen wurden entlassen.

Dass das höhere Management involviert war, schließt der Frankfurter Konzern aus. Indes verantwortete Jain damals die Investmentbanking-Sparte, in der die illegalen Deals liefen. Der Bundestags-Finanzausschuss wollte den Manager deswegen im November befragen. Auch wenn die Bank Rechtsvorstand Stephan Leithner vorschickte: Jain steht für das alte System.

Heute musste die Bank bei der Vorlage ihres Quartalsergebnisses einräumen, dass sie möglicherweise mehr als eine Milliarde Euro für juristischen Streitigkeiten zurückstellen muss – nicht zuletzt weil Strafen im Libor-Verfahren drohen. Wegen der Rückstellungen schrumpfte der Gewinn im Zeitraum von Juli bis September auf 51 Millionen Euro, ein Minus von 93 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. An der Börse herrschte deswegen heute Ernüchterung. Die Titel der größten deutschen Bank fielen im Tagesverlauf um mehr als zwei Prozent auf 35,05 Euro. Die Anleger wissen offenbar, was sie von dem Branchen-Führer zu halten haben.

Die beiden Banken stehen nicht allein mit diesem Problem da. Altlasten vergiften die Bilanzen etlicher Großbanken. Die Unternehmen sollen den wichtigen Referenzzins über Jahre manipuliert haben, um höhere Gewinne einzustreichen. Der Libor entspricht dem durchschnittlichen Zinssatz, den die Kreditinstitute für ungesicherte Verleihgeschäfte untereinander verlangen.

Für die Berechnung melden die wichtigsten Banken die Zinsen, die sie aktuell für Kredite ihrer Konkurrenten zahlen müssten. Hier gab es einen Spielraum für Tricksereien, den einige Banker ausnutzten. Inzwischen fordern die Behörden in Europa und den USA Hunderte von Millionen Euro Strafe. Und so stellt sich die Frage, wer die Verantwortung übernimmt – juristisch wie kaufmännisch.

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  • Kulturwandel ist wenig glaubwürdig, wenn für die zahlreichen Skandale Verantwortliche immer noch in wichtigen Funktionen sind bzw die Geschäftspolitik bestimmen. Die Deutsche Bank muss den Mut zu personellen Konsequenzen haben, wenn sie das verloren gegangene Vertrauen und Ansehen zurückgewinnen will. Die Liste der Vorwürfe und Rechtsrisiken steigt inzwischen weiter und droht zur ernsten Belastung für die Zukunft zu werden. Ethikkurse und PR-Aktionen reichen schon lange nicht mehr aus,den erlittenen Schaden und gravierenden Ansehensverlust einzudämmen. Es ist an der Zeit für personelle Konsequenzen und einen echten Neuanfang!

  • Kultur kann man nur ändern, wenn es vorher auch welche gab. Aber Kultur gilt offensichtlich nur für diejenigen, die diesen ganzen kriminellen Geldberg geschaffen hat, immer noch schafft und jeden der wirklich arbeiten will und muß erklärt das Kultur nur für denjenigen gilt, der gefälligst die Klappe zu halten hat.
    Und beginnt dann die Masse sich mit dem Willen zu formieren, sich eine eigene, oder andere Kultur zu formen, gibts Maulkörbe in Form von "die wollen doch nur unser Geld, die sind sowieso faul oder zu blöd, etc.".
    Teile und Herrsche, wir brauchen eine Kultur die diese Mechanismen schon im Ansatz erledigt, einen kulturellen Konsenz auch für die Geldindustrie.
    Und der liegt nicht in ideologischen Grabenkämpfen egal welcher Ausrichtung oder farblichen Auseinandersetzung. Dem Geld ist es egal ob damit Bomben gekauft werden oder eine Erde und Gesellschaft die nicht ihre Mitmenschen im Meer ersaufen läßt.
    Daher ist die deutsche Bank eher eine Laus im Pelz, und diese sollten das Wort Kultur erst garnicht aussprechen, Geld an sich hat keine, sondern Kultur ist das was man daraus macht.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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