Libor-Skandalbanker Hayes
„Das geht weit über mich hinaus“

Der Ex-Händler Tom Hayes steht vor Gericht, weil er den Libor-Zinssatz manipuliert haben soll. Er behauptet, seine Vorgesetzten hätten das mitbekommen – auch Carsten Kengeter, aktueller Vorstandschef der Deutschen Börse.
  • 3

LondonEs soll bei einem Treffen leitender UBS-Banker in Tokio passiert sein. Recht offen soll dort auch über ein äußerst heikles Thema gesprochen worden sein: die versuchte Manipulation des Referenzzinssatzes Libor. Auch der damalige Co-Chef der UBS-Investmentbanksparte Carsten Kengeter, der heute an der Spitze der Deutschen Börse steht, war angeblich bei diesem Treffen dabei. Das ist am Mittwoch beim Gerichtsprozess gegen Tom Hayes bekannt geworden, der als eine der zentralen Figur im Libor-Skandal gilt. Die Deutsche Börse wollte sich zu dem Vorgang zunächst nicht äußern.

Hayes hat den Ermittlern der britischen Antikorruptionsbehörde Serious Fraud Office (SFO) nach seiner Verhaftung im Jahr 2012 von dem angeblichen Treffen in Tokio berichtet. Am Mittwoch trug die Anklage diese Aussagen vor. Demnach soll Hayes damals auch gesagt haben: „Das Ganze war so offenkundig.“ Man habe damals so offen über die Manipulation des Libor gesprochen, da habe keiner unwissend sein können.

Dem einstigen Star-Händler, der für die UBS und später für Citi gearbeitet hat, wird Betrug in acht Fällen vorgeworfen. Er plädiert auf unschuldig und hat bereits vor dem Prozess die Verantwortung für die Tricksereien auf seine Vorgesetzten geschoben: „Das geht weit über mich hinaus“, schrieb er in einer Handy-Nachricht an einen Journalisten.

Hayes soll der Anklageschrift zwischen 2006 und 2010 gleich mit einer ganzen Reihe von Händlern verschiedener Banken wie der Deutschen Bank, JP Morgan und der Royal Bank of Scotland zusammengearbeitet haben, um den Zinssatz in eine ihnen genehme Richtung zu verzerren. Der inzwischen 35-Jährige hat sich vor allem in seiner Zeit bei der UBS einen Ruf als sehr talentierter und aggressiver Händler aufgebaut. Die Citigroup soll ihn daher 2009 abgeworben haben. Doch Hayes verließ die Bank bereits nach weniger als einem Jahr.

Auch andere Geldhäuser wie die Deutsche Bank und Bank of America haben offenbar versucht, Hayes einzustellen, wie Anfang der Woche in dem Gerichtsprozess bekannt wurde. Die Deutsche Bank habe sich aber dagegen entschieden, als sie mitbekam, dass Hayes seinen Job bei der Citigroup wegen Libor-Tricksereien verloren hatte.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Libor-Skandalbanker Hayes: „Das geht weit über mich hinaus“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Es mag wohl keiner der Vorgesetzten etwa behaupten wollen, dass er Boni für etwas erhält, das er nicht zu verantworten hat.

    Also, um die Schuldfrage zu klären, hat sich das Gericht die Boniverteilung und Boniberechtigung der Bank zu Rate zu ziehen.

    Was die Aufsichtsbehörden angeht, könnte ich mir vorstellen, dass man da die jeweiligen Präsidenten dieser Aufsichtsbehörden auf die Anklagebank setzt und zur Rechenschaft zieht.

    Für Deutschland bedeutet dies die Frau König, ehemalige Präsidentin der BAFin, wenn es keine Beanstandungen gibt, die vor ihrer Zeit zu verantworten waren.

  • Das sehe ich ebenso wie der Beschuldigte und der Nachweis kann m.E. sogar geführt werden.

    Nach meinen Informationen haben seine Vorgesetzten auch Boni aus seinen manipulierten Erträgen erhalten und keiner seiner Vorgesetzten hat die Boni verweigert.

    Natürlich wird der Beschuldigte damit nicht zum Engel, aber auch seine Vorgesetzten bis zur staatlichen Bankenaufsicht, deren alleiniger Job es war die Bank zu überwachen, gehören auf die Anklagebank. Dann hört es auf, dass Posten mit hochbezahlten, unfähigen Leuten besetzt werden.

    Der Fall ist geeignet ein Exempel zu statuieren. Der ausmachende Betrag rechtfertigt es ohnehin.

    Aber, wollen wir wetten, dass es gelingt, ein Bauernopfer zu schlachten? Von einer "ordentlichen" Gerichtsbarkeit sind wir dort wie auch in Deutschland weit entfernt. In Deutschland gilt vielmehr der Spruch der "Unabhängigkeit der Justiz", was schlicht die Umschreibung der "staatlichen Willkür" ist.

    Sie sollten darauf achten und nachfragen, wenn Politiker auf diese scheinbar "Unabhängige Justiz" verweisen. Dann riecht es nicht nur, dann stinkt's gewaltig.

  • das ist so als ob ein Drogen- oder Mafiaboss behaupten würde, dass er vom morden seiner Leute nichts wüsste...nur auf Banken bezogen. Da wussten die Manager und Vorstände überhaupt nicht wie Sie an Ihre Boni kamen...das ist doch alles nur lächerlich.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%