Liechtenstein
LGT Bank verkauft ihr Deutschlandgeschäft

Die Liechtensteiner LGT Bank will ihr Deutschlandgeschäft Finanzkreisen zufolge bis Jahresende los sein. Der Prozess soll begonnen haben - verläuft aber zäh.
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Zürich/FrankfurtDer Verkauf der Vermögensverwaltung habe begonnen, sagten zwei mit der Sache vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Es gebe eine Reihe von Interessenten, erste Verhandlungen solle es nach der Sommerpause geben. Die LGT wollte sich zum Stand nicht äußern.

Die Bank im Besitz des Liechtensteiner Fürstenhauses hatte im Mai beschlossen, die Vermögensverwaltung in Deutschland aufzugeben. Zuvor war ihr überraschend die Übernahme der Deutsche-Bank-Tochter BHF von der Bankenaufsicht BaFin verwehrt worden - offenbar hatte die Behörde der LGT ihre Rolle in Steueraffären nicht verziehen.

Die LGT Deutschland hat ihren Hauptsitz in Frankfurt, ist aber auch in anderen deutschen Städten vertreten. Der Geschäftsbereich mit 135 Mitarbeitern schreibt wie die meisten deutschen Töchter Schweizer und Liechtensteiner Vermögensverwalter seit Jahren rote Zahlen. 2009 stand unter dem Strich ein Verlust von rund 22 Millionen Euro in den Büchern. Zahlen von 2010 liegen offiziell noch nicht vor.

Über die Preisvorstellungen hüllt sich das Fürstenhaus in Schweigen. In der Branche wird das verwaltete Vermögen der LGT Deutschland auf 2,4 Milliarden Euro geschätzt. Der Kaufpreis könnte bis zu zwei Prozent davon - also rund 50 Millionen Euro - betragen, rechnete ein Zürcher Bankenanalyst vor. Das hänge davon ab, mit welchen Kundenabwanderungen bei einem Besitzerwechsel zu rechnen sei, sagte er.

Der deutsche Private-Banking-Markt ist zersplittert: Um die gut 900.000 Millionäre ringen hierzulande nicht nur die großen Schweizer Häuser und deutschen Geschäftsbanken, sondern auch zahlreiche kleinere Privatbanken. Branchenkreisen zufolge scheuen gerade letztere das Risiko, die verlustreiche LGT Deutschland zu integrieren. Die Anlaufkosten seien schlicht zu hoch. „Da muss der Fürst noch was drauflegen, um die Bank loszubekommen“, sagte ein Insider. Schon der zähe Verkaufsprozess für die BHF-Bank hatte gezeigt, dass sich Geldhäuser im Moment nur mit Mühe verkaufen lassen.

Auf jeden Fall würde der Verkauf den Bilanzverlust von rund 100 Millionen Euro nicht wieder einspielen, der bei LGT Deutschland bis Ende 2009 aufgelaufen ist. Die LGT Gruppe arbeitet profitabel und verwaltete Ende 2010 ein Vermögen von 74 Milliarden Euro.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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