Liechtensteins Bankenpräsident Real
„Jetzt die Zeit des Reinemachens“

Liechtenstein will den Ruf als Steueroase ablegen. Im Interview sprich Adolf E. Real, Präsident des Liechtensteinischen Bankenverbandes, über die Stiftungen des Landes und den automatischen Austausch von Steuerdaten.
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Wenn Liechtenstein in den vergangenen Jahren in die Schlagzeilen drängte, waren die Nachrichten selten gute. Im Jahr 2009 wurde der damalige Postchef Klaus Zumwinkel der Steuerhinterziehung überführt. Mit Stiftungen in Liechtenstein hatte er den Fiskus hintergangenen. Zuletzt erschütterte auch noch ein Mord an einem Bankchef das altehrwürdige Fürstentum. Im Interview mit Handelsblatt Online spricht Adolf E. Real, Präsident des Liechtensteinischen Bankenverbandes, nicht über den Fall – er erklärt aber, wie das altehrwürdige Fürstentum sein Image als Steueroase loswerden möchte und warum der Kleinstaat auch in Krisenzeiten ein sicherer Hafen bleiben könne.

Lange hat sich Liechtenstein gegen den automatischen Austausch von Kontoinformationen mit den Steuerbehörden ausgesprochen. Nun wollen sie ihn doch umsetzen. Warum hat bei den Banken in Liechtenstein ein Sinneswandel eingesetzt?

Wir haben seit langem klar gesagt: Wir machen mit. Allerdings fordern wir gleich lange Spieße für alle. Beim OECD-Standard betreffend den automatischen Informationsaustausch ist das nun gegeben. Derzeit haben sich 44 Länder - darunter auch Liechtenstein - darauf verständigt, ab dem 1. Januar 2017 dieses System stufenweise einzuführen. Es ist davon auszugehen, dass die meisten anderen Finanzplätze, die bis jetzt noch nicht dabei sind, sich dieser Gruppe ebenfalls noch anschließen werden. Damit gibt es diesbezüglich keine Wettbewerbsverzerrung.

Sie arbeiten seit Jahrzehnten in der liechtensteinischen Finanzbranche. Hätten Sie gedacht, dass der Kampf gegen die Steuerhinterziehung eine solche Dynamik bekommt?

Wir wussten seit Ende der 80er-Jahre, dass die OECD die Bekämpfung der Steuerhinterziehung zum Thema macht. Und Liechtenstein stand auf der schwarzen Liste der Steueroasen. Wir wussten daher, was uns erwartet. Für uns war es einfach wichtig, dass in Bezug auf den Informationsaustausch in Steuersachen alle Finanzplätze gleich behandelt werden. Ansonsten hätte dies zu Verschiebungen von Kapital geführt: Geld ist scheu wie ein Reh. Ich erinnere an die Panama-Krise (1989), wo innerhalb kurzer Zeit Milliarden Dollar in andere Finanzplätze abgeflossen sind. Das wollten wir vermeiden. Mittlerweile ist klar, dass der automatische Informationsaustausch zum globalen Standard wird und sich dem auch niemand entziehen kann. Ein Verschieben der Gelder wäre unter den heutigen Umständen sehr kurzsichtig. Es ist spätestens jetzt die Zeit des „Reinemachens“.

Offen gelegt wurden die Steuerhinterziehungen der vergangenen Jahre aber vor allem, nachdem deutsche Behörden geklaute Datensätze von Steuersündern aufgekauft haben ...

… was wir nach wie vor für illegitim halten. Wir teilen diesbezüglich überhaupt nicht die Ansicht verschiedener Exponenten in Deutschland. Aber es ist richtig, dass die Datendiebstähle in der Schweiz und in Liechtenstein den Prozess insgesamt beschleunigt haben. Mit der Einführung des automatischen Informationsaustausches gehört der Ankauf von gestohlenen Daten dann hoffentlich der Geschichte an.

Was genau wird sich denn durch den automatischen Datenaustausch mit den Steuerbehörden verändern?

Bei der OECD werden gerade die technischen Grundlagen festgelegt, die bis Juni auf dem Tisch liegen sollen. Dort wird definiert, welche Daten in welcher Form geliefert werden müssen. Für den effektiven automatischen Austausch ist jeweils ein bilateraler Vertrag zwischen Liechtenstein und dem jeweiligen Land nötig. An Deutschland werden dann Daten von Personen herausgegeben, die in Deutschland wohnen und damit dort steuerpflichtig sind. Mit den USA ist das anders: Dort sind auch jene steuerpflichtig, die nicht in den USA wohnen, aber beispielsweise einen amerikanischen Pass oder eine Greencard besitzen.

Welche Daten müssen Sie an die Behörden liefern?

Neben den Namen den Kontostand, Zinsen, Dividenden und andere Erträgnisse.

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