Liquiditätsmangel: Kredite der Banken fließen zäher

Liquiditätsmangel
Kredite der Banken fließen zäher

Viele Geldhäuser haben Ende des vergangenen Jahres ihre Kreditbedingungen verschärft. Damit reagierten sie auf eigene Probleme, Geld aufzunehmen. Im laufenden Quartal werden die Probleme aus Bankensicht Bestand haben.
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Frankfurt Glücklich, wer momentan in Deutschland ein Darlehen braucht: Während hierzulande kaum eine Bank mit Krediten knausern will, sieht die Lage in anderen Teilen der Euro-Zone düster aus. Europas Kreditlandschaft zerfällt in zwei Welten.

Wie aus der am Mittwoch veröffentlichten vierteljährlichen Umfrage der Europäischen Zentralbank (EZB) hervorgeht, denkt ein gutes Viertel aller Institute im gemeinsamen Währungsgebiet über eine weitere Verschärfung seiner Kreditbedingungen nach. Dabei wurden die Angebote bereits Ende 2011 mit deutlich härteren Vorgaben verknüpft - besonders für Großunternehmen mit einem langfristigen Finanzierungsbedarf und für private Bauherren. Ähnlich restriktiv waren die Banken zuletzt im Frühjahr 2009 wenige Monate nach der Pleite von Lehman Brothers.

Grund für die Vorsicht der Institute sind neben der konjunkturellen Unsicherheit die Schwierigkeiten der Branche mit der eigenen Refinanzierung. Für viele Banken ist es im vergangenen Jahr wegen der Verwerfungen am Geldmarkt im Zuge der Schuldenkrise immer schwieriger geworden, selbst an frisches Geld zu kommen. Erst die großzügige Liquiditätsspritze der EZB kurz vor Weihnachten dürfte die Lage etwas entspannt haben. Der Schritt schlägt sich aber noch kaum in der um den Jahreswechsel geführten Umfrage unter 124 Banken nieder. Beim ersten auf drei Jahre terminierten Refinanzierungsgeschäft sicherten sich die Institute damals fast eine halbe Billion Euro. Nach Ansicht von EZB-Präsident Mario Draghi konnte so eine Kreditklemme verhindert werden.

Draghi räumte bereits vergangene Woche auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos ein, dass Unternehmen in einigen Regionen der Währungsunion Probleme haben, an Darlehen zu kommen. Dazu passen die jüngsten Daten der EZB. Demnach ging die Kreditvergabe an Unternehmen in der Euro-Zone insgesamt im Dezember im Monatsvergleich um 37 Milliarden Euro zurück. Das Minus war so groß wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen 2003. Problematisch war die Lage vor allem im Portugal, aber auch in Griechenland, Spanien und Italien.

Draghi und andere erwarten deshalb auch beim zweiten lang laufenden Refinanzierungsgeschäft der EZB am 29. Februar eine relativ hohe Nachfrage. Allerdings liegen die Schätzungen extrem auseinander: Von Reuters befragte Geldhändler rechnen damit, dass sich die Banken 325 Milliarden Euro bei der EZB sichern dürften. Nach einem Zeitungsbericht gehen einige Banken hingegen davon aus, dass viele Institute vor Weihnachten noch nicht genügend bei der EZB zugegriffen haben und deshalb die Nachfrage auf bis zu eine Billion Euro nach oben schnellen könnte.

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  • Bewertung der Kreditwürdigkeit

    Die ausländischen Banken haben ebenso wie deutsche Kreditratings der Unternehmen, eigene und amerikanische. Die amerianisierte EZB begrenzt die Tender nicht. So kann jeder Bank nach Maciavelli handeln.Die EZB wird somt zur Schuldscheinbank europas und Target 2 lässt grüßen.

  • Wie es aussieht, kommen wir wieder in eine Gesellschaftsform, wo Solidität kein Fremdwort ist. (Schulden machen kommt von Schuld). Ein Staat und ein Unternehmen muss wieder über sich selbst bestimmen dürfen. Bankster sind schlechte Herren, denn $-Scheine kann keiner fressen.

    Auch wenn langsam, aber die Normalität kehrt endlich zurück.

  • Ich warte ja nur noch auf die Meldung, dass der Mittelstand die Eigenkapitalbasis gestärkt hat.

    Das wäre mehr als logisch, wenn die Banken aufgrund von BASEL mehr Eigenkapital unterlegen müssen und mangels Eigenkapital das Kreditgeschäft reduzieren müssen.

    So blöd kann sich eine Bankenaufsicht doch nur unter Gleichen halten.

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