Liveblog – Tagung „Banken im Umbruch“ Helikoptergeld? „Nicht vertretbar!“

Nach einem bislang harten Jahr stellen sich die Banken und ihre Chefs der Diskussion auf der Handelsblatt-Tagung „Banken im Umbruch“. Von Bankern, die das Wort Bankenkrise nicht mehr hören können und Fusionsgerüchten.
Update: 31.08.2016 - 18:40 Uhr 14 Kommentare
Auch er meint: Es gibt zu viele Banken in Deutschland. Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt
Commerzbank-Chef Martin Zielke

Auch er meint: Es gibt zu viele Banken in Deutschland.

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

FrankfurtDas „Who is Who“ der europäischen Finanzszene trifft sich heute und morgen auf der Handelsblatt Jahrestagung „Banken im Umbruch“. Die Tagung hat mit einer Rede und einem Interview mit Deutsche-Bank-Chef John Cryan begonnen. Der Brite plädierte zwar für Fusionen in der Bankenbranche. Auf dem deutschen Markt schaue er sich derzeit aber nicht nach Partnern um. Damit dementierte er auch indirekt eine Meldung, dass sich die Deutsche Bank für die Commerzbank interessiere. Im Fokus der Tagung steht dabei nicht nur die Frage, wie Banken in Zeiten der Niedrigzinsen und strenger Regulierung noch Geld verdienen können. Auch die Herausforderer von den Fintechs nehmen teil - für manchen Banker als Pariah, für andere als Partner.

  • Deutsche Bank-Chef Cryan plädiert für Fusionen in der Bankenbranche, dementiert aber, dass sich die Deutsche Bank auf dem deutschen Markt nach Partnern umschaue.
  • Commerzbank-Chef Zielke erkennt zu viele Banken in Deutschland.
  • Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes wittert in der Niedrigzinspolitik und falscher Regulierung die Ursache einer nächsten Finanzkrise.
  • Credit Suisse-Verwaltungsratspräsident Urs Rohner warnt vor „äußerst fragwürdigem“ Einsatz von Helikoptergeld.
  • HVB-Chef Weimer kokettiert mit Schattenbanken
  • Blackrock-Chairman beklagt eine Diskriminierung der Anlageform Aktie in Deutschland.
  • Der französische Notenbankpräsident Francois Villeroy de Galhau hält Helikoptergeld für „nicht vertretbar“.

Der Debatte über die digitale Zukunft des Banking gehört der Abend des ersten Tages der diesjährigen Bankentagung. Damit schließt sich der Kreis. Bereits am Morgen gab Deutsche Bank-Chef Cryan die Richtung mit einer schonungslosen Analyse zum Zustand der Bankenbranche den Takt vor. Cryan beklagte nicht nur die Strangulation von außen – Stichworte Niedrigzins, Regulierung – sondern appellierte auch an die eigene Riege zur Bereitschaft zu Veränderung und den Blick in die Zukunft zu richten. „Das Wort Bankenkrise will zurecht keiner mehr hören.“

Das Branchentreffen in Frankfurt. Quelle: Euroforum
21. Handelsblatt Jahrestagung

Das Branchentreffen in Frankfurt.

(Foto: Euroforum)

Wovon Cryan selbst nicht so viel hören wollte, waren die Gerüchte über eine mögliche Fusion der zwei größten deutschen Privatbanken – nämlich „seiner“ Deutschen Bank und der Commerzbank. Der Brite plädiert zwar für mehr Fusionen unter europäischen Banken. Doch die Spekulation, dass sich seine Bank auf dem deutschen Markt nach Partnern umschaue, dementierte er. „Nein. Wenn ich Sie erinnern darf, sollen Banken nach Ansicht der Regulierer doch eher kleiner statt größer werden.“
Doch ganz so abwegig war die Überlegung dann doch nicht. Schließlich bestätigte Cryan, sich mit Commerzbank-Chef Martin Zielke getroffen zu haben, den er „möge“. Zielke selbst wollte die Sache darüber hinaus nicht kommentieren.

Die Prügelknaben des Tages waren eindeutig die Notenbanker. Deren expansive Geldpolitik und das Niedrigzinsumfeld schrumpfen die Margen der Banken zusammen, so das allgemeine Befinden. Eine Abkehr der lockeren Geldpolitik sei dringend notwendig. Besonders drastisch formulierte es der Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes, Georg Fahrenschon: „Die nächste Finanzkrise wird ihre Ursache in falscher Regulierung und fataler Geldpolitik haben. Davon bin ich zutiefst überzeugt.“

Nach so viel Kritik drängte es den französischen Notenbankpräsidenten François Villeroy de Galhau sichtlich nach einer Gegenrede. Ja, er wisse, dass insbesondere die Deutschen viel an der Geldpolitik der EZB zu mäkeln haben, aus Angst um ihre Sparvermögen. Doch de Galhau bat um mehr Rationalität der Deutschen. Schließlich müsse die EZB eine Politik für die gesamte Eurozone machen, nicht für einzelne Staaten. Zwar sei es durchaus legitim, über die Maßnahmen der EZB zu debattieren. Doch: „Das EZB-Bashing ist manchmal übertrieben“, sagt der Franzose.

Und um die Frage danach vorwegzunehmen, sprach de Galhau eines der umstrittensten möglichen Maßnahmen einer Notenbank direkt selbst an: Helikoptergeld sei ein „nicht vertretbar“ Instrument.

Und damit schließt der Live-Blog zu „Banken im Umbruch“ 2016 für heute. Keine Sorge - morgen geht es auf handelsblatt.com dann weiter mit dem zweiten Tag. Auch dann wartet erneut die Bank-Elite auf, unter anderem mit Axel Weber, Verwaltungsratspräsident der UBS, Wolfgang Kirsch, dem Vorstandsvorsitzenden der DZ-Bank oder dem obersten deutschen Bankenaufseher Felix Hufeld, dem Präsidenten der BaFin.

+++ Der Messenger, dem Banker vertrauen +++

Nun spricht David Gurle, Gründer und Geschäftsführer von Symphony, einem Messenger, der ursprünglich als interner verschlüsselter Messenger für Goldman Sachs entwickelt wurde. Im Oktober 2014 investierte die Investmentbank gemeinsam mit 14 anderen Instituten 66 Millionen Dollar in Symphony. Heute nutzt etwa auch Blackrock den Dienst. Zu den größten Investoren gehört außerdem Alphabet, der Mutterkonzern von Google.

+++ Bezahlen über den Facebook Messenger? +++

Nicht nur der Messenger WeChat in China bietet mobiles Zahlen. Auch Facebook experimentiert damit in den USA. Wird es das bald auch in Europa geben? Martin Ott, Managing Director für Nord-, Zentral- und Osteuropa bei Facebook wiegelt ab. „Ich kann nichts über Pläne sagen. In den USA durchlaufen wir gerade eine Testphase.“ Payment oder Banking sei nicht die Kernkompetenz von Facebook. Dennoch schaue sich das Unternehmen immer an, was seine Nutzer möchten.

+++ Von Ozzy Osbourne und Prinz Charles +++

Banken sollte ihre Kundendaten nutzen, aktivieren und ausbauen. Allein die Daten zu betrachten helfe nicht, erklärt Brunier. So etwa wenn man zwei Männern mit ordentlichem Einkommen über 60 sieht, könne man ihnen nicht gleich das gleiche Produkt anbieten. Wäre es nicht ein Unterschied, wenn man wüsste, dass es sich bei den beiden Männern um Ozzy Osbourne und Prinz Charles handelt?

+++ Schatz der Kundendaten +++

Beim Schritt in die digitale Zukunft mahnt Frederic Brunier, Managing Director bei Accenture Strategy für Banking und Kapitalmärkte, die Schätze der Kundendaten zu heben. Bislang hätten zwar viele Institute schon große Visionen. Nach Überlegungen über die Grundlagen seien die Banken noch nicht bis zur Umsetzung gekommen. Dabei, sagt Brunier, könnten Banken eine zentrale Rolle als Spielmacher einnehmen und Moderator auf dem Weg zum digitalen Marktplatz sein.

+++ Mobiles Bezahlen vs. Bargeld +++

In China sieht Flint mobiles Bezahlen schon weit fortgeschritten. Dort haben Dienstleister wie WeChat oder AliPay den Markt umgewälzt. Auch in Europa gebe es dafür durchaus Potenzial. Und wie lange würde es wohl dauern, bis das Bargeld verschwindet? „Das würde wohl ziemlich lange dauern. Denn für Teile der Bevölkerung ist es einfach noch zu wichtig. Wenn es vielleicht auch den ein oder anderen gibt, der heute schon ohne Bargeld lebt, so gibt es auch eine ganze Reihe derer, die gar nicht ohne Bargeld leben wollen“, sagt Flint.

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14 Kommentare zu "Liveblog – Tagung „Banken im Umbruch“: Helikoptergeld? „Nicht vertretbar!“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die Banken klagen über minus Zinsen
    Die EZB will 2 % Inflation.
    Das geht aber nur wenn ich jedem EU Bürger einfach mal 500€ als scheck
    schicke und die Zinsen auf 5% anhebe.
    Die masse der Leute gibt das aus, damit wird die Wirtschaft
    durch nachfrage angekurbelt.
    Die 10% Reichen legen das an die 90% geben das in den Konsum.
    Wenn man sagt das in 14 tagen die Zinsen angehoben werden,
    dann gibt es einen Run auf Kredite.
    Dann platz aber auch der Imobilien Markt und der Dax geht erst mal runter.
    Das würde aber die Reichen stören, darum macht man das nicht

  • Wahrscheinlich hat letzten Freitag jemand den Werder-Spielern auch gesagt:

    Scheitert Bayern, dann scheitert auch die ganze Bundesliga...

    So haben sie sich dann sehr gemeinnützig auf den Platz gestellt... :-)

  •  Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. 

  • Oh-Oh! Ist es schon wieder soweit?

    Die Karte kenne ich doch... lasst mich mal überlegen "Geschwächte Banken bedeuten geschwächte Wirtschaft" ... hmmm...

    jetzt fällt es mir ein... "Scheitert der Euro, dann scheitert Europa"... damals wollten die Jungs den A... gerettet haben, Begründung: wenn ihr mir hier nicht beim Euro helft (obwohl es gar nicht um den Euro ging, sondern um ein paar Pleitebanken), dann scheitert ganz Europa (und die Welt geht unter (vor allem deren)).

    Naja es hat ja für die Jungs geklaptt. Und jetzt die Karte nochmal: wenn ihr der Wirtschaft was gutes tun wollt, dann kein Geld für die Wirtschaft, oder Investitionen in die Infrastruktur, sondern gebt das Geld einfach den Banken ... und alles wird gut!!!!

    Ich nehme an Angie schafft das auch!

  • Der größte Feind der Banken ist die Europolitik der EZB und der EU.
    Zur EBZ-Draghi Politik...hier werden die Marktgesetze komplett ausgehebelt in dem man Insolvente Banken die sich bei ihren Kreditgeschäften verzockt haben nicht in die Insolvenzen gehen lässt, wie es in der Marktwirtschaft üblich ist sondern von der Gesetzgebung (ESM,Maastrichervertagsbruch usw.) über die Draghi EZB weiter am Leben erhalt und somit die noch guten und profitablen Banken in Europa weiter und weiter schwächt....bis zum kompletten Geldwertschöpfungszusammenbruch.
    Das Geld = EUR bekommt unter diesen markttfeindlchen EZB Rahmenbedingung immer weniger an Wert und lebt zum Schluss nur noch von Schulden und wirtschaftlichen Pleitebanken und Unternehmen.

    2.Die Banken haben in der Vergangheit zu sehr und zuviel auf die marktfeindlcihe und damit fortschrittsfeindliche Energiewende = CO2 Verbotspolitik/ideologie gesetzt. Bei Wind und Sonne wurde und wird massenhaft Kaptial in einer nicht wirtschaftlichen (No Profit) Wertschöpfungskette verbrannt. Diese Energiewende und diese CO2 Ideologie basiert auf keiner wirtschaftichen und damit gesellschaftlichen Basis von realer Nachfrage, realen Angebot, realen Wettbewerb und realer Insolvenz...in der sog. Erneuerbaren Energiebranche werden mit politischen Gesetzen marktunfähige Produkte der Erneuerbaren Energien als etwas marktfähiges verkauft und dargestellt. Weder Wind noch Sonne inkl. Speicher kann eine stabile Stromversorgung herbeiführen. Das geht nur mit einen Kraftwerk und ein Kraftwerkmixpark aus Kohle, Gas und Uran kann nicht nur für eine stabile Stromversorgung garantieren sondern auch für billige Strompreise und damit für mehr und mehr wirtschaftliche Wertschöpfung. Die Energiewende/CO Verbotsideologie = Grüne Wirtschaftspolitik führt dazu, dass die europäische Wirtschaft und damit die Banken sehr viel Geld verbrennen...in dem Sie da auf einen politischen und marktfeindlichen Zug aufgesprungen sind der nie und nimmer Profit = Fortschritt hat

  • Commerzbank schon besser als die DB fehlt Eigenkapital.
    2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015
    Umsatz je Aktie 146,35 125,63 53,10 26,48 19,78 14,89 13,64
    KGV (Jahresendkurs) - 4,59 7,24 1.340,66 130,11 47,74 10,88
    KGV (Jahresendkurs, EPS verwässert) - 4,59 7,24 1.340,66 130,11 47,74 10,88
    Dividendenrendite Jahresende in % 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 2,09
    Eigenkapitalquote in % 3,08 3,70 3,64 4,11 4,73 4,60 5,44
    Fremdkapitalquote in % 96,92 96,30 96,36 95,89 95,27 95,40 94,56

  • ``Commerzbank-Chef Martin Zielke hält seine Bank für so stabil wie noch nie."

    Doch, das sieht man auch ganz klar an dem starken Börsenkurs und den ewigen Kapitalerhöhungen (Verwässerung der Aktien zu Lasten aller Aktionäre!).

  • Titel:
    „Geschwächte Banken bedeuten geschwächte Wirtschaft“

    Und eine geschwächte Wirtschaft bedeutet günstige Unternehmnsübernahmen. Wer braucht dann noch TTIP?

  • Die Zahlen von der Deutschen im Vergleich zu Goldman
    Die DB hat zu wenig Eigenkapital. Eigentlich müssen die zumachen.

    Deutsche Bank

    2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015
    Umsatz je Aktie 59,63 56,42 53,23 53,00 42,81 37,26 34,64
    KGV (Jahresendkurs) 6,24 12,74 6,61 131,83 51,76 18,65 -
    KGV (Jahresendkurs, EPS verwässert) 6,51 13,39 6,85 131,83 53,34 19,07 -
    Dividendenrendite Jahresende in % 1,52 1,92 2,55 2,28 2,16 3,00 0,00
    Eigenkapitalquote in % 2,44 2,56 2,47 2,68 3,40 3,98 3,83
    Fremdkapitalquote in % 97,56 97,44 97,53 97,32 96,60 96,02 96,17
    Goldman
    2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015
    Umsatz je Aktie 103,47 78,54 62,14 81,64 79,12 80,05 80,75
    KGV (Jahresendkurs) 7,63 12,76 20,05 9,03 11,47 11,36 14,85
    KGV (Jahresendkurs, EPS verwässert) 7,63 12,76 20,05 9,03 11,47 11,36 14,85
    Dividendenrendite Jahresende in % 0,90 0,83 1,55 1,39 1,16 1,16 1,41
    Eigenkapitalquote in % 7,51 7,72 7,29 7,41 7,82 8,60 8,77
    Fremdkapitalquote in % 92,49 92,28 92,71 92,59 92,18 91,40 91,23


  • Banken, Versicherungen usw........
    Die unendliche Geschichte........
    Am Ende jedoch standen die Häuptlinge ohne Gefolgsleute da.
    Das letzte Recht, das sie für sich in Anspruch nehmen konnten,
    war das Recht, als Letzte zu verhungern.
    Jared Diamond aus: "Kollaps".

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