Lloyds
Die geglückte Rettung

Großbritannien hat das Geld wieder hereingeholt, das sie in der Finanzkrise in die Bank Lloyds gesteckt hat. Die Regierung hat sogar einen Mini-Gewinn gemacht. Lloyds soll bald komplett in private Hände zurückkehren.
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LondonEs hat fast ein Jahrzehnt gedauert. Doch jetzt hat Großbritannien die Milliardensumme wieder hereingeholt, die die Regierung in der Finanzkrise in die Lloyds Banking Group gesteckt hat – und sogar noch etwas mehr: 20,4 Milliarden Pfund (umgerechnet 24,4 Milliarden Euro) habe der Staat durch Aktienverkäufe und Dividenden bisher eingenommen, bestätigte der britische Finanzminister Philip Hammond am Freitag bei der IWF-Tagung in Washington. 20,3 Milliarden Pfund habe man 2008 in die Rettung der Bank investiert.

„Das ist ein wichtiger Meilenstein, den wir jetzt erreicht haben“, sagte Hammond. Und man nähere sich bereits dem nächsten Meilenstein an: Schon bald werde Lloyds komplett in private Hände zurückkehren. In den kommenden Monaten werde die Regierung auch noch den verbliebenen Staatsanteil von weniger als zwei Prozent verkaufen, so der Finanzminister.

Lloyds hatte sich durch die Übernahme des Immobilienfinanzierers HBOS übernommen. Nach der Rettung mit Steuergeldern war der Staat mit 43 Prozent an dem Institut beteiligt. 2013 begann der damalige Finanzminister George Osborne mit dem Verkauf der Papiere.

Die Bank hat ihre Probleme ganz im Gegensatz zu dem Konkurrenten Royal Bank of Scotland (RBS), dessen Rettung noch deutlich teurer war, schneller in den Griff bekommen und sich von der Krise erholt. Lloyds hat bereits 2015 zum ersten Mal seit der Krise mit der Auszahlung einer Dividende begonnen. Der Vorsteuergewinn für 2016 hat sich gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt. Er lag bei gut vier Milliarden Pfund.

In die RBS hat die Regierung im Zuge der Finanzkrise 45,5 Milliarden Pfund gesteckt. Die Sanierung der Bank zieht sich deutlich länger hin. Für 2016 hat das Institut einen Verlust von sieben Milliarden Pfund eingefahren.

Der Staat hält noch eine Beteiligung von 72 Prozent an der RBS. Ein Fünf-Prozent-Aktienpaket hat die Regierung im Sommer 2015 mit Verlust abgestoßen. Hammond hat zuletzt gewarnt, dass dies auch für weitere Verkäufe von RBS-Anteilen gelten könnte. Die Regierung wolle die Bank so schnell wie möglich reprivatisieren und dabei einen angemessenen Preis erzielen, sagte der Finanzminister Anfang dieser Woche im Parlament. Ein angemessener Preis könne durchaus unter den 502 Pence je Aktie liegen, die der Staat in der Krise für RBS-Papiere zahlte. Derzeit notieren RBS-Papiere bei knapp 240 Pence je Aktie.

Die Bank dürfte auch das laufende Jahr mit roten Zahlen abschließen. Das wird der zehnte Jahresverlust in Folge. Die RBS kämpft mit teuren Altsünden wie dem Verkauf umstrittener Hypothekenpapiere in den USA. Das wird dem Geldhaus in den nächsten Monaten voraussichtlich eine Milliardenstrafe einbringen.

Großbritannien muss sich zudem noch mit Brüssel darüber einigen, wie man eigentlich mit den Auflagen umgehen will, die die RBS im Gegenzug für die Staatshilfe erfüllen muss. Die Bank hätte sich ursprünglich von der Privatkundensparte Williams & Glyn trennen sollen. Doch dieses Vorgehen ist gescheitert. Die RBS konnte sich mit potenziellen Käufern nicht einigen. Und auch ein Börsengang hat nicht funktioniert. Als Alternative zu einer Ausgliederung von Williams & Glyn will die RBS 750 Millionen Pfund in einen Fonds einzahlen, der Konkurrenten zugute kommen soll. Diese sollen so ihre Kapazitäten bei der Finanzierung mittelständischer Unternehmen erhöhen können. Der Wettbewerb soll so gefördert werden. Noch ist unklar, ob die EU sich darauf einlässt.

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