Lloyd's of London
Eine Institution geht fremd

Der britische Gigant im Versicherungshandel, Lloyd’s, setzt sich von London ab – zumindest ein wenig. Die traditionsreiche Versicherungsbörse baut als Brexit-Reaktion laut Medienbericht Brüssel als neue EU-Basis aus.
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FrankfurtDie Ansage war klar und deutlich. „Wenn wir die Passporting-Rechte nicht bewahren können, würden wir sicherlich einen Hub, wahrscheinlich in Form einer Tochtergesellschaft, auf dem Kontinent aufbauen, über die wir dann das Geschäft mit den Kunden in Europa direkt laufen lassen“, kündigte der scheidende Chairman des britischen Versicherungsgiganten Lloyd's, John Nelson, im vergangenen Herbst an. Etwa ein halbes Jahr später schafft der wichtige britische Versicherungsmarkt nun Fakten.

So soll intern eine Festlegung bereits getroffen worden sein. Der Versicherungsriese Lloyd’s baue Brüssel als neuen EU-Standort wegen des Brexits in Kontinentaleuropa aus, wie das Branchenblatt „Insurance Insider“ am Mittwoch berichtet. Hauptsitz werde weiter London bleiben, doch mehr als 100 Arbeitsplätze könnten von der britischen Hauptstadt verlegt werden, heißt es.

Lloyd’s of London selbst wollte die Informationen nicht näher kommentieren. Die 328 Jahre alte Institution bestätigte lediglich, dass es am Mittwoch ein Treffen und am Donnerstag möglicherweise eine Erklärung geben werde. Lloyd's ist kein Versicherer oder Rückversicherer, sondern eine Börse, an der mit Versicherungen gehandelt wird.

Der britische Versicherungsgigant verlagert damit nicht nur Teile des Geschäfts aus London. Das Traditionshaus setzt damit auch ein politisches Zeichen. Denn die Entscheidung erfolgt unmittelbar im Umfeld der Anrufung des Artikel 50 durch die britische Regierung, die damit die EU-Kommission offiziell vom Austrittswunsch Großbritanniens unterrichtet. Die nun beginnenden Verhandlungen sollen nach Willen der Briten maximal zwei Jahre dauern. Viele Finanzinstitute stellt dies jedoch vor ein heikles Problem. Denn mit dem Abschied von der EU geht der Verlust der sogenannten Passporting-Rechte einher.

Damit sind Rechte gemeint, die es Banken und Versicherern erlauben, von London aus Geschäfte auf dem gesamten europäischen Kontinent zu machen – ein Privileg, das viele Firmen nun mit der Verlagerung von Geschäften in die EU-Zone umgehen wollen. Denn weiter Produkte in den übrigen 27 EU-Staaten verkaufen zu können, brauchen die Firmen eine Lizenz in einem anderen EU-Land, beispielsweise in Deutschland. Deren Beantragung dauert nach Einschätzung von Experten mindestens zwölf Monate – viele Finanzinstitute stehen deshalb jetzt unter Zeitdruck.

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