Lloyds und RBS
Britische Banken verzichten auf Kapitalspritze

Die verstaatlichten Banken Lloyds und RBS haben eine weitere Hürde auf dem Weg zu Reprivatisierung genommen. Sie verzichten auf zusätzliches Geld ihrer Aktionäre und wollen aus eigener Kraft wieder auf die Beine kommen.
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LondonDie beiden verstaatlichten britischen Banken Lloyds und RBS wollen auf dem Weg zur finanziellen Gesundung ohne eine Kapitalspritze ihrer Aktionäre auskommen. Beide erklärten am Mittwoch, sie könnten die Kapitallücke, die ihnen die Bank of England attestiert hatte, ohne Kapitalerhöhung schließen. Es reiche aus, Gewinne einzubehalten, Unternehmensteile zu verkaufen und die bereits existierenden Kapitalpläne weiter zu verfolgen. Wenn der Plan aufgeht, haben sie eine weitere Hürde vor einer Privatisierung aus dem Weg geräumt: Denn vor einem Verkauf der Staatsbeteiligungen müssen Lloyds und Royal Bank of Scotland (RBS) zeigen, dass sie auch allein überlebensfähig sind.

Die britische Regierung hatte in der Finanzkrise zusammen 66 Milliarden Pfund in die beiden Institute gesteckt. "Nachdem sie ihr Geschäft neu ausgerichtet haben, ist jetzt die Zeit für eine klare Strategie, um RBS und Lloyds in den Privatsektor zu entlassen und den Steuerzahler dabei zu schonen", sagte Finanzminister George Osborne. Doch vorher wolle er die Empfehlungen des Parlamentsausschusses für Bank-Standards abwarten, die im Juni veröffentlicht werden sollen.

In der vergangenen Woche war die Lloyds-Aktie erstmals auf 61,2 Pence gestiegen, den Wert, bei dem der Staat aus seinem 20,5 Milliarden Pfund schweren Engagement ohne Verluste wieder herauskäme. Bei RBS, die 45,8 Milliarden Pfund erhalten hatte, ist er hingegen rechnerisch noch tief in den Miesen. Lloyds war zu 39 Prozent, RBS sogar zu 81 Prozent verstaatlicht worden.

Die bei der Notenbank angesiedelte neue Aufsichtsbehörde PRA hatte die Großbanken des Landes im März aufgefordert, bis Ende des Jahres 25 Milliarden Pfund mehr Kernkapital aufzubauen, um sich für faule Kredite zu wappnen. Nach Ansicht von Experten traf das vor allem Lloyds und RBS. Erstere braucht nach ihren Schätzungen fünf Milliarden Pfund, die RBS das Dreifache davon. Die PRA bestätigte nur, dass die Pläne der beiden Institute eingegangen seien und die Behörde ihre Empfehlungen abgegeben habe. Standard Chartered und HSBC zählen ohnehin zu den am besten kapitalisierten Banken der Welt, Barclays sieht sich ausreichend gut mit Kapital ausgestattet.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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