Lord Peter Levene im Interview „Lloyd’s hat starke finanzielle Position“

Die internationalen Rückversicherer setzen sich gegen einen Verfall ihrer Prämienraten zur Wehr. Das Handelsblatt sprach mit Lord Peter Levene, dem Chairman von Loyd’s of London, über den Markt und die Ziele des eigenen Unternehmens.
Lord Peter Levene, Chairman Lloyd's of London

Lord Peter Levene, Chairman Lloyd's of London

Lloyd’s ist stark auf dem Rückversicherungsmarkt engagiert. Wie gravierend sind die Aufweichungstendenzen an der Preisfront für Sie?

Bislang sind die Marktbedingungen weitgehend profitabel geblieben, und die Wirbelstürme 2005 haben fürs erste den weichen Markt gestoppt. Obwohl die Prämien in windlastigen Versicherungssparten gestiegen sind, geben sie in den Bereichen, die Wind und Wetter nicht ausgesetzt sind, etwas nach. Rückversicherungsprämien- und Bedingungen, die keiner Katastrophengefahr ausgesetzt sind, sind allerdings dabei aufzuweichen.

Und wie sieht es mit den Prämien aus, die die Rückversicherer selbst zahlen müssen, wenn sie sich weiter rückversichern?

Die so genannten Retrozessionsprämien sind derzeit wesentlich fester als die Prämien auf der ersten Rückversicherungsebene.

Ist das Angebot an Absicherungen für Naturkatastrophen knapper geworden?

Versicherungsschutz für Katastrophen ist zu bekommen - aber nur eingeschränkt. Verluste durch einen neuen, starken Wirbelsturm würden dies unabhängig von der Preisentwicklung verschärfen, so dass die Retrozessionskapazitäten für die betroffenen Regionen potenziell sehr eingeschränkt wären.

Haben die Versicherer Alternativen?

Die Versicherer sind inzwischen gezwungen, sich alternative Methoden zu suchen, um ihr Rückversicherungsangebot über Verbriefungen wie „Katastrophenbonds“ zu ergänzen. Dieses ist eine der Optionen, mit der sich Lloyd’s befasst hat. Wir sind jetzt dabei, diese Option in ein für den Markt geeignetes Instrument mit Namen Thunderbird Re umzusetzen.

Wird Lloyd’s seine Profitabilität dieses Jahr wiederherstellen können, nachdem die Wirbelstürme Katrina, Rita und Wilma Ihnen 2005 schon einen Strich durch die Rechnung gemacht haben?

Trotz der Wirbelstürme des vergangenen Jahres hat Lloyd’s eine starke finanzielle Position. Das Jahr 2005 war ein Rekordjahr an Naturkatastrophen und hat den Versicherungsmarkt stark beansprucht. Den Bemühungen unserer internen Franchise Performance Direktion haben wir es zu verdanken, dass wir in der Lage waren, mit diesen Ereignissen im normalen Geschäftsverlauf fertig zu werden und nur mit einem geringen Verlust abzuschließen.

Das war eine herausragende Leistung für den Lloyd’s Versicherungsmarkt. Doch können wir es uns nicht leisten, in Trägheit zu verfallen. Im ersten Halbjahr 2006 ist eine durchaus vorteilhafte Schadensentwicklung zu verzeichnen. Die Prämien in den Sparten, die besonders anfällig für Katastrophen sind, sind fest geblieben. Aber wir sind noch mittendrin in der Wirbelsturmsaison, und eine Katastrophe kann jederzeit passieren.

Was heißt das denn nun für Ihr Ergebnis?

Weil wir unser Geschäftsergebnis nicht prognostizieren können, gibt es für uns nur eine Möglichkeit profitabel zu bleiben nämlich durch Vorsorge und Reservenbildung für Katastrophen sowie durch ein hohes Maß an Disziplin bei der Festsetzung der Preise. Lloyd’s entwickelt ständig seine realistischen Schadenszenarien weiter, um für noch schlimmere Wirbelsturmszenarien gewappnet zu sein, die einem Stresstest am Markt für Industrieverluste in Höhe von bis zu 100 Mrd. Dollar standhalten würden.

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