LSE und Deutsche Börse
EU-Kommission unmittelbar vor Verbot von Börsenfusion

Zum wiederholten Male droht eine geplante Fusion zwischen Deutscher Börse und der London Stock Exchange (LSE) zu scheitern. Die EU-Kommission steht einem Bericht zufolge kurz davor, ein Verbot zu verkünden.
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Der geplante Zusammenschluss von Deutscher Börse und London Stock Exchange (LSE) wird Insidern zufolge in den nächsten Tagen endgültig abgeblasen. Die EU-Kommission will die gut 25 Milliarden Euro schwere Fusion in Kürze untersagen, wie vier mit dem Vorgang vertraute Personen am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Die Verkündung der Entscheidung sei nur noch eine Frage von Tagen. Zwei mit der Fusion befasste Personen erwarten dies am 29. März.

Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter hatte sich zuvor wenig hoffnungsvoll gezeigt. „Wir müssen schon sehen, dass mit den letzten Entwicklungen diese Transaktion in ein sehr schweres Fahrwasser geraten ist“, sagte er am Dienstag auf einer Konferenz in Frankfurt. Er sei zwar nach wie vor davon überzeugt, dass der Zusammenschluss sinnvoll sei. Denn nur mit einer bestimmten Größe könne die Deutsche Börse auf den komplexen Märkten ihre Position dauerhaft behaupten. Aber, so fuhr Kengeter fort: „Wir müssen der Realität ins Auge sehen.“

Damit wird die deutsch-britische Börsenhochzeit voraussichtlich auch im fünften Anlauf platzen. Beide Unternehmen waren mit ihren Fusionsplänen vor gut einem Jahr an die Öffentlichkeit gegangen. Durch den Zusammenschluss wollten sie eine europäische Megabörse schaffen, die mit den größeren Konkurrenten aus den USA und Asien mithalten kann. Nach dem Brexit kam es jedoch zu immer mehr Streitigkeiten zwischen den Fusionspartnern. Für Deutschland war der geplante Holdingsitz der fusionierten Börse in London nicht mehr akzeptabel – genauso wenig wie für die Briten eine Verlagerung des Sitzes nach Frankfurt.

Für Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter hat sich das vergangene Jahr finanziell trotzdem gelohnt. Seine Gesamtvergütung stieg auf 7,3 Millionen Euro nach 3,1 Millionen Euro im Jahr 2015. Der starke Anstieg ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass Kengeter erst im April 2015 bei Deutschlands größtem Börsenbetreiber anheuerte und zwei Monate später die Führung des Unternehmens übernahm. 2016 schoss bei ihm besonders die erfolgsabhängige Vergütung nach oben.

Die EU-Wettbewerbshüter wollten eigentlich grünes Licht für die Börsenfusion geben. Sie forderten von der LSE dafür neben dem angebotenen Verkauf des Abwicklungshauses Clearnet SA jedoch auch noch die Veräußerung der kleinen italienischen Handelsplattform MTS. Die LSE lehnte dies Ende Februar aber ab und erklärte, eine Genehmigung der Börsenfusion durch die EU sei in der Folge unwahrscheinlich.

Anfang März sagte LSE-Chef Xavier Rolet jedoch, die LSE habe der EU-Kommission andere Zugeständnisse angeboten. „Es ist jetzt an ihr, darüber nachzudenken.“ Zur Forderung der EU an die LSE, die italienische Anleihen-Plattform MTS zu verkaufen, sagte Rolet damals: „Das hat uns in eine sehr schwierige Situation gebracht“. Selbst wenn die LSE wolle, hätte sich die MTS wohl nicht verkaufen lassen. Warum, führte Rolet jedoch nicht aus. Als wahrscheinlichster Käufer galt lange der französische Rivale Euronext.

Rolet hatte noch Anfang März betont, man habe „unglaublich hart dafür gekämpft, die Fusion sicherzustellen“. Forderungen deutscher Politiker und Regulierer, die Holding in Frankfurt und damit innerhalb der Europäischen Union anzusiedeln statt in der Metropole des EU-Austrittskandidaten Großbritannien, hatte er damals aber eine Absage erteilt: „Das ist als Fusion unter Gleichen konstruiert und nicht dazu, die Kräfteverhältnisse zu verschieben. Das ist kein Projekt, das von Nationalismus getrieben ist.“ Einen „Plan B“ zur Fusion mit der Deutschen Börse habe die LSE nicht.

Die letzten Hoffnungen der Fusions-Befürworter werden mit dem bevorstehenden Veto der EU nun platzen. Mit dem Deal vertraute Personen in Brüssel und Frankfurt sind sich einig, dass die Briten den MTS-Verkauf nur als Vorwand genutzt haben, um den Stecker zu ziehen. In Wahrheit habe die LSE-Spitze während der Brexit-Verhandlungen keine Debatte darüber führen wollen, dass der Holdingsitz nun wegen des EU-Austritts zumindest teilweise nach Frankfurt verlagert werden müsse. Die Deutsche Börse, die LSE und die EU-Kommission wollten sich zum bevorstehenden Aus für den Zusammenschluss nicht äußern.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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