Ludwig Poullain im Interview
„Das Ende der WestLB war konsequent“

Von 1969 bis 1977 war Poullain erster Vorstandsvorsitzender der Westdeutschen Landesbank, die aus der Fusion von Rheinischer Girozentrale und Landesbank für Westfalen entstand. Das Interview führte Thomas Bauer.
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Handelsblatt: Herr Poullain, war dieses Ende der WestLB unvermeidlich?

Ludwig Poullain: Ja, mir scheint es konsequent zu sein nach der Entwicklung, die diese Bank in den 90er-Jahren genommen hat. Die Bank hat ohne Geist gelebt, ohne sich klarzumachen, wo ihre Position in Zukunft sein wird.

Wo wurden die entscheidenden Fehler gemacht?

Friedel Neuber (Vorstandschef von 1981 bis 2001, die Red.) war überfordert, die Weichen zu stellen. Ich denke dabei an die immer größer und bedeutender werdenden Sparkassen, die er vernachlässigt hat.

Wie geht es Ihnen, wenn Sie auf das Ende der Bank blicken?

Ich habe in den 90er-Jahren gelitten wie ein Hund, als ich sah, wie der Geist des Hauses zerstört wurde. Heute leide ich nicht mehr. Ich habe das Ende in den vergangenen Jahren kommen sehen – die vergeblichen Deals, die von vornherein zum Scheitern verurteilten Versuche, mit stets neuen Modellen etwas Neues zu schaffen. Etwa aus einer WestLB eine Investmentbank zu machen. Das war ja schon fast Größenwahn.

Ist die Integration des Verbundgeschäfts mit den Sparkassen in die Helaba eine gute Lösung?

Ja, für mich die einzig denkbare. Der wirtschaftliche Verbund ist bisher immer das Geheimnis des Erfolgs gewesen.

Sehen Sie Konsolidierungen unter den übrigen Landesbanken?

Nein, es gibt unter den Verantwortlichen keine Idee, keine Vorstellung davon, wie das mal in Zukunft gehen sollte. Ich wundere mich immer wieder, wie planlos das geht. Wie man die Dinge den Zufälligkeiten überlässt – oder irgendeiner Weisung aus Brüssel.

Bauer Thomas, Reporter Finanzzeitung Frankfurt
Thomas Bauer
HB Redaktion Finanzzeitung / Reporter Finanzzeitung Frankfurt

Kommentare zu " Ludwig Poullain im Interview: „Das Ende der WestLB war konsequent“"

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  • Das sehe ich wie Sie. Da musste kommen was kommen musste.

    Vergessen haben Sie Frau Merkel, die Vorzeigekommunistin, die uns heute zeigt wo es lang geht.

    In diesem Zusammenhang ist auf ein früheres Interview, auch eine Analyse mit Ludwig Poullain hinzuweisen: "Das endet mit dem großen Knall" (http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken/ludwig-poullain-das-endet-mit-dem-grossen-knall/4590890.html).

  • Eichel war Oberstudienrat, Fachrichtung Germanistik, Philosophie, Politikwissenschaft, Geschichte und daher der "absolut richtige Mann" für dem Job des Finanzministers.
    Auch die ehemalige Finanzpolitische Sprecherin der SPD Ingrid Matthäus-Maier hat sich als Bankmanagerin bei der KfW versucht und ist kläglich gescheitert.

  • Landesbanken sind die Spielbanken der Politiker. Dort können sich Politiker daran versuchen, Banker zu spielen. Diese generell unfähigen Kleinlichter (z.B. der Lehrer Hans Eichel) verzocken Milliarden und stehlen sich dann aus der Verantwortung. Es ist eben für Politiker leichter, auf Banker zu schimpfen als deren Job gut zu machen.

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