Lukrative Marktnische: DKV begleitet Deutsche ins Ausland

Lukrative Marktnische
DKV begleitet Deutsche ins Ausland

Die Deutsche Krankenversicherung (DKV) baut das Krankenversicherungsgeschäft für im Ausland eingesetzte Mitarbeiter von Unternehmen – so genannte Expatriats – aus. Zwar handelt es sich um einen Nischenmarkt, doch der wächst kräftig.

KÖLN. Die Deutsche Krankenversicherung (DKV) baut das Krankenversicherungsgeschäft für im Ausland eingesetzte Mitarbeiter von Unternehmen – so genannte Expatriats – aus. Die Ergo-Tochter kooperiere mit dem britischen Spezialmakler Jardine Lloyd Thompson Group, der unter dem Label Expacare seine Produkte verkauft, sagte DKV-Vorstand Jochen Messemer dem Handelsblatt: „Wir haben die Risiken, Kalkulation und Abwicklung übernommen.“ Zudem eröffnete die Gesellschaft eine Niederlassung in Großbritannien. Das Land gilt als Schlüsselmarkt bei dem Geschäft. Der Markt ist etabliert, und große Teile des internationalen Geschäfts werden hier vermittelt.

Zwar handelt es sich um einen Nischenmarkt, doch der wächst kräftig. „Heute geht es genauso um den Inder, der nach Deutschland kommt, wie den Deutschen, der nach China geht“, sagte Messmer. Als Wachstumsmärkte sieht er neben China und Indien auch den Nahen Osten. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit schätzt die Zahl der Expatriates weltweit auf 30 Millionen Menschen. Davon arbeitet etwa die Hälfte in der EU, allein 1,9 Millionen in Deutschland. Wegen strenger Regulierung, hoher Kosten und der Prozessrisiken schrecken die europäischen Spezialversicherer vor dem US-Markt zurück.

Durch die neue Kooperation steigen die DKV-Prämien in dem Geschäftsfeld zunächst um zehn Mill. Euro, ab 2007 dann um 20 Mill. Euro. Dies ist mehr als ein Drittel des bisherigen Geschäfts. Die Eigenkapitalrendite (Return on Equity) liege deutlich über der Vorgabe von zwölf Prozent der Konzernmutter Münchener Rück – genauere Angaben will Messmer nicht machen. Viele Expatriates sind Führungskräfte. Der Löwenanteil arbeitet für große Unternehmen. Das bestätigt auch der zweite deutsche Anbieter in diesem Segment, die Allianz Worldwide Care (AWC). „Vier Fünftel unseres Geschäfts entfallen auf Blue-Chip-Unternehmen“, sagt AWC-Chef Ron Buchan.

Noch ist der Markt fragmentiert. Den Anteil der zehn größten Anbieter schätzt Messmer auf maximal 25 Prozent. Nur eine Hand voll Versicherer könne es auf Dauer leisten, weltweit die Versorgung der Patienten sicherzustellen. Als Auslaufmodell sieht er den klassischen Vorsorgeweg, das Ausfliegen der Patienten. „Dies ist nur noch in einzelnen Regionen wie weiten Teilen Afrikas mit unzureichenden Vorsorgestrukturen der richtige Weg“, sagt er. Ein entscheidender Wettbewerbsvorteil sei die Sicherstellung hochwertiger Versorgungsnetzwerke besonders in Wachstumsmärkten. Ein solches baut die DKV gerade in China mit dem dortigen Partner PICC auf; in Indien hilft das TPA Paramount der Münchener Rück, deren Wissen hilft ebenfalls in Arabien.

Die wichtigsten Spieler sind die britische BUPA, die erst kürzlich für angeblich mehr als 200 Mill. Euro den dänischen Spezialmakler IHI erworben hat, ebenso wie die beiden US-Firmen CIGNA und AETNA sowie die AWC, die von Dublin aus agiert. Innerhalb von fünf Jahren schraubte die Allianz-Tochter die Prämien auf 100 Mill. Euro hoch. In den vergangenen beiden Jahren legte AWC je um rund 36 Prozent zu. Angesichts hoher Kosten für die Expansion ist Buchan mit dem Verhältnis von Schäden und Kosten zu den Prämieneinnahmen „sehr zufrieden“. Die Quote beträgt 95,5 Prozent. Das Geschäft ist somit schon profitabel.

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