Management schaffte den Turnaround Auferstanden aus Ruinen

Am 6. Februar 2002 wird eine Bank aus Dublin weltberühmt. Die Allied Irish Bank teilt mit, dass ein Devisenhändler ihrer amerikanischen Tochter Allfirst in Baltimore mehr als 690 Mill. $, veruntreut hat, weil er anfängliche Verluste vertuschen wollte.
  • Felix Schönauer

LONDON. Der größte Skandal seit der Barings-Pleite droht, die Bank in den Abgrund zu reißen. Die Allied-Aktie verliert an einem Tag mehr als 15 %, Vorstandschef Michael Buckley bietet seinen Rücktritt an. Das 1966 aus der Provincial Bank, Royal Bank und Munster and Leinster geformte Institut gilt als Übernahmekandidat.

Achtzehn Monate später: Michael Buckley ist noch im Amt. John Rusnak sitzt in den USA eine siebeneinhalbjährige Gefängnisstrafe ab. Der Aktienkurs hat sich etwas erholt. Und bei der Präsentation der Halbjahreszahlen deutet ein Allied-Manager Interesse an einer Übernahme in Großbritannien an. Was ist passiert?

Es scheint, als wäre durch den betrügerischen Devisenhändler ein Ruck durch das ganze Institut gegangen. „Das Management hat die Ärmel hochgekrempelt und die richtigen Initiativen ergriffen“, sagt Mark Thomas von der Investment-Boutique Fox-Pitt, Kelton.

Nach einer kurzen Schreckphase entscheidet sich Buckley zur radikalen Aufklärung. Gleichzeitig leitet er die Trennung von der ungeliebten US-Tochter Allfirst ein, die er im April 2003 vollzieht. Unter Analysten galt diese Lösung seit langem als die beste. Die Erträge der Bank aus Baltimore lagen über Jahre mit knapp 15 % nicht einmal halb so hoch wie in der irischen Heimat. Anstelle ihres Problemkinds Allfirst erhalten die Iren neben Geld einen Anteil am Käufer-Institut, der renommierten US-Handelsbank M&T Bank Corp.

Das Management startet ein Aktien-Rückkaufprogramm. Das soll den Kurs steigern und hilft den Managern überschüssiges Kapital zu reinvestieren. Gleichzeitig arbeiten Buckley und seine Leute daran, das Geschäft in Polen auszubauen.

Der Gang nach Polen gilt als kluge Diversifizierung. Schon im Jahr vor dem Skandal fusionierte Allied ihre beiden Töchter Wielkopolski Bank Kredytowy und Bank Zachodni zur Bank Zachodni WBK. Zwar bringt das neue Institut derzeit weniger als 5 % der Erträge der Gruppe. Doch erhoffen sich Beobachter wie Piers Brown von der Commerzbank von der Expansion nach Osten „ Wachstum, auch dann, wenn es auf dem Heimatmarkt nicht mehr so läuft“.

Das fleißige Management hat auch Glück. Der irische Heimatmarkt, der mehr als 40 % des Gewinns von AIB einspielt, entwickelt sich prächtig. Das Land profitiert vom Euro ebenso wie von der Nähe zu Großbritannien. Niedrigere Zinsen und der günstige Einstiegskurs zum Euro auf der einen Seite; Arbeitsmarkt-Flexibilität wie der englische Nachbar und dessen Wirtschaftskraft auf der anderen feuern das heimische Wachstum an.

Kein Zweifel: Die mit rund 350 Filialen größte Bank des Landes, bei der zwei Fünftel der irischen Einwohner ein Konto unterhalten, hat sich von dem Horrorjahr 2002 erholt. Die Bilanzsumme ist zwar im ersten Halbjahr 2003 auf 76 Mrd. € zurück gegangen, und auch der jüngste Halbjahresgewinn gab wegen des starken Euros zuletzt um 10 % auf 636 Mill. € nach. Doch die Bank ist hochprofitabel: das Aufwands-Ertrags-Verhältnis in der Gruppe liegt bei 56%, und der Kurs ist aus Anlegersicht mit gut 12,20 € günstig.

„Mittelfristig werden sowohl Allied Irish als auch ihre Konkurrenz der Bank of Ireland von einem größeren Institut übernommen“, sagt der Analyst einer US-Adresse. Das zweitgrößte britische Institut Royal Bank of Scotland soll schon bei der Allfirst-Krise ein Auge auf die Iren geworfen haben. Auch dieser Tage werden wohl in Edinburgh die Entwicklungen beim irischen Nachbarn genau studiert.

Quelle: Handelsblatt

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