Manipulationen
Libor-Affäre zieht sich für die Deutsche Bank hin

Mit der Royal Bank of Scotland muss ein zweites Institut nach Barclays eine hohe Millionenstrafe im Zuge der Libor-Affäre zahlen. Von so einer Einigung mit den Aufsichtsbehörden ist die Deutsche Bank weit entfernt.
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London/DüsseldorfIm Skandal um die Manipulation des globalen Referenzzinses Libor wird die Deutsche Bank in diesem Jahr aller Voraussicht nach keine Einigung mehr mit den Aufsehern in Großbritannien und den Vereinigten Staaten erreichen. Im Moment lasse sich kein schneller Vergleich mit der britischen Financial Services Authority (FSA) und den US-Behörden absehen, hieß es am Wochenende in Finanzkreisen.

Ein Grund dafür sei, dass die Regulierer zunächst mit den Instituten verhandeln wollten, die am stärksten in die Libor-Affäre verwickelt sind. Weltweit ermitteln die Aufseher auf drei Kontinenten gegen rund 15 Geldhäuser, die über Jahre hinweg den Libor-Satz manipuliert haben sollen, um höhere Gewinne zu erzielen.

Die britische Großbank Barclays, deren Händler die Rädelsführer in dem Manipulationskartell gewesen sein sollen, musste Ende Juni eine Strafe von 290 Millionen Pfund akzeptieren. Nach Informationen der Zeitung "Financial Times" wird die Royal Bank of Scotland (RBS) als nächstes der verdächtigen Institute einen Vergleich schließen. Eine Einigung sei innerhalb der kommenden zwei Monate möglich.

Dem quasi verstaatlichten Institut drohe mit 200 bis 300 Millionen Pfund eine ähnlich hohe Strafe wie Barclays, obwohl die RBS wegen des Zinsskandals bislang nur vier Händler - Barclays 14 - entlassen musste. Außerdem werde die RBS anders als Barclays wohl keinen gemeinsamen Vergleich mit den Aufsehern in den USA und Großbritannien erreichen, sondern sich zunächst mit der britischen FSA einigen und dann mit den US-Behörden weiter verhandeln.

Diese Informationen sprechen dafür, dass speziell die amerikanischen Aufseher einen härteren Kurs fahren und es für die in den Libor-Skandal verwickelten Institute schwieriger wird, einen Vergleich zu erreichen. Das könnte auch für Anshu Jain, den neuen Co-Chef der Deutschen Bank, zu einem Problem werden. Als früherer Leiter des Investment-Bankings war er für jenen Bereich verantwortlich, in dem die Manipulationen vorkamen. Nach Informationen aus Aufsichtsratskreisen haben die Aufseher bei ihrer Untersuchung bislang allerdings keinerlei Hinweise gefunden, die für eine persönliche Verantwortung Jains sprechen.

Allerdings werten die Regulierer die Organisationsmängel im Investment-Banking der Deutschen Bank als "erheblich". Es habe an Kontrollen gefehlt, an Berichtspflichten und der Trennung von Funktionen, um die Libor-Manipulationen zu verhindern. Die Deutsche hat bereits zwei Händler entlassen.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
Sven Afhüppe
Sven Afhüppe
Handelsblatt / Chefredakteur

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